«...sonst müssen wir um unser Leben fürchten»

Das Connyland und seine Delfinhaltung kommen nicht aus den Schlagzeilen. (Archiv/Reto Martin)

LIPPERSWIL. Die Bestürzung im Connyland nach dem Tod des zweiten Delfins innert nicht einmal einer Woche ist gross. Für die Betreiber ist klar: Der Tod von «Chelmers» kann kein Zufall sein – zu deutlich seien die Parallelen zum Fall vom vergangenen Dienstag.

14. November 2011, 13:02
Daniel Walt
«Wenn binnen weniger Tage zweimal ein völlig gesundes Tier innert weniger Minuten stirbt, drängen sich gewisse Gedanken auf.» Das sagt Erich Brandenberger, Mediensprecher des Thurgauer Freizeitparks Connyland. Am Sonntag starb der 29-jährige Delfin «Chelmers». Nur wenige Tage zuvor hatte das Connyland über den Tod von «Shadow» am Dienstag informieren müssen.

«Nie im Leben erwartet»
Für Erich Brandenberger ist klar: Der exakt gleiche Verlauf - hektisches Hin- und Herschwimmen der jeweiligen Tiere, Krämpfe, Atemnot und schliesslich der Tod – deutet klar auf Fremdeinwirkung hin. Oder wie Brandenberger sagt: «Unglaublich, unfassbar. Solche Zufälle gibt es nicht.» Die Situation rund um die Delfinhaltung des Connylands habe in der jüngeren Vergangenheit ein Mass angenommen, das die Verantwortlichen nie im Leben erwartet hätten, so Brandenberger. Dies auch mit Verweis auf mehrere Mails, in denen den Connyland-Betreibern und –mitarbeitern am vergangenen Donnerstag mit dem Tod gedroht worden sei. Dass jemand aus dem Kreis der Mitarbeiter für den Tod der Delfine verantwortlich ist, kann sich Brandenberger nicht vorstellen. «Aber auszuschliessen ist nie etwas, bis das Gegenteil bewiesen ist.»

Fischkühler versiegelt
Das Connyland begrüsst es laut Erich Brandenberger, dass die Staatsanwaltschaft nun in alle Richtungen ermittelt. «Jeder wird unter die Lupe genommen werden», sagt er. Wasser- und Futterfischproben wurden laut dem Mediensprecher des Freizeitparks sofort entnommen. «Unser Fischkühler wurde versiegelt und bleibt das vorderhand auch», so Brandenberger. Das Connyland werde noch heute eine Notlieferung an Futterfischen vom Gardaland erhalten - «nachher müssen wir schauen, wie wir uns organisieren», so Brandenberger. Das Connyland hat zudem veranlasst, dass Gewebeproben und Blut des am vergangenen Dienstag verstorbenen Delfins ans Institut für Rechtsmedizin in St.Gallen geschickt wurden – bei jenen von «Chelmers» ist das bereits passiert. «In St.Gallen wird spezifisch nach Gift gesucht», so Brandenberger.

Winterquartier wird permanent bewacht
Nach dem Tod des 29-jährigen «Chelmers», der seit einem Vierteljahrhundert im Connyland lebte, bleiben dem Freizeitpark noch drei Delfine. Zu ihrem Schutz wird das Winterquartier der Tiere nun permanent bewacht. Vorwürfe, dass man das schon nach dem Tod von «Shadow» hätte tun müssen, lässt Erich Brandenberger nicht gelten: «Dann hätte man schon damals davon ausgehen müssen, dass kriminelle Energie für den Tod des Tiers verantwortlich war. Wir sind ein Unterhaltungsbetrieb und wollten diesem Gedanken eigentlich keinen Raum geben», sagt er. Nun, nach dem Tod von «Chelmers», deuten die Indizien für Brandenberger aber klar auf Fremdeinwirkung ein. «Wenn sich dieser Verdacht bewahrheitet, können wir nur hoffen, dass der Schuldige gefunden wird. Sonst müssen wir alle um unser Leben fürchten.»

Tierschützer wollen Beschlagnahmung der übrigen Delfine

Mit grosser Bestürzung reagieren die Schweizer Organisation OceanCare sowie das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) und ProWal aus Deutschland auf den erneuten Tod eines Delfins im Connyland. OceanCare bezieht sich auf Mutmassungen, die Tiere seien von Tierschützern vergiftet worden - sollten sich diese Spekulationen erhärten, würde sich OceanCare «in aller Form von diesen sogenannten Tierschützern distanzieren, die auch vor kriminellen Aktionen nicht zurückschrecken, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen und sich zu profilieren», wie die Organisation schreibt. Die Tötung gefangener Tiere sei verwerflich und unethisch - «unter keinen Umständen - schon gar nicht mit dem Argument, die Tiere würden von ihrem Leiden erlöst - kann so etwas gerechtfertigt werden», so OceanCare. Die beiden deutschen Tierschutzorganisationen ihrerseits, welche das Connyland schon länger kritisieren, weisen die Aussage des Freizeitparks, dass die Delfine möglicherweise vergiftet worden seien, als Schutzbehauptung zurück. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF: «Wir erwarten jetzt sofort eine neutrale Untersuchung der Vorfälle und fordern die Beschlagnahmung der verbliebenen drei Delfine, um ihre Leben zu retten. Im Connyland scheinen sie nicht mehr sicher zu sein.» (dwa)

 

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