Ein Thurgauer erfindet die Gastro-Kaffeemaschine für den Heimgebrauch

MÜLLHEIM ⋅ Ivo Engeler hat eine neue Schweizer Espressomaschine miterfunden. Bei der Zuriga kommt man dank ausgefeilter Temperaturkontrolle zum Brühgetränk. Daheim trinkt der Thurgauer im Notfall Instant-Kaffee.
14. Januar 2018, 09:29

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Mathias Frei
Steve Jobs gründete in seiner Garage Apple. Ivo Engeler und Moritz Güttinger tüftelten vor einem Jahr noch in einem Zürcher Hinterhof an ihrer Zuriga. Zwischenzeitlich arbeiteten sie in einem Keller, bis sie nun in Zürich-Altstetten Räume in den ehemaligen SBB-Werkstätten beziehen konnten. Die Heimat eines Start-ups, der neuen Schweizer Kaffeemaschine Zuriga, die gerade mal hundert Sekunden braucht, bis sie aufgeheizt ist.

Engeler kommt aus Müllheim. Fürs Studium zog er nach Zürich. Der 38-jährige Umweltingenieur arbeitete lange Vollzeit im Schmiermittel-Business – bis die Zuriga geboren ward. Engelers Studienkollege Moritz Güttinger hatte im Frühling 2015 eine AG gegründet für eine Kaffeemaschinenmanufaktur. Ein halbes Jahr später nahm er Engeler mit ins Boot. Heute arbeiten sieben Personen für Zuriga mit einem Gesamtpensum von 500 Stellenprozenten, mit Ausnahme von Güttinger alle in Teilzeit. Funktionsbezeichnungen sind nicht das Wichtigste. Aber Güttinger ist CEO, Engeler gewissermassen COO, also Chief Operating Officer. «Ich schaue, dass der Laden läuft», sagt Engeler.
 

Viel Wertschöpfung in der Schweiz

Der Laden: Das sind rohe, hohe Räume, prädestiniert für die Kreativwirtschaft, was Zuriga ja gewissermassen auch ist, technisch kreativ. Computerarbeitsplätze, Montage und Ersatzteillager in einem. Nebenan stehen riesige Hallen leer. Platz, um zu expandieren. Aber ins Unendliche wachsen will Zuriga nicht. «Wir wollen weder ein billiges Massenprodukt herstellen noch eine ‹limited edition› für x-tausend Franken», sagt Engeler. Wichtig ist die Kontrolle über die Werkstoffe. Ein Grossteil der Wertschöpfung einer Zuriga-Maschine entsteht in der Schweiz. Nur ein paar wenige Spezialteile werden aus Norditalien und Deutschland importiert. Für Engeler und Güttinger ist es ein Mehrwert, wenn sie schnell bei ihrem Metallbauer aus dem St. Gallischen vorbeischauen können, statt mit einem Lieferanten in Polen konferieren zu müssen. Und die elektronischen Bauteile für die Steuerung werden am Thurgauer Bodenseeufer zusammengesetzt – und nicht in Fernost.

Im Zuriga-Hauptquartier wird selbstredend Kaffee aus eigenen Maschinen gebrüht. Daheim trinkt Engeler notfalls auch Instant-Kaffee. Denn seine Zuriga wird regelmässig für Testläufe verwendet.

Eine Zuriga sei so gut wie ei-ne Gastromaschine, einfach in Klein, nämlich nur neun Kilogramm schwer: Das erklären Engeler und Güttinger. «Aber unsere Maschine ist viel schneller ­aufgeheizt, weist ein elegant reduziertes Design aus, ist mit nur zwei Knöpfen extrem einfach zu bedienen und ist mit knapp 1500 Franken verhältnismässig günstig», sagt Güttinger. Zudem stecke im Chromstahl-/Alu-Gehäuse hochwertige und effiziente Technologie. Die zwei wichtigen Komponenten für Kolbenmaschinen sind laut Engeler der Druck und die konstante Temperatur. Ersteres lasse sich mit einem hochwertigen Ausgleichsventil gut handeln. Die Temperaturkonstanz dagegen ist eine Wissenschaft für sich. Die Zuriga-Maschine trägt eine neu entwickelte Temperaturkontrolle in sich, die zum Patent angemeldet worden ist. «Mit unserer Maschine bieten wir den Rahmen, um perfekten Kaffee zu machen», sagt Güttinger. Aber für den perfekten Kaffee brauche es auch die passende Mahlung. Deshalb ist derzeit eine Zuriga-Kaffeebohnenmühle in Entwicklung. Weiter müssten natürlich die Qualität der Bohne an sich und das Wasser stimmen.
 

Zweieinhalb Monate auf die Maschine warten

Bisher sind rund 500 Maschinen aus der Zuriga-Werkstatt gegangen. Die Bestellliste ist aber noch lang. Käufer müssten derzeit leider zweieinhalb Monate auf eine Zuriga warten, sagt Engeler. Indem man die Produktion mittelfristig auf 200 Exemplare pro Monat erhöht, soll sich die Zeit zwischen Bestellung und Auslieferung auf einen Monat reduzieren. Und irgendwann wollen Engeler und Güttinger von der Kaffeemaschinenmanufaktur leben. Andernorts könnten sie weit mehr verdienen. Das wissen sie. Aber dann würde ihnen wohl langweilig werden.


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