Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 01. Mai 2012 05:54:00

«Das ist die teuerste Demo der Schweiz»

Demo vor dem Connyland Zoom

Am 1. April 2012 demonstrierten Tierschützer vor dem Connyland. (Bild: Donato Caspari)

LIPPERSWIL. Am 1. April 2012 – just zur Eröffnung des Connylands – haben Tierschützer vor dem Freizeitpark für dessen Schliessung demonstriert. Für die Demo mussten die Organisatoren 500 Franken bezahlen. Zu viel, finden sie.

Maria Kobler-Wyer

200 Franken Bewilligungsgebühr, 300 Franken für Feuerwehrpikett – ergibt Grundkosten von 500 Franken für die Demonstration vor dem Connyland. «So viel mussten wir noch nie zahlen», sagt Mit-Organisatorin Gaby Bühler gegenüber Tagblatt Online. «Das ist die teuerste Demo der Schweiz.» Die ProWal-Demo vom August 2011 habe die Organisatoren nur 250 Franken gekostet, sagt sie. «Das stimmt nicht», sagt Adrian König, Gemeindeammann von Wäldi. «Wir haben damals ebenfalls 200 Franken für die Bewilligung verlangt.»

Friedliche Demo
Die tatsächlichen Kosten für den Feuerwehreinsatz (Absperrarbeiten und Verkehrsregelung) habe die Gemeinde damals nicht in Rechnung gestellt, so König.  Aufgrund dieser Erfahrungen habe die Gemeinde für die Demo vom 1. April von Gesuchstellerin Angie Neuhaus 900 Franken Depot verlangt. 600 Franken davon hat sie nach der Demo wieder zurückerhalten. «Die Demonstranten haben alles aufgeräumt», sagt König. «Wir hatten keine Beanstandungen.» Auch Mediensprecher Ernst Vogelsanger von der Thurgauer Kantonspolizei bestätigt, dass die Demo ruhig verlaufen sei.

«Fünf Stunden auf Platz»
Dennoch hat die Gemeinde 300 Franken für ein Feuerwehrpikett zurückbehalten. Unverständlich – finden die Organisatoren. «Die Feuerwehr musste nicht aufgeboten werden», sagt Gaby Bühler. Eine Nachfrage bei der Beratungsstelle der Zeitschrift «Beobachter» und beim «K-Tipp» habe ergeben, dass diese Praxis nicht rechtens sei. Und in einem Schreiben von Gesuchstellerin Neuhaus an Gemeindeammann König steht, dass die Polizei der Meinung war, dass die 900 Franken zurückbezahlt werden sollten, da die Feuerwehr nicht im Einsatz gestanden sei. «Für die Planung und das Aufgebot der Feuerwehr für einen allfälligen Einsatz sowie die Präsenz des Feuerwehrverantwortlichen -in Absprache mit der Polizei- während der Demo sind Kosten entstanden», sagt König. «Die Steuerzahler sind nicht mehr bereit, solche Kosten zu übernehmen.»

Rechtsgrundlage geprüft
Die Gemeinde Wäldi habe das Gesuch sauber abgeklärt. «Wir haben das sehr seriös gemacht», sagt Adrian König. «Zudem hat das Departement für Bau und Umwelt unsere Verfügung gestützt.» Organisatorin Angie Neuhaus hat nämlich gegen die Gebühren und die Zeitbeschränkung auf zweieinhalb Stunden Rekurs eingereicht – ist aber in allen Punkten abgeblitzt. Deshalb musste sie noch die Gerichtskosten von 450 Franken berappen. «Wir haben geprüft, ob eine Rechtsgrundlage vorhanden ist», erklärt Marco Sacchetti, Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt. Die 200 Franken Grundgebühr fallen laut Sacchetti unter das Strassen- und Weggesetz. «Es ist eine Gebühr für die Erteilung einer Bewilligung für gesteigerten Gemeingebrauch.» Die Rechtsgrundlage für die Erhebung eines Kostenvorschusses finde sich hingegen im Verwaltungsrechtspflegegesetz.

Zeitliche Beschränkung
Im Rekurs wehrten sich die Organisatoren nicht nur gegen die Gebühren, sondern auch gegen die Beschränkung der Demonstrationszeit. «Wir wollten von 10 Uhr bis 15 Uhr demonstrieren», sagt Gaby Bühler. «Die Leute sind nämlich aus der ganzen Schweiz, aus Deutschland und Ric O'Barry sogar aus den USA angereist.» Die Gemeinde gab aber nur eine Erlaubnis bis 12.30 Uhr.  «Wenn niemand gestört wird, könnte die Gemeinde grosszügig sein. Da sollte es möglich sein, einen Tag lang zu demonstrieren», sagt der St.Galler Yvo Hangartner, emeritierter Professor für Staatsrecht. Für zeitliche Beschränkungen brauche es eine sachliche Begründung. «200 Franken Gebühren sind hingegen normal, wenn sich der Gemeinderat oder Beamte mit einem Gesuch befassen müssen», sagt Hangartner. «Ein Handwerker verlangt für seine Dienste auch Geld.» Für ihn geht das Feuerwehr-Pikett jedoch ebenfalls etwas weit. «Ich finde es problematisch, wie Gemeinden mit Gebühren Leute abschrecken, ihr Recht auf Demonstration und Rekurs wahrzunehmen», sagt er.


Kein Depot bei Demos in St.Gallen und Zürich
In der Stadt Zürich fanden im letzten Jahr rund hundert Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen statt. «Die Grundgebühr beträgt rund 200 Franken», sagt Marco Bisa, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. «Ein Depot wird nicht verlangt.» In der Zeit von 22 Uhr bis 7 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen – Ausnahmen sind der 1. Mai und der 1. August – werden keine Demos bewilligt. Für die Bewilligung ist der Polizeivorsteher zuständig, der Organisator muss verschiedene Auflagen einhalten. «Während einer Demo muss der Organisator zum Beispiel immer erreichbar sein, es darf kein Geld gesammelt werden, das Vermummungsverbot muss eingehalten werden», sagt Bisa. Eine Demonstration dauere meistens zwei bis drei Stunden.
Etwa fünf- bis zehnmal pro Jahr wird in der Stadt St.Gallen demonstriert, wie Benjamin Lütolf, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen gegenüber Tagblatt Online sagt. «Die meisten Demos kosten um die 100 Franken», so Lütolf. Ein Depot wird nicht verlangt. «Wenn Veranstalter nach einer Demo eine Sauordnung hinterlassen, wäre es möglich, dass wir bei einer erneuten Anfrage ein Depot verlangen», erklärt Lütolf. Bisher sei das aber nie vorgekommen. Wie lange die Demo stattfinden darf hängt etwa davon ab, ob der öffentliche Verkehr blockiert wird, welche Plätze zugewiesen werden oder wie stark die Stadt belastet ist. «Vor Wahlen ist es schwieriger, da Plätze oftmals bereits durch Stände der Parteien besetzt sind», sagt Lütolf. Da könne es auch vorkommen, dass die Route geändert oder die geplante Demo auf ein anderes Datum verschoben werden müsse. «In der Regel versuchen wir aber, jede Demo zu bewilligen.»
In der Stadt Kreuzlingen findet etwa im Dreijahresrhythmus eine Demonstration statt. «Die Bewilligungsgebühr beträgt 50, maximal 100 Franken», sagt die stellvertretende Stadtschreiberin Janine Benz. «Ein Depot ist nicht üblich.» Ebenso gebe es keine zeitlichen Vorgaben. (maw)






Leser-Kommentare:
7 Beiträge

Kommentare lesen

loewe73 (01. Mai 2012, 22:36)
Demo

Ja wenn ihr immer und immer wieder kommen wollt dann sollte die Gemeinde Wäldi mal 5000 Fr.verlangen.Man soll das Geld dort nehmen wo es im überfluss vorhanden ist.Und noch wegen der Eintritte.Ich kaufe auch kein Ticket mehr.Habe mir gerade eine Saisonkarte gekauft.Ist viel praktischer für mich.Erspare mir so eine lange Wartezeit an der Kasse.

Beitrag kommentieren

Ybag (01. Mai 2012, 20:08)
Demonstrieren im Thurgau nur für Reiche

Hier geht es ja nicht nur um diese eine Demo, sondern um das Demonstrationsrecht. Um in Lipperswil demonstrieren zu dürfen, muss man zuerst mal Fr. 1'100.- (200 Bewilligung + 900 Depot) auf das Konto der Gemeinde Wäldi einbezahlen. Sonst geht gar nichts. So ist es einfach nicht mehr möglich, das Demonstrationsrecht auszuüben und das war auch das Ziel der Gemeinde Wäldi. Sie wollten es uns vermiesen. Da aber Tierschutz weder Kantons- noch Landesgrenzen kennt und wir Tierschützer zusammen halten, hats doch noch geklappt. Wir werden deswegen auch nicht aufgeben. Erst wenn das Delfinarium geschlossen ist, wird Connyland und somit auch die Gemeinde Lipperswil Ruhe haben vor uns lästigen Tierschützern. Tierschützer zu sein ist nicht ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung und Delfinarien sind ein Auslaufmodell. Unsere Nachricht an alle: Kauft keine Tickets für Delfin Shows. Dann hat dieser Alptraum bald ein Ende, weltweit.

Beitrag kommentieren

Angie (01. Mai 2012, 11:18)
@Deich

Anfahrtskosten, Banner, Täfeli geht zugunsten der Delfine,das ist ja wohl klar, Wäldi musste gar nichts machen, ausser einen Brief für die Bewilligung (200 Fr zu schreiben. Und wenn die Gemeinde mit der Planung der Feuerwehr, die schon gar nicht kommen musste, so viel Arbeit hat, dann machen sie etwas falsch. Jeder Einzelne bei der Feuerwehr hat ein Pager, keiner muss zuhause warten und nur wenn ein Einsatz erforderlich ist, bekommen sie einen Sold.Es ist eine Schikane der Gemeinde uns gegenüber, es könnte eine Abschreckung sein, dass wir nicht mehr kommen, aber falsch, sollte diese Tierquälerei nicht bald ein Ende haben, kommen wir wieder. Herr König hat glaube ich auch zwei Gesichter, er steht eindeutig zu CL, das sieht man auch auf der HP von Wäldi, andererseits hat er mir am Tel. persönlich gesagt, er begrüsse die Demo und er will auch dass sie durchgeführt wird.

Beitrag kommentieren

deich (01. Mai 2012, 09:15)
Unsinn

Die 500 harten Schweizerfranken sind ein Klacks Da kosteten schon die vielen beschrifteten "Täfeli" und sonstigen Artikel, die hochgehalten, geschwenkt oder platziert wurden, deutlich mehr. Nicht berechnet die Anfahrtskosten der illustren Demonstranten. Was nichts kostet, taugt nichts, sagt der Volksmund. Ob so eine Demo "taugt" und es keine vernünftigere Lösung gibt, bestehende Gegensätze der Parteien zu überbrücken, ist eine ganz andere Frage. Eines ist sicher: Wäldi wird durch Demonstrationen sicher nicht wohlhabender.

Beitrag kommentieren

fotonix (01. Mai 2012, 09:09)
Demokratie ade

Sehr geehrter Loewe73, da ist aber halt der Unterschied - wir leben aber in der Schweiz in einer Demokratie!

Beitrag kommentieren

loewe73 (01. Mai 2012, 08:56)
Immer dieses Gejammer

Wenn es diesen möchte gern Tierschützer nicht passt sollen sie aufhören zu Demonstrieren.Es hat sie niemand dazu gezwungen eine Demo zu machen.Und wenn man einem Ric o Barry den Flug und Aufenthalt bezahlen kann,liegen auch diese 500 Fr.noch drin.Schliesslich hatten sie ja gute Sponsoren.Also ich habe kein mitleid.Im gegenteil.Von mir aus hätte der Betrag noch höher sein dürfen.Geht doch mal nach Japan oder auf die Färörer Inseln.Dort ist es sicher Gratis.

Beitrag kommentieren

fotonix (01. Mai 2012, 08:00)
Bereicherung auf Grund freier Meinungsäusserung

Man muss hier den Eindruck gewinnen, dass die Gemeinde etwas ins Feld führt, was die freie Meinungsäusserung behindern soll. Ausserdem erweckt es den Eindruck, dass die Gemeinde sich auf Kosten des verbrifeten Rechts bereichern will. Woher weiss dend der Herr König, dass die Steuerzahler nicht hinter der Demo stehen?! Meine Meinung ist es jedenfalls nicht, ich stehe hinter der freien Meinungsäusserung, auch wenn diese sich in einer friedlichen Demo darstellt.

Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...