Deutsche schikanieren Schweizer Bodenseeschiffe

KANTON THURGAU ⋅ Die Stimmung zwischen den Unternehmen der Weissen Flotte ist getrübt, seit die Konstanzer eine Gebühr für das Anlegen der Schiffe in ihren Häfen verlangen. Die Schweizer kommen ihnen ins Gehege, kritisieren die Deutschen.
31. Mai 2017, 06:10
Ida Sandl
Dicke Luft in der Kajüte: Die Liebe zwischen den deutschen und den Schweizer Schiffsbetrieben ist abgekühlt. Der Grund: Das Anlegen in deutschen Häfen kostet jetzt Geld. Künftig würden sie Gebühren verlangen, haben die Konstanzer ihren  Freunden von der Weissen Flotte bei der letzten Verbandskonferenz eröffnet.

Auf Schweizer Seite hegt man den Verdacht, dass damit die Schweizerische Bodensee Schiffahrt (SBS) abgestraft werden soll. Die hat sich nämlich in dieser Saison in deutsches Territorium vorgewagt. Die Kursschiffe aus Romanshorn legen erstmals in Konstanz an. Der Hafen Konstanz stehe schon seit Jahren ganz oben auf der Wunschliste der Passagiere, sagt Erich Hefti, Oberkapitän der SBS.
 

Jederzeit und herzlich willkommen

Doch in Konstanz kommt keine rechte Freude auf über den ungebetenen Besuch aus dem Nachbarland. Hefti sagt: «Wir hatten den Eindruck, man will uns nicht.» Norbert Reuter, Chef der Stadtwerke Konstanz, zu denen die Bodensee Schiffsbetriebe (BSB) gehören, dementiert. «Selbstverständlich sind uns unsere Schweizer Nachbarn uneingeschränkt und jederzeit herzlich willkommen.» Das Anlegen in Konstanz sei auch nicht das Thema.

Aber auf der  Strecke Konstanz–Unteruhldingen–Mainau–Meersburg würden die Schweizer Schiffe jetzt den deutschen Konkurrenz machen. «Wir können kein Interesse daran haben, wenn sie Gäste aus deutschen Häfen abwerben.» 

Verbieten können die Deutschen ihren Partnern nicht,  wo sie anlegen und wie sie fahren. Das sei in der internationalen Schifffahrtsordnung so geregelt. Es gibt andere Wege, seinen Unmut zu zeigen. Wer im Meersburger Hafen oder auf der Insel Mainau ein Schiff mit Halt in Konstanz sucht, sieht auf der Anzeigetafel nur die deutschen Schiffe. Romanshorn und Rorschach werden als Ziele angezeigt, nicht aber der Zwischenhalt in Konstanz, beschreibt Reuter. Im Konstanzer Hafen erscheine zwar die Abfahrt der SBS-Schiffe Richtung Romanshorn und Rorschach, nicht aber die Fahrten Richtung Unteruhldingen und Meersburg. 

Oberkapitän Hefti bedauert das. Es gebe auch keine Lautsprecher-Durchsagen für diese Schiffe. Das führe immer wieder zu Verwirrung bei den Passagieren. «Wir haben fast täglich Reklamationen.» Das sei nicht kundenfreundlich. «Dem Gast ist doch egal, in welches Schiff er steigt.»

Hefti versteht die Aufregung ohnehin nicht. In Konstanz würden  viel mehr Leute aussteigen als einsteigen. «Wir bringen Touristen, von denen Konstanz profitiert.» Ausserdem sei das deutsche Unternehmen durch den schwachen Euro ohnehin im Vorteil. 

Von den neuen Gebühren ist auch die Untersee-Rhein-Flotte (URh) betroffen. Die URh-Schiffe fahren Konstanz schon immer an. Eine Anlandung mit Hilfe deutscher Mitarbeiter würde das Unternehmen rund 30'000 Franken im Jahr kosten. «Das können wir uns nicht leisten», sagt CEO Remo Rey. Die URh hat deshalb beschlossen, in Konstanz mit eigenem Personal anzulegen. Das bedeute aber, dass sich dann niemand an der Landebrücke um die Wartenden kümmert. «Es ist für die Passagiere nicht mehr so komfortabel wie bisher», sagt Remo Rey. 
 

480 Euro für die deutsche Gangway pro Jahr

Benutzt ein ausländisches Schifffahrtsunternehmen lediglich die deutsche Gangway, so koste das pro Hafen und Jahr 480 Euro plus Mehrwertsteuer, erklärt Reuter.  Werden im Gegenzug jetzt  auch die Schweizer Häfen eine Anlandegebühr von den deutschen und österreichischen Schiffen verlangen? Nein, so etwas mache keinen Sinn, stellt  Hefti klar: «Das wäre ein totaler Rückschritt.»

Schützenhilfe für Konstanz aus Vorarlberg

Alexandro Rupp ist Geschäftsführer der Vorarlberg-Lines, des österreichischen Partner in der Bodensee-Flotte. Er hat Verständnis für das Vorgehen der Konstanzer Schiffsbetriebe: «Wir würden in Bregenz dasselbe erwägen.»  Rupp ist der Meinung, die Schweizer Schifffahrtsgesellschaft habe am deutschen Ufer eine Art Parallelverkehr aufgezogen und sei damit den Konstanzern ins Gehege gekommen. Wenn jedes Unternehmen sich an seine in der Verbandskonferenz vereinbarten Kurse halte, gebe es auch keine Probleme.  
Die deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS), die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) und die Vorarlberg-Lines sind für die Schifffahrt auf dem Bodensee zuständig. Sie betreiben gemeinsame Linien wie etwa die Fähre nach Friedrichshafen oder den  Kurs nach Lindau. (san)


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