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Tagblatt Online, 21. Juni 2012 07:49:00

«Deutlich spürbarer Leistungsabbau»

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Erwin Beck (Bild: pd)

Die Pädagogischen Hochschulen St. Gallen und Thurgau verzeichnen eine von Jahr zu Jahr steigende Anzahl Neuanmeldungen. In St. Gallen haben sich für den Herbst 409 Maturanden oder Quereinsteiger eingeschrieben, im Thurgau 275.

Die Pädagogischen Hochschulen St. Gallen und Thurgau verzeichnen eine von Jahr zu Jahr steigende Anzahl Neuanmeldungen. In St. Gallen haben sich für den Herbst 409 Maturanden oder Quereinsteiger eingeschrieben, im Thurgau 275. Für die Hochschulen ist das an sich eine erfreuliche Entwicklung – sie bringt aber auch Probleme mit sich. Beide Institutionen haben ihre Kapazitätsgrenzen längst erreicht und sehen sich mit immensen Platzproblemen konfrontiert. Erschwerend kommt hinzu, dass auf den Kantonen Spardruck lastet. Im Thurgau hängt das Damoklesschwert «Sparpaket» noch über der Bildungsinstitution, in St. Gallen sind die Sparmassnahmen bereits beschlossen. Bis 2015 will der Kanton bei der PHSG 1,8 Millionen Franken einsparen.

Mehr Studierende, weniger Geld

Dem PHSG-Rektor Erwin Beck bereitet das Sorgen. «Belastend wirkt sich aus, dass der Anstieg an Studierenden in den vergangenen Jahren leider nicht auch zu entsprechend höheren finanziellen Beiträgen geführt hat. Der Staatsbeitrag ging sogar zurück.» Verglichen mit dem ersten Betriebsjahr 2008 studieren heute 65 Prozent mehr angehende Lehrer an der PHSG. «Wir mussten deshalb allein in Bezug auf die im Jahr 2013 effektiv benötigten Mittel schon 2,8 Millionen Franken einsparen», erklärt Beck. Im Hinblick auf 2014 und 2015 seien nun zusätzliche Beträge von je 600 000 Franken fällig.

«Es steht ein deutlicher Leistungsabbau bevor, den die angehenden Lehrerinnen und Lehrer zu spüren bekommen werden.» Das heisse konkret: weniger intensive Betreuung, weniger kulturelle Einbettung, weniger Unterstützung durch elektronische Medien, kaum noch freiwillig belegbare Musikstunden – und damit ein Angebots- und Qualitätsabbau. «Es versteht sich von selber, dass wir damit Gefahr laufen, unsere gegenwärtig sehr gute Position auf dem Markt der schweizerischen Anbieter für Lehrerbildung zu gefährden», sagt Beck.

Lehrermangel gemildert

Anlass, für die PHSG, Zulassungsbeschränkungen einzuführen, ist das nicht. Es sind nach wie vor zu wenig Lehrer auf dem Markt – gerade auf der Oberstufe. Mit ein Grund dürfte sein, dass in der Schweiz die Ausbildung zum Oberstufenlehrer von acht auf neun Semester verlängert wurde. Für die Ostschweiz hätte dies zur Folge gehabt, dass 2011 keine neuen Oberstufenlehrer auf den Markt gekommen wären – hätte sich die PHSG nicht etwas einfallen lassen. 20 angehende Oberstufenlehrer erklärten sich bereit, zwei statt ein Abschlusssemester zu absolvieren. Während dieses Jahres waren sie zu 50 Prozent als Lehrkraft tätig. «Damit haben sie wesentlich dazu beigetragen, dass kein gravierender Lehrermangel auf der Oberstufe entstand», sagt Beck. Heute abend erhalten sie ihr Diplom. Jeanette Herzog





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