«Ich bin der Schuhmacher der Pferde»

FREDY VETTERLI, HUFSCHMIED ⋅
31. Dezember 2017, 10:05
Notiert: Rossella Blattmann

Es kommt immer wieder vor, dass ich auf das Hufeisen als Glückssymbol angesprochen werde. Nicht nur an Silvester und Neujahr, sondern während des ganzen Jahres. Kunden fragen mich zum Beispiel, ob sie ein altes Hufeisen ihres Pferdes für eine Hochzeitsfeier oder ein Hufeisenwerfen behalten dürfen. Das ist jeweils kein Problem. Woher der Gedanke, dass Hufeisen Glück bringen sollen, kommt? Das weiss ich gar nicht so genau.

Die Liebe zu den Pferden liegt in unserer Familie. Wie bereits mein Vater und Grossvater arbeite ich als Hufschmied in Pfyn. Mit 13 Jahren war es für mich klar, dass ich in ihre Fussstapfen treten werde. So begann ich 1989 nach der Schule eine vierjährige Hufschmied-Lehre in Rafz, die ich 1993 erfolgreich abschloss. Seit 24 Jahren bin ich mit Freude im Geschäft.

Ein Pferd benötigt durchschnittlich alle sechs bis acht Wochen neue Eisen an den Hufen. Dabei spielt die Jahreszeit eine Rolle. Hufe bestehen aus Horn, genau wie unsere Zehen- und Fingernägel. Im Winter wächst das Horn weniger schnell als im Sommer. Darum braucht ein Pferd in den kalten Monaten weniger oft neue Hufeisen als im Sommer.

Als Hufschmied fahre ich in der ganzen Region von Hof zu Hof und von Stall zu Stall. An einem normalen Arbeitstag lade ich am Morgen alles Material, das ich benötigte, in den Wagen. Dann fahre ich los. Ich habe immer einen Plan dabei, auf dem steht, wann ich wo sein muss. Es kann vorkommen, dass ich kurzfristig einen Anruf von einem Stallbesitzer bekomme, weil bei einem der Pferde ein Eisen plötzlich nicht mehr richtig sitzt. Solche Notfalleinsätze kommen allerdings nicht besonders häufig vor.

Eisen an den Hufen sind wie Schuhe an den Füssen. Wenn sich ein Pferd fortbewegt, dann nutzt sich das Horn der Hufe nach und nach ab. Das ist für das Tier unangenehm. So wie es für uns Menschen unangenehm ist, barfuss auf Kies herumzulaufen. Hufeisen sorgen dafür, dass das Pferd keine Schmerzen hat. Auf den verschiedenen Unterlagen in der Schweiz ist es darum nötig, die Pferdehufe mit Hufeisen zu schützen. Auch wenn dies bedeutet, die Eisen mit Nägeln in die Hufe zu schlagen: eine bessere Alternative für die Pferde gibt es momentan einfach nicht. Für die Tiere wäre es weit qualvoller und schmerzhafter, ohne diesen Schutz an den Hufen herumzutraben.

Braucht ein Pferd neue «Schuhe», entferne ich als erstes die abgenutzten Eisen. Dann schneide ich das Horn zurecht und schaue, dass das Tier gut steht. Dieser Schritt ist besonders wichtig. Als nächstes wärme ich ein Stück Eisen im Ofen. Ich forme es und passe es an, bevor ich es in einem Eimer Wasser abkühle. Mit sechs bis sieben Nägeln befestige ich das Eisen am Huf.

Die Arbeit mit den Pferden ist das Beste an meinem Beruf. Ich mache für sie schöne Schuhe, und durch meine Tätigkeit geht es den Pferden besser. Das ist sehr gut zu sehen. Ebenfalls macht es mich glücklich, wenn ich merke, dass die Besitzer zufrieden mit meiner Arbeit als Hufschmied sind. Es ist toll, einen Teil dazu beitragen zu können. Der Beruf des Hufschmieds hat auch weniger schöne Seiten. So kann es manchmal körperlich ziemlich an die Substanz gehen. Aber die positiven Aspekte überwiegen auf jeden Fall.

Für mich bedeutet Glück, dass es meiner Familie, meiner Frau und meinen drei Kindern und meinen Freunden gut geht. Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass alle gesund bleiben. Das gilt auch für meine eigenen fünf Turnierpferde, die hier auf dem Hof in Pfyn leben. Mein berufliches Ziel für 2018 ist, dass mein Geschäft weiterhin gut läuft. Ich wünsche mir, dass ich noch viele Jahre Schuhmacher für die Pferde sein darf. Meine Arbeit macht mich einfach nur glücklich.

Notiert: Rossella Blattmann


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