Grösste Sturmschäden seit Lothar - Borkenkäferpopulation verdreifacht

KANTON THURGAU ⋅ Schätzungsweise 15000 Kubikmeter Holz wurde im Thurgau beim Gewittersturm in der Nacht auf den 2. August beschädigt. Das Aufräumen muss schnell gehen. Denn die vielen toten Rottannen sind das perfekte Brutgebiet für Borkenkäfer.
15. August 2017, 14:30
Larissa Flammer
Die Borkenkäferanzahl hat sich im Thurgauer Wald seit vergangenem Jahr bereits verdreifacht. Durch den Gewittersturm, der in der Nacht auf den 2. August viel Wald verwüstet hat, muss ein weiterer starker Anstieg befürchtet werden. Dies sagte Robert Schönholzer, Revierförster des Forstreviers Seerücken, an einer Medienkonferenz. Vor allem zwischen Neunforn und dem Untersee hat der Gewittersturm viel Unheil angerichtet. «Lokal sind die Schäden verheerend», sagte der zuständigen Kreisforstingenieur Ulrich Ulmer. «Es ist der grösste Sturmschaden im Thurgauer Wald seit dem Orkan Lothar 1999 – auch wenn der viel, viel grösser war.»

Gut die Hälfte der Schadholzmenge sind Rottannen. Diese sind besonders anfällig gegen Borkenkäfer. Die vielen, durch den Sturm gefällten Rottannen bieten dem Käfer ideale Brutbedingungen. «Der Sturm hat uns auf dem falschen Fuss erwischt», sagte Kantonsforstingenieur Daniel Böhi. Bereits Anfang Juli habe das Forstamt zu einer ersten Gesprächsrunde zur Borkenkäfersituation eingeladen, nachdem die zweite Junihälfte ausserordentlich trocken und heiss war.

Die zentrale Massnahme lautet jetzt: Das Brutmaterial – die vom Sturm geschädigten Rottannen – rechtzeitig aus dem Wald schaffen. Anfang Oktober sollte das geschehen sein, denn Borkenkäfer sind nach sechs bis acht Wochen ausgewachsen. Rottannen haben Priorität. Revierförster Schönholzer sagte: «Die anderen Baumarten sind nicht betroffen und können auch später noch aufgeräumt werden.»
 

Kanton unterstützt Massnahmen finanziell

Das Forstrevier Seerücken hat nach dem Sturm alle Waldbesitzer angeschrieben und auf die Arbeitssicherheit hingewiesen. Sturmholz könne wegen der grossen Spannungen sehr gefährlich sein. «Beim Aufräumen nach Sturm Lothar gab es in der Schweiz zehn Tote», erinnerte Revierförster Schönholzer. Das Forstrevier bietet Unterstützung bei den Arbeiten. Die Bürgergemeinde Hüttwilen musste in ihrem Wald oberhalb von Nussbaumen grosse Sturmschäden notieren. Präsident Urs Haag schätzt die Zusammenarbeit mit dem Forstrevier: «Holzen bei diesen Umständen ist so gefährlich; das sollten Private den Profis überlassen.» Durch die gute Koordination hoffe man, den Borkenkäfer in den Griff zu kriegen.
Erst gestern hat der Thurgauer Regierungsrat einer finanziellen Unterstützung zur Käferbekämpfung zugestimmt. Massnahmen zur Eindämmung des Käfers sollen mit Beiträgen unterstützt werden. Da eine Käfervermehrung bei trockener und warmer Witterung kaum aufzuhalten ist, hofft das Forstamt auf frühherbstliches Wetter.

Im Wald besteht nach dem Sturm auch für Spaziergänger ein erhöhtes Risiko. Kantonsforstingenieur Böhi warnte: «Es besteht die Gefahr von herunterfallenden Ästen und umfallenden Bäumen.»

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