«Die Fotoeinsätze sind für mich eine wahre Herzensangelegenheit»

KANTON THURGAU ⋅ Der Verein Herzensbilder schenkt Familien mit schwerkranken, behinderten oder viel zu früh geborenen Kindern ein Shooting mit Profifotografen. Nathalie Herren ist seit fünf Jahren dabei.
25. Dezember 2017, 10:49
Maya Heizmann
Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

«Bei meinem ersten Einsatz im Spital Frauenfeld war es mir mulmig zu Mute», erinnert sich Nathalie Herren. «Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten musste.» Doch die Unsicherheit verschwand, als sie den betroffenen Eltern mit ihrem stillgeborenen Baby gegenüberstand. «Es tut mir so leid!» Mehr konnte sie nicht sagen. «Ich war betroffen und nahm Anteil an ihrem schweren Schicksal. Ich versuchte das winzige Sternenbaby mit seinen Eltern auf würdevolle Art aufzunehmen, ohne gross zu stören», sagt sie.

 

Die Erinnerungsfotos seien so kostbar und einmalig für die Eltern, sie lassen sie die tiefe Verbundenheit mit dem Kind über den Tod hinaus spüren. Nathalie Herrens einfühlsame Familienbilder zeigen vor allem die Liebe der Eltern zu ihren Kindern.

Ehrenamtliche Einsätze

Als Nathalie Herren von Herzensbilder erfahren hatte, war sie sofort bereit, sich für diese schwierige Aufgabe zu engagieren. ­Bereits hat sie unvergessliche Momente bei Dutzenden Einsätzen eingefangen, die sie mit grossem Einfühlungsvermögen für die Familien gemacht hat. Die berührenden Momente gehen unter die Haut. Seit vergangenem Jahr hilft sie noch zusätzlich ein bis zwei Tage in der Woche in der Einsatzplanung. «Die Fotoeinsätze sind für mich eine wahre Herzensangelegenheit», sagt Herren. «Ich bin dankbar, dabei sein zu dürfen.» Denn für die betroffenen Eltern sei es eine Zeit im Ausnahmezustand, eine Zeit des Kämpfens, des Hoffens und des Bangens. In diesen Ausnahme­situationen hilft Herzensbilder. Fotografen, Visagisten und Coiffeure aus der Deutschschweiz sind bei Herzensbilder eingeschrieben, und sie leisten ehrenamtlich Grossartiges.

Kerstin Birkeland aus Dielsdorf ist die Initiantin des Vereins. Als Till, der Sohn der Familie, 2012 an Krebs starb, merkte sie, dass sie keine brauchbaren Familienfotos aus der vierjährigen Krankenzeit des Buben hatte. «Immer hatte jemand von uns die Augen zu, und wir hatten kein wirklich schönes gemeinsames Familienbild mit unserem Sohn», sagt sie. «Es wäre schön gewesen, solch ein inniges Bild zu haben. Nun sollen es andere Familien in Lebensstürmen bekommen.»

120 Fotografen, 80 Coiffeure und Visagisten

Das war der Beginn von «herzensbilder.ch» im Juli 2012. Kerstin Birkeland suchte für betroffene Familien nach Fotografen, die ehrenamtlich für ein Fotoshooting bereit waren. Die Freiwilligen kommen ins Spital oder zur Familie nach Hause. Heute sind bereits 120 Fotografinnen und Fotografen im Einsatz. Weiter ­engagieren sich 80 sogenannte Beauty-Engel, Visagisten und Coiffeure. Bereits wurden über 600 Einsätze geleistet. Dank der Spendengelder erhalten die Eltern von den Einsätzen Bilder, ein Fotobuch oder eine Fotografie auf Leinwand. Mit den Spenden werden auch Herzensbilder-Boxen mit vielen Accessoires in den Kinderspitälern gefüllt. Diese werden den Eltern nach dem Fotoshooting als Erinnerung mitgegeben. Ebenso können auch Weiterbildungen und Austauschtreffen für die Mitwirkenden stattfinden.

Mit ihrem Projekt Herzensbilder hat Kerstin Birkeland den Publikumspreis «Heldin des Alltags 2013» von Radio SRF erhalten. Doch eigentlich haben alle, die sich für Familien mit schwerem Schicksal einsetzen, den ­Titel «Helden des Alltags» verdient.

«Ich bin an meiner Aufgabe gewachsen, bin nachsichtiger ­geworden», sagt Fotografin Nathalie Herren. «Nun nehme ich ­vermehrt die wichtigen Dinge im Leben wahr.» Sie sei denn auch unendlich dankbar, dass sie von ihrem Mann Thomas in ihrer ­anspruchsvollen Tätigkeit unterstützt wird und zudem mit ihren vier Kindern Aline, Nina, Mat­thias und Lea ein glückliches Leben führen kann.

Informationen zum Verein unter www.herzensbilder.ch


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