Tagblatt Online, 03. Juli 2012 07:32:00
«Besserwisser und Dummköpfe»
Strassenbau durch den Thurgau: Die Abstimmungsgegner kämpfen mit harten Bandagen. (Bild: Donato Caspari)
FRAUENFELD. Gegner und Befürworter von BTS und OLS kritisieren die Abstimmungskampagnen ihrer Kontrahenten. Auch vor persönlichen Beleidigungen schrecken sie nicht zurück.
MARINA WINDER
Die Abstimmung über BTS und OLS findet im September statt. Der Abstimmungskampf ist bereits vor einigen Wochen losgegangen. Die Gegner der Strassenbauvorhaben sind von 0 auf 100 gestartet und führen eine intensive Kampagne. Die Befürworter hingegen sprechen bei ihren Aktivitäten noch von einer «Vorkampagne» und wollen nach eigenen Angaben erst im August richtig loslegen.
Emotionaler denn je
Sie üben aber harsche Kritik an der Kommunikationsweise ihrer Kontrahenten. Selten habe er eine derart emotional geführte Abstimmungskampagne erlebt, sagt beispielsweise der Präsident des Ja-Komitees, Armin Eugster. Die Strassen-Gegner würden mit allen Mitteln Emotionen schüren, anstatt sich auf sachliche Argumente zu stützen. Eugster geht sogar noch einen Schritt weiter. Er wirft den Gegnern vor, mit Unwahrheiten zu werben, so beispielsweise bei der Angabe der Kosten. Besonders stört ihn aber, dass Befürworter persönlich unter Beschuss gerieten. «Wir wurden schon als Besserwisser, Dummköpfe und brüllende Sauen bezeichnet, Jakob Stark als der billige starke Jakob. Und das nicht irgendwo, sondern auf der Homepage des Nein-Komitees.» Eugster plädiert für mehr Sachlichkeit.
Konfrontiert mit den Vorwürfen lacht Peter Gubser, SP-Kantonsrat und Mitglied des Nein-Komitees, lauthals heraus. «Mit was werben denn die Befürworter? Mit roten Herzen! Was könnte denn emotionaler sein als ein rotes Herz?!» Auf die Kritik, die Gegner würden in ihrem Abstimmungskampf auf Personen zielen, sagt er, dass es sich dabei um Karikaturen handelte und Personen der Öffentlichkeit dies aushalten müssten. Er selber sei von den Befürwortern auch schon namentlich in Fernsehinterviews erwähnt worden. Dass die Gegner Unwahrheiten verbreiten würden, weist Gubser klar von sich. Auf das von Eugster angeführte Beispiel mit den unterschiedlichen Ansichten über die Kosten der Bauvorhaben will Gubser nicht näher eingehen. Er verweist auf eine demnächst stattfindende Pressekonferenz, an der dieses Thema im Detail aufgegriffen werde. Im Gegenzug kritisiert er die Abstimmungskampagne der Befürworter: «Das Baudepartement ist zu einer Werbeagentur mutiert. Die staatlich bezahlte Propaganda ist demokratisch sehr fragwürdig.»
Stark versus Gubser
In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit sind SVP-Regierungsrat Jakob Stark und SP-Kantonsrat Peter Gubser mittlerweile zu verbitterten Gegenspielern geworden. Es begann damit, dass Gubser hinter aktuellen Baustellen und der aus ihnen resultierenden Verkehrsführung Kalkül des Baudepartementes vermutete. «Sind das koordinierte Aktionen, um den Thurgauern die negativen Auswirkungen des Autoverkehrs aufzuzeigen?», fragte er in einem offenen Brief an den Regierungsrat. Dieser verpasste ihm dafür in einem Fernsehinterview die rote Karte.
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Kommentare lesen
unbekannt (03. Juli 2012, 11:53)
ich wünsche.................
.......bloss, dass der öffentlichkeit bald einmal bezüglich der haltlosen verdrehungen und teils lügereien der dunkelrotgrünen gruppierungen die augen geöffnet werden - gegen jegliche formen von dringlichkeiten motzen und negieren, wenn mal etwas nicht in deren kram passt und von linker seite vorgetragen wurde -
Beitrag kommentierendeich (03. Juli 2012, 09:10)
Baustellen
Wie Gubser "Baustellen" im Bereich Kreuzlingen zu interpretieren versucht, ist Unsinn. Die Regierung und die Befürworter der projektierten neuen Strassenzüge tun gut daran, sich nicht auf dieses Niveau herab zu lassen und bei einer sachlichen Auseinandersetzung zu bleiben. Für Projekte, die für 3-4 Generationen und mehr ihre Wirkung entfalten sollen, sind bekanntlich stets unterschiedliche Ansichten zu erwarten. Oft reicht bei einigen der Horizont nicht so weit. Sie sehen lieber im "Status quo" der Zukunft entgegen. Andere beurteilen die jetzigen und die zu erwartenden Verhältnisse als nicht zukunftsfähig und versuchen der Sache durch eine Umplanung eine neue Richtung zu geben. Dann sind da noch die "Naturfreunde" mit ihren spezifischen Interessen, die oft nur durch Kompromisse sinnvoll durchzusetzen sind. Nur eine Aufklärung ohne Emotionen schafft jene Transparenz, die den Abstimmenden eine gute Entscheidungsgrundlage ermöglicht.
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