Trara – die Post ist nicht mehr da

POSTSTELLEN ⋅ Der Thurgau ist überdurchschnittlich von Schliessungen betroffen. Das lässt im Grossen Rat zwar niemanden kalt. Ein Patentrezept liegt aber auch nach einer Grundsatzdiskussion keines auf dem Tisch.
15. Februar 2018, 05:20
Christian Kamm

Christian Kamm

christian.kamm

@thurgauerzeitung.ch

Manchmal lag gar eine Prise Hilflosigkeit in der Luft. Etwa, als Interpellant Peter Bühler (CVP, Ettenhausen) eine teilweise «Ohnmacht bei der Regierung» diagnostizierte und sie aufrief, in ihrem Kampf gegen die fortschreitende Poststellenschliessung im Thurgau nicht nachzulassen. Wenn nötig auch einmal laut und undiplomatisch. «Und den Thurgauer Löwen mal murrend und knurrend loszulassen.»

Umgekehrt wurde in praktisch jedem Votum ein gewisses Mass an Verständnis für die Situation der Post laut, die es angesichts des veränderten Kundenverhaltens und der fortschreitenden Digitalisierung alles andere als leicht habe. Sie müsse sich ­behaupten, wettbewerbsfähig bleiben.

Veränderung kann auch Chance sein

Am deutlichsten warb Ueli Fisch (Ottoberg) namens der GLP für eine offene Haltung gegenüber Veränderungen, die nun einmal stattfänden, «ob wir das wollen oder nicht». Deshalb brauche das Unternehmen den nötigen Freiraum zur Weiterentwicklung. Eine gewisse «Postalgie» sei zwar verständlich, gleichzeitig aber gelte: «Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.»

Auch FDP-Sprecher Andreas Opprecht (Sulgen) äusserte im Grundsatz Verständnis für eine Post, die mit der Zeit gehen müsse. «Doch die jetzige Schliessungswelle kommt zu schnell und ist zu radikal.» Es lohne sich deshalb auf jeden Fall, sich für das verbleibende Poststellennetz einzusetzen.

«Nicht einmal mehr in der Hälfte der Thurgauer Gemeinden gibt es noch eine Post», kritisierte Peter Bühler die Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Kundinnen und Kunden müssten immer längere Wege in Kauf nehmen. «Der Post scheint das aber egal zu sein.»

Wie Bühler setzte auch SP-Sprecherin Barbara Kern (Kreuzlingen) bei Agenturen als Alternativen zu Poststellen dicke Fragezeichen. «Die SP träumt nicht von der Post vor 40 Jahren», so Kern, aber man wünsche sich einen professionellen und sozialen Staatsbetrieb, «der sich nicht ganz durch Gewinnmaximierung auffressen lässt». Schliesslich könne man das eine, die Digitalisierung, tun, ohne gleichzeitig vom Grundauftrag zu lassen.

Didi Feuerle (GP, Arbon) ortete ebenfalls einen noch nie da gewesenen Digitalisierungsschub. «Ich selber war letztes Jahr nur noch zweimal auf der Post.» Die Grünen seien zwar für die Aufrechterhaltung eines engmaschigen Poststellennetzes, aber das setze den politischen Willen aller voraus, Quersubventionierungen und Monopole zuzulassen, forderte Feuerle.

«Was hat der Regierungsrat mit seinen Interventionen bewirkt?», fragte Andrea Vonlan­then (SVP, Arbon) kritisch in die Runde. Das Ganze erinnere ihn an eine «Strategie der Hilflosigkeit». In zahlreichen Dörfern sei nicht nur die Post verschwunden. «Damit geht die örtliche Identität verloren.» Für Wolfgang Ackerknecht (EVP, Frauenfeld) ist es wichtig, dass der Thurgau Gegendruck erzeugt. «Jene Hunde, die jetzt nicht bellen, werden nicht zur Kenntnis genommen.» Es werde am falschen Ort gespart, monierte Marlise Bornhauser (EDU, Weinfelden).

Regierungsrat Walter Schönholzer betonte, dass Postagenturen in vielen Fällen eine gute Lösung seien – nicht aber in grossen Gemeinden. «Dort kann man die Postkunden nicht auch noch in den Volg hineinquetschen.» Bis eine von Bundesrätin Leuthard eingesetzte Arbeitsgruppe ihren Bericht vorlege, «ist es nicht opportun, noch schnell, schnell ein paar Poststellen zu schliessen», so Schönholzer. Er erwarte von der Post in den Gesprächen zur Überprüfung von weiteren zwölf Poststellen deshalb grösste Zurückhaltung. Und den Gemeinden rät der Regierungsrat: «Führen sie harte Verhandlungen!»


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