Wenn die Kassen schön klingeln

EINNAHMEN ⋅ Die wirtschaftliche Lage ist schwierig, die Steuerkraft stagniert. Trotzdem konnten 30 Thurgauer Gemeinden ihre Steuerfüsse unter 70 Prozent senken. Doch das allein ist kein Garant für eine hohe Finanzkraft. Das zeigt das Beispiel Dozwil.
11. Juni 2017, 05:16
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Die Steuererklärung: Sie auszufüllen ist für manchen Bürger ein Graus. Die Steuern schliesslich auch zu zahlen tut vielen weh. Ein kleiner Wermutstropfen, wenn wenigstens der Steuerfuss nicht so hoch ist. Doch davon träumen Bewohner gewisser Gemeinden höchstens. Hier folgt die gute Nachricht: Die Steuerfüsse sind im ganzen Kanton Thurgau leicht rückläufig. Im Vergleich zu vor zehn Jahren haben 30 politische Gemeinden ihren Steuerfuss unter 70 Prozent gesenkt. Nur noch fünf Gemeinden gibt es, die ­einen höheren Steuerfuss haben.

Doch für Jakob Rütsche, Amtsleiter der kantonalen Steuerverwaltung, sind die diesjährigen Zahlen nicht unbedingt ein erfreuliches Ergebnis. «Die wirtschaftliche Lage ist nicht mehr so gut wie auch schon», sagt Rütsche, die Steuerkraft im Thurgau stagniert erstmals wieder. Faktoren wie das fehlende Bevölkerungswachstum oder ausserordentliche Erträge, beispielsweise aus Bonuszahlungen, die ausgeblieben sind, führten dazu. Zudem haben ungeklärte Fragen bezüglich der Unternehmenssteuer­reform und der Masseneinwanderungs-­Initiative zu Unsicherheiten und zu weniger Zuwanderung neuer und reicher Steuerzahler geführt.
 



Doch was wird mit der Steuerkraft überhaupt gemessen? «Das ist einfach gesagt die Finanzkraft einer Gemeinde.» Je höher die Steuerkraft, desto höher sind die Einnahmen pro Einwohner. Im Thurgau, weiss der Experte, sind das die Seegemeinden, die potente Steuer­zahler haben. Der Vergleich zwischen Steuerfuss und Steuerkraft zeigt, wie viel eine Gemeinde für ihren Unterhalt benötigt. «In der Tendenz ist es so, dass die reichen Gemeinden noch reicher werden.» Da hilft dann nur noch eines: Der Finanzausgleich. Dafür gibt es einen Topf, in den die reichen Gemeinden und der Kanton Geld einspeisen, dass schliesslich an die finanzschwachen Gemeinden ausgeteilt wird. Die Verteilung wird auf Grundlage gesetzlicher Parameter vorgenommen. «Es ist jedoch eine Kunst, die Verteilung so auszutarieren, dass im Endeffekt alle in etwa gleich ‹unzufrieden› sind», sagt Rütsche. Wer glaubt, eine hohe Steuerkraft helfe Kosten einzusparen, der irrt. Die Steuerkraft relativiert sich für die steuerpflichtige Person, wenn man das Gesamtbild von Steuern und Wohnkosten betrachtet.

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