Tagblatt Online, 19. Mai 2012 09:55:00
Aids und Aids-Hilfe im Wandel
Die Aids-Hilfe im Thurgau existiert noch. Sie ist neu aber Bestandteil der Perspektive Thurgau. (Bild: Nana do Carmo)
FRAUENFELD. Der Aids-Hilfe Thurgau wurden massiv Gelder gekürzt. Als Folge davon musste sie sich neu organisieren. Um das bisherige Angebot weiterhin abdecken zu können, wollen ehemalige Mitglieder zusätzlich einen neuen Verein gründen.
MARINA WINDER
Der Verein Aids-Hilfe Thurgau/Schaffhausen ist Vergangenheit. An der letzten Versammlung haben ihn die anwesenden Mitglieder aufgelöst. Die vom Verein geführte Fachstelle wurde schon Anfang Jahr in die Perspektive Thurgau, die kantonale Fachstelle für Gesundheitsförderung, Prävention und Beratung, integriert. Dort ist sie Teil des Bereichs «Gesundheitsförderung und Prävention».
Schaffhausen spaltet sich ab und führt die Aids-Hilfe Schaffhausen als eigenständiger Verein mit neuem Vorstand und neuen Statuten weiter.
Die gleichen Ansprechpersonen
Der Standort der Fachstelle Aids-Hilfe Thurgau an der Oberstadtstrasse 6 in Frauenfeld ist der alte, und auch die Ansprechpersonen sind die gleichen geblieben. Ein wichtiges Angebot der Aids-Hilfe Thurgau bleibt der HIV-Schnelltest mit zugehöriger Vor- und Nachberatung. Den Schwerpunkt setzt sie bei der Prävention.
Nicht mehr im Angebot sind Beratung und Begleitung von HIV-positiven Menschen und deren Angehörigen. Für einige der ehemaligen Vereinsmitglieder ist aber gerade dieser Teil des Beratungsangebotes unerlässlich. Sie haben deshalb eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Verein in einer neuen Form fortzuführen.
«Darf nicht vergessen gehen»
Dieser neue Verein soll am 19. Juni in Weinfelden gegründet werden, heissen soll er «AIDS TG». Die bisherigen Vereinsmitglieder erhalten dieser Tage Post und werden zur Gründungsversammlung eingeladen.
Als Präsident des neuen Vorstandes ist Roland Grisoli vorgeschlagen. Er war bisher Vereinsmitglied und engagiert sich seit vielen Jahren für Fairbag, ein theaterpädagogisches Präventionsangebot für Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. «Es ist wichtig, dass wir weiterhin aktiv agieren, damit die Thematik dieser Erkrankung nicht in Vergessenheit gerät», sagt Grisoli. Der neue Verein will in erster Linie eine Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige sein. Er will sich aber auch dafür einsetzen, dass Betroffene Bekanntschaft mit anderen Betroffenen machen können, wenn sie das wollen. «Dieses Networking kann beispielsweise im Rahmen eines jährlichen oder halbjährlichen Anlasses stattfinden», sagt Roland Grisoli.
Inwiefern der neue Verein mit der Perspektive Thurgau und der dort untergebrachten Fachstelle für Aids-Hilfe zusammenarbeiten wird, ist noch offen. «Wir gehen davon aus, dass die Fachstelle Interesse an einer Zusammenarbeit hat. Wir nehmen jetzt die Gespräche auf.» Grisoli stellt sich die Zusammenarbeit so vor, dass die Fachstelle infizierte Menschen an den Verein «AIDS TG» weiterleiten wird. «Auch den Spitälern werden wir eine Zusammenarbeit vorschlagen.»
Die Umstrukturierung der Thurgauer Aids-Hilfe nahm vor etwa vier Jahren ihren Anfang. Das Geld, das dem Kanton für Präventionsmassnahmen zur Verfügung steht, wurde damals neu verteilt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren zwei Drittel des Budgets in die Aids-Hilfe geflossen. Der damalige stellvertretende Kantonsarzt wollte mehr Geld zur Förderung eines gesunden Körpergewichts und zur Bekämpfung von Depression einsetzen. Die Mittel für die Aids-Hilfe wurden halbiert. Ein Vorstoss im Grossen Rat, der das verhindern wollte, wurde abgelehnt. Der Vorstand der Aids-Hilfe musste sich zwangsläufig nach einem neuen Partner umsehen.
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