Mit Heumilch gegen den tiefen Milchpreis

MELKEN ⋅ Das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg denkt über zukunftsfähige Landwirtschaft nach. Potenzial sehen die Verantwortlichen beispielsweise in der Heumilch. Diese könnte dazu beitragen, mehrere Probleme der Milchwirtschaft zu lösen.
18. Juli 2017, 07:10
Sebastian Keller

Milchbauern haben Probleme: zu hohe Kosten, zu geringe Erträge. «Die Rechnung geht nicht auf», sagte Martin Huber, Direktor des Bildungs- und Beratungszen­trums (BBZ) Arenenberg, vor den Medien. Und hier setzt das BBZ an. Es hat analysiert, wie sich die Milchwirtschaft doch noch rechnen könnte. Mit grösseren Herden und anspruchsloseren Kühen etwa. «Die Kühe sollen sich möglichst selber ihr Futter auf der Weide holen», sagte Huber weiter. Im Stall gibt’s Heu. Schliesslich muss das Produkt unter dem Label Heumilch an den Konsumenten gebracht werden. «Wir rechnen damit, dass der Ertrag bei Heumilch um fünf bis zehn Rappen pro Kilogramm höher ausfällt», sagte der BBZ-Direktor. Zudem liege Sparpotenzial von bis zu fünf Rappen drin. Aktuell würden 62 Rappen für ein Kilogramm konventionelle Milch ­bezahlt, bei Heumilch liegt der Richtpreis bei 70 Rappen.

Der Milchviehstall auf dem Arenenberg wird auf die Produktion von Heumilch umgestellt. Die Herde soll von 22 auf 50 Kühe vergrössert werden. Dazu wird auf dem Gelände ein neuer Stall gebaut – und nicht wie ursprünglich geplant ausserhalb. «Ich hoffe, dass wir den Bau im Jahr 2019 realisieren können», sagte Huber. Die Heumilch der Arenenberg-Kühe wird bereits heute in Pfyn weiterverarbeitet. Peter und Liselotte Jörg von der Chäsi Pfyn stellen Käse, Fondue und Joghurt her. «Im April haben wir komplett auf Heumilch umgestellt», sagte Peter Jörg. Die Produkte erfreuten sich steigender Nachfrage.

Manuela Vogel, die für das BBZ im Verein Heumilch Schweiz mitarbeitet, zeigte die Bedingungen auf, die für Heumilchproduzenten gelten: Die Kühe müssen in den Sommermonaten mindestens 26 Tage pro Monat weiden; der Kraftfutteranteil darf zehn Prozent nicht überschreiten; der präventive Antibiotikaeinsatz ist verboten. Heumilch Schweiz arbeitet mit der Partnerorganisation aus Österreich zusammen. Sie beackern zusammen den deutschen Markt. «Schweizer Käse hat in Deutschland einen hohen Wert», sagte Bernhard Müller vom BBZ. Alleine in Baden-Württemberg sei das Potenzial mit elf Millionen Menschen gross. In der Ostschweiz dürften die Kunden vermehrt Heumilchprodukten begegnen: Coop stockt sein Sortiment in der zweiten Augustwoche auf.

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch


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