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Tagblatt Online, 4. Juli 2012, 01:36 Uhr

Eichberg – SVP-Dorf oder Piratennest?

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Alex Arnold (Bild: Urs Bucher)


Früher hiessen Seeräuber Klaus Störtebeker oder Francis Drake. Sie wurden geköpft oder geadelt, je nachdem, wem sie in die Hände fielen. Heute heissen Piraten ganz bürgerlich Arnold und wollen Gemeindepräsident werden. Zumindest Alex Arnold hat sich dieses Ziel gesteckt. Eichberg, die kleine Gemeinde im Sandwich zwischen Altstätten und Oberriet, soll die erste St. Galler Gemeinde mit einem Piraten an der Spitze sein.

Einer gegen zwei

Eichberg ist kein Zufall. Alex Arnold hat dort die Verwaltungslehre gemacht, und dort kam der heutige Projektleiter im Verwaltungsrechenzentrum St. Gallen auch erstmals intensiv in Kontakt mit Computern und Informatik. «Heute lebe ich in St. Gallen», sagt der 31-Jährige. «Aber ich habe noch Kollegen in Eichberg. Und man kennt mich noch, weil ich in der Dorfmusik mitgespielt habe.»

Alex Arnold hat sich nicht, wie es von einem Piraten eigentlich zu erwarten wäre, selber aufgestellt. Er hat vielmehr der überparteilichen Findungskommission seine Bewerbung eingereicht, und diese hat ihn, ein bisschen zu seiner eigenen Verwunderung, tatsächlich portiert.

Gewählt ist er deswegen noch lange nicht. Das Teilzeitamt des Eichberger Gemeindepräsidenten reizt auch den Landwirt und SVP-Kantonsrat Walter Freund. Er hat sich selber nominiert. Die SVP schickt mit James Mock einen eigenen Kandidaten ins Rennen, unterstützt aber auch Walter Freund. Damit die Kirche im Dorf bleibt. Alex Arnold bezeichnet Freunds Söhne als langjährige Kollegen. «Ich war oft bei ihnen auf dem Hof – aber heute erzählen sie mir auch nicht mehr alles.»

Piratinnen fehlen

Sogar Piraten verlangt es zuweilen nach Strukturen und Verbindlichkeit. Im Spätherbst 2011 war für Alex Arnold und einige Gleichgesinnte die Zeit reif. Aus einer losen Stammtischrunde wurde die Piratenpartei St. Gallen-Appenzell – mit Arnold als Gründungspräsident und heute rund 150 Mitgliedern. Im kommenden Herbst treten die Piraten an vier Orten zu den Kommunalwahlen an: in St. Gallen mit sechs, in Gossau mit zwei, in Degersheim und eben in Eichberg mit je einem Kandidaten.

Obwohl es mit Mary Read und Anne Bonny historische Vorbilder für Piratinnen gäbe – die Kandidierenden sind samt und sonders Männer. Alex Arnold schreibt das dem Ruf zu, dass Piraten Informatikfreaks seien «und Informatik halt eher männerlastig ist». Sollte er gewählt werden, würde Arnold immerhin die Nachfolge einer Frau antreten. Weshalb Eliane Kaiser nach nur zwei Jahren als Gemeindepräsidentin das Handtuch geworfen hat, wisse er, sagt Arnold – aber sagen mag er es nicht. Piratenehre.

Weder links noch rechts

Ist er erst einmal Gemeindepräsident von Eichberg, will Alex Arnold dann aber «transparente Politik» machen. Im gängigen Links-Rechts-Schema könne er weder sich selber noch seine Partei positionieren: Zum einen habe die Partei erst zu wenigen Problemkreisen ihre Standpunkte erarbeitet, zum andern bewegten sich ihre Mitglieder in einem sehr breiten Spektrum. Ein Positionspapier zu Europa und EU soll es seit kurzem geben – auf der Homepage der Piratenpartei scheint es allerdings noch nicht auf.

Selbstbehinderung der SVP hin oder her – Alex Arnold weiss sehr genau, dass er den Eichbergern die Piraten und ihre Absichten noch erklären muss, wenn er am 23. September eine Chance haben will, das Gemeindehaus zu erobern. Wie er das zu tun gedenkt, tönt erstaunlich konventionell: «Mit einem Flugblatt zum Beispiel, und einer Info-Veranstaltung.»

Wichtig ist ihm die Botschaft, dass er Eichberg nicht als Fusionskandidatin sieht – weder mit Altstätten noch mit Oberriet. Die 1500-Seelen-Gemeinde soll selbständig bleiben. Irgendwie logisch, diese Position – auch Piraten brauchen einen sicheren Hafen.

Silvan Lüchinger



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
adolfk31 (04. Juli 2012, 03:37)
Der Bessere ...

soll amten !

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