Thurgauer Festlaune ist in Gefahr

WETTBEWERB ⋅ Über zwei Jahre suchte der Thurgauer Musikverband einen Organisator für das Kantonale Musikfest. Nun steht fest: Es findet in Kradolf-Schönenberg statt. Fehlende Veranstalter für grosse Anlässe hindern auch andere Verbände.
17. September 2017, 05:17
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

Ruth Gubler ist erleichtert: «Es ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, dass es doch noch geklappt hat.» Erst seit knapp zwei Jahren ist sie Präsidentin des kantonalen Musikverbandes im Thurgau. Dass ihr erstes Kantonale Musikfest ins Wasser fallen könnte, bereitete ihr Sorgen. Nun wurde mit dem Musikverein Kradolf-Schönenberg ein Organisator für das Fest gefunden. Am 1. und 2. Juni 2019 werden rund um die Mehrzweckhalle in Kradolf festliche Klänge ertönen. Das Organisationskomitee hat sich bereits an die Arbeit gemacht, um das Fest für die rund 2000 teilnehmenden Musikantinnen und Musikanten aufzugleisen. OK-Präsident Werner Messmer ist zuversichtlich: «Bis Ende Jahr haben wir die verlorene Zeit aufgeholt.» Denn die Vergabe fand zweieinhalb Jahre später statt als üblich. Doch warum meldete sich so lange niemand, um das Fest zu auszurichten?

Aufwendige Organisation

Am Finanziellen kann es nicht liegen. Der Umsatz eines Kantonalen ist lukrativ für den Gastgeber, das weiss die Präsidentin aus eigener Erfahrung. Das letzte Kantonalfest hat sie mit ihrem eigenen Verein in Müllheim bestritten. «Die Vereine haben Respekt vor dem Grossanlass», sagt sie. Das ist einer der Gründe, weshalb sich so lange kein Verein finden liess, der das Fest organisieren wollte, vermutet Gubler. Manchmal nütze auch die beste Werbung des Verbandes nichts, wenn sich die Vereine nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen. Um den eigenen Verein von einer Durchführung zu überzeugen, sollten schon vor der Vergabe Ideen zur Umsetzung des Festes vorhanden sein. Denn die Organisation ist aufwendig. Deshalb will der Verband die Gastgeber entlasten. «Den Spielplan, also wer wann sein Wettspiel hat, übernimmt künftig der Verband.» Das sei ein grosser Brocken Arbeit, der viele Vereine abgeschreckt hat. Zudem setzt die amtsjunge Präsidentin auf Reformen. «Die Vereine sind viel freier in der Ausführung.» Der Festabschluss beispielsweise war früher Pflichtprogramm mit einem Gesamtchor. Für die Infrastruktur bedeutet das: Die Gastgeber brauchten einen Platz, auf den 2000 Musikanten genügend Raum finden, um zusammen den Thurgauermarsch spielen zu können. Kein einfaches Unterfangen, sagt Gubler.

Auch wenn das Organisationskomitee noch am Anfang seiner Arbeit steht, gibt es bereits ein paar entscheidende Änderungen: Das Fest in Kradolf wird nur während zwei, anstatt wie früher während drei Tagen stattfinden. Zudem wurde das Abendprogramm abgespeckt: «Es gibt kein spektakuläres Programm, das viel kostet und wenig Einnahmen bringt», weiss die Präsidentin. Sie ist überzeugt: «Das Kantonale Musikfest in Kradolf wird ein Meilenstein sein.»

Von einer Vorreiterrolle will OK-Präsident Werner Messmer nicht sprechen. Dafür sei es noch zu früh. Der ehemalige Bauunternehmer wurde vom Musikverein Kradolf-Schönenberg angefragt. Selbst spielt er in der FEG Brass Band Sulgen mit, auf dem Bariton. «Ich bin das Organisieren gewohnt und mache es gerne. Aber es ist eine Herausforderung», sagt er. Das gelockerte Reglement sei kein ausschlaggebender Grund gewesen. «Bis jetzt sehe ich noch keine besonderen Freiheiten», sagt der 70-Jährige. Die Vorfreude ist ihm aber anzumerken. «Die Blasmusik wird in diesen zwei Tagen im Zentrum stehen», sagt Messmer.


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