Tagblatt Online, 19. Juli 2012 01:12:00
Das Märchen vom faden Wasser
Wie beschreibt man den Geschmack von Wasser? Dominique Zimmer beim Wassertesten. (Bild: Reto Martin)
FRAUENFELD. Ein Bierbrauer, eine Aqua-Fit-Instruktorin, ein Wasserversorgungs-Spezialist und ein See-Meitli testen den Geschmack verschiedener Mineral- und Hahnenwasser. Die Aufgabe ist anspruchsvoll, aber zum Schluss kann es nur einen Sieger geben.
IDA SANDL
Wein kann nach Brombeeren schmecken, nach Holzfässern oder sogar nach Humus. Was der eine gut findet, mag für jemand anders ein Graus sein. Auf jeden Fall lässt sich zu jedem Tropfen etwas sagen. Man kann die verschiedenen Weine bewerten oder zumindest beschreiben. Bei Bier wird es für den ungeübten Trinker schon etwas schwieriger. Wie aber schmeckt Wasser? Gibt es einen Unterschied zwischen stillem Valser oder dem trendigen Evian? Oder – noch vertrackter – unterscheidet sich Hahnenburger aus Kreuzlingen von dem aus Frauenfeld?
Spätestens jetzt ist klar, was für eine schwierige Aufgabe wir unseren Wassertestern gestellt hatten. In einem Blindversuch mussten sie drei verschiedene stille Mineralwasser und zwei Leitungswasser bewerten, geschmackliche Unterschiede herausfinden und – wenn möglich – erraten, welches Wasser sie getrunken haben.
Wasser ist nicht gleich Wasser
Alle vier haben ihre Aufgabe mit sensiblen Geschmacksnerven, grosser Konzentration und sehr viel Humor gemeistert. Das Ergebnis des Tests ist die Ehrenrettung für ein wertvolles, aber etwas unterschätztes Lebensmittel. Fazit: Wasser ist nicht gleich Wasser, und es ist alles andere als fad.
Alle unsere Tester haben direkt oder indirekt mit dem Element Wasser zu tun: Riekje Schmid lebt als Bäuerin in Lustdorf. Sie ist gebürtige Holländerin und gelernte Physiotherapeutin. In ihrer Freizeit gibt Riekje Schmid Aqua-Fit-Kurse in Frauenfeld. Nicht nur für Aqua-Fit braucht Riekje Schmid Kondition, sie beweist auch enormes Organisationstalent. Sie hat vier Kinder im Alter von ein, drei, vier und fünf Jahren. Wie sie das alles schafft? Riekje Schmid lacht: «Ich habe einen sehr flexiblen Mann.»
Dominique Zimmer kommt aus Bischofszell. Er ist Bauingenieur und arbeitet seit März beim Amt für Umwelt in Frauenfeld. Zimmer hat die Oberaufsicht über die Wasserversorgung im Kanton Thurgau. «Wasser ist das am besten überwachte Lebensmittel», sagt er. Deshalb könne man Wasser aus dem Hahnen bedenkenlos trinken.
Gutes Wasser fürs Bier
Mit Wasser hat auch Martin Stadler zu tun. Der Deutsche ist Braumeister im Brauhaus Sternen in Frauenfeld und als solcher quasi für die Veredelung des Wassers zuständig. Nur gutes Wasser wird zum Bierbrauen verwendet. Wobei gutes Wasser vor allem weiches Wasser ist. Wasser aus der Leitung wird deshalb aufbereitet, also enthärtet.
Die Vierte im Bunde, Andrea Clerici, kommt aus Mörschwil, das ist nicht sehr weit vom Bodensee entfernt. Sie leitet das Sekretariat der Thurgauer Zeitung. Andrea Clerici schwimmt gerne, ihr Hund, ein Labrador, planscht am liebsten im See.
Hahnenwasser ist ökologisch
Für die beiden Hahnenwasser hat es bei unserem kleinen Geschmackstest zwar nicht für die vorderen Plätze gereicht. Gemäss der Stiftung für Konsumentenschutz hat das Wasser aus der Leitung aber ökologisch die Nase vorn. Es ist bis zu tausendmal umweltfreundlicher als das Mineralwasser aus dem Regal.
- Artikel empfehlen:








Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben