Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 16. Mai 2012 07:09:00

Auch Alternativen zu Antibiotika wirken

Obstbaeume Zoom

Feuerbrand lässt Blätter und Blüten Welken. (Bild: Archivbild: Susann Basler)

Eine Studie der Universität Konstanz gibt den Kritikern des Streptomycin-Einsatzes zur Feuerbrandbekämpfung Aufwind. Ein Alternativpräparat erzielte einen ähnlich hohen Wirkungsgrad wie das Antibiotikum.

CHRISTOF WIDMER

FRAUENFELD. Nicht nur das umstrittene Antibiotikum Streptomycin bekämpft den Feuerbrand. Auch alternative Mittel können einen hohen Wirkungsgrad erreichen. Das zeigt eine neue Studie der Universität Konstanz im Auftrag des deutschen Bundesprogramms Ökologischer Landbau. Laut der Studie hat das Hefepräparat Blossom Protect einen Wirkungsgrad von 78 Prozent. Das Gesteinsmehlpräparat Myco-Sin reduziert den Feuerbrandbefall demnach um 61 Prozent. Zum Vergleich: Der Wirkungsgrad von Streptomycin liegt bei 85 Prozent.

Kritiker sehen sich bestätigt

Vor allem die gute Wirkung von Blossom Protect lässt aufhorchen. Kritiker des Streptomycin-Einsatzes sehen sich bestätigt. Man müsse sich fragen, ob der geringfügig bessere Wirkungsgrad von Streptomycin die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen aufwiegen könne, sagt Stephan Jaun, Leiter Information von Bio Suisse. Er spielt damit unter anderem auf die Entsorgung von mit Streptomycin belastetem Honig an. Immerhin zeige der Biolandbau, dass auch ohne Antibiotika Obst angebaut werden könne.

«Die Alternativpräparate haben eine Wirkung», bestätigt auch Feuerbrand-Experte Urs Müller vom kantonalen Pflanzenschutzdienst. Im Thurgau gehören sie deshalb zu den empfohlenen Mitteln zur Feuerbrandbekämpfung. Allerdings sei die Wirkung bei Blossom Protect unstetig, sagt Müller. Die Hefepilze brauchten Wärme und Zeit für die Vermehrung. Die Wirkung hänge von der Witterung ab. Myco-Sin wiederum habe den Nachteil, dass es die Blüten nur zwei Tage vor dem Feuerbrandbakterium schütze, sagt Müller. Das sei kurz. Zudem sei ein Wirkungsgrad von 61 Prozent tief.

Der Pflanzenschutzdienst hält darum am Antibiotikum Streptomycin fest – für die Hauptbehandlung der Obstanlagen an den Infektionstagen, wenn sich die Feuerbrandbakterien so stark vermehrt haben, dass sie neue Bäume befallen können. Die alternativen Mittel empfiehlt Müller für die Vorbehandlung, um den Infektionsdruck möglichst niedrig zu halten. Das hilft vor allem dann, wenn es mehr Infektionstage gibt, als die zwei vom Bund pro Anlage erlaubten Streptomycin-Einsätze abdecken können.

Auf Antibiotikum verzichtet

Eine Entspannung an der Feuerbrand-Front zeichnet sich derweil in einzelnen Regionen ab. Den Obstbauern in Mammern, Steckborn, Berlingen, Salenstein, Münsterlingen, Altnau, Güttingen, Kesswil, Uttwil und Hüttwilen hatte der Pflanzenschutzdienst dieses Jahr empfohlen, kein Streptomycin zu spritzen. Wegen der konsequenten Feuerbrandbekämpfung mit Rodung oder Rückschnitten befallener Bäume gibt es hier kaum mehr Bakterienherde. Die Behandlung mit den Alternativpräparaten reichte darum aus. Zwei Drittel der Betriebe hätten wohl auf das Antibiotikum verzichtet, schätzt Müller. Er hofft, dass er künftig noch in weiteren Regionen den Verzicht auf Streptomycin empfehlen kann.




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...