Verkaufsstart: Das Schloss Eugensberg kommt für über 30 Millionen Franken auf den Markt

SALENSTEIN ⋅ 11 Schlafzimmer, eine Garage für 18 Autos und eine Fläche von 113 Fussballfeldern: Das Schloss Eugensberg im Kanton Thurgau bietet seinem Käufer viel Platz. Nun sind die Details zum Verkauf bekannt. Für die gesamte Anlage wird ein Richtpreis von mehr als 30 Millionen Franken erwartet.
12. April 2018, 11:37
Sebastian Keller

(Sebastian Keller)

Hoch über dem Untersee thront das Schloss Eugensberg. Hier, in der Thurgauer Gemeinde Salenstein, residierte Rolf Erb bis zu seinem Tod. Der Pleitier verstarb am 8. April auf seinem Schloss, das er nach 1991 mit seiner Familie bewohnte. Die Familie zog im August 2017 aus – seither steht das Schloss leer. Der Öffentlichkeit blieb das Anwesen in den vergangenen Jahrzehnten verborgen. Gestern boten die Verantwortlichen des Schlossverkaufs Medienschaffenden erstmals Einblicke in das zwischen 1819 bis 1824 erbaute klassizistische Schloss.

Das Schloss Eugensberg in Salenstein, hoch über dem Unteresee, soll ab Mitte April verkauft werden. Dies, nachdem die Erb-Gruppe und der ehemalige Besitzer Rolf Erb im Jahr 2003 mit Milliardenschäden Konkurs gegangen waren. (Bilder: Keystone)

Ein Anwesen so gross wie 113 Fussballfelder

Oberhalb des Schlosses mit elf Schlafzimmer ist ein Swimmingpool angelegt, der 900 Quadratmeter gross ist. Zum Grundstück gehören weitere Gebäude wie etwa ein Gutsbetrieb, ein Badehaus am Untersee sowie Wald- und Landwirtschaftsland, ebenso die Ruine der Burg Sandegg sowie ein Tennisplatz. Eine Abstellhalle bietet Platz für 18 Autos, inklusive unterirdischem Zugang zum Schloss. Ebenso zählt eine Quelle zum Grundstück, daraus gespeist wird beispielsweise das Wasser für den Pool. Total erstreckt sich das Grundstück über 81 Hektaren, das entspricht etwa 113 Fussballfeldern. «Ein Anwesen dieser Grösse ist selten in der Schweiz», sagte Claude Ginesta von der gleichnamigen Immobilienfirma aus dem Kanton Zürich. Sein Unternehmen wurde mit dem Verkauf betraut. Für interessierte Käufer bietet sich die Möglichkeit, das gesamte Anwesen zu kaufen oder sechs Teilobjekte separat. Das Anwesen komme auch auf den internationalen Immobilienmarkt.

Die Schlossanlage Eugensberg aus der Konkursmasse von Rolf Erb kommt auf den Markt. Das gesamte Anwesen erstreckt sich über eine Fläche von 81 Hektaren (ca. 113 Fussballfeldern). Rolf Erb war ein Schweizer Unternehmer und verurteilter Betrüger. Er starb am 8. April 2017. (Adrian Reusser)

«Eine Liste mit Käufern»

Ginesta bestätigt, dass es bereits «eine Liste mit Käufern» gebe. Besichtigungstermine seien bereits vereinbart worden. Namen nannte er keine. Es bestehe der Wunsch, das Anwesen in den nächsten drei Monaten zu verkaufen. Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass ein Schlossverkauf «gut und gerne» ein bis zwei Jahre dauern könnte. Das Schloss kommt zuerst auf den Markt – am heutigen Donnerstag. Die weiteren Grundstücke werden ab dem 2. Mai zum Verkauf angeboten. «Der Wald und das Landwirtschaftsland kommen zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt», sagte Ginesta. Der Verkauf erfolgt freihändig, es findet also keine Versteigerung statt.

Martin Wenk ist Leiter der Abteilung Konkursamt in der kantonalen Verwaltung. Er sagte: «Dieses Konkursverfahren ist kein alltäglicher Fall.» Schloss Eugensberg sei das letzte Objekt aus der Konkursmasse Rolf Erbs. Der Verkauf der Winterthurer Villa Wolfensberg sowie eine Immobilie im Zürcherischen Rüdlingen laufe derzeit. «Alle übrigen Vermögenswerte wurden verwertet», sagte Wenk. Ziel sei es, ein möglichst gutes Resultat für die Gläubiger zu erzielen. Als weiteres Ziel nannte Wenk, dass ein geeigneter Käufer gefunden werden soll. In der Personalzeitschrift des Kantons Thurgau sagte der Leiter des Abteilung Konkursamt unlängst, was er damit meinte: «Wir verkaufen nicht an einen Despoten.» 

 

Gläubiger bleiben auf Grossteil ihrer Forderungen sitzen

Der Frauenfelder Rechtsanwalt Matthias Hotz vertritt die Gläubiger. Er sagte: «Wir befinden uns nun auf der Zielgeraden.» Dies nach fast 15 Jahren. Über den Käufer des Schlosses entscheiden schliesslich die Gläubiger in Absprache mit dem Konkursamt. Wie zu erfahren war, bleiben die Gläubiger auch nach der Verwertung des Schlosses auf einem Grossteil ihrer Forderungen sitzen. Diese belaufen sich auf Milliarden. Der Verkauf aller Vermögensteile dürfte im Endeffekt schätzungsweise 100 Millionen einbringen. Genaue Zahlen waren nicht zu erfahren.

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