Die Unruhestifter

WALD ⋅ Geocaching ist eine Art Schnitzeljagd mit dem Smartphone. An die Verhaltensregeln halten sich nicht immer alle Mitspieler. Einige Thurgauer Förster sehen das durchaus problematisch.
09. Mai 2017, 09:57
Miranda Diggelmann

Miranda Diggelmann

miranda.diggelmann

@thurgauerzeitung.ch

«Sie trampeln Wald und Nester kaputt und stören die Ruhe der Tiere», sagt Jürg Steffen, Revierförster im Forstrevier Aach-Thur-Sitter, über Geocacher. Die Freizeitaktivität Geocaching, bei der Verstecke anhand von geografischen Koordinaten per GPS gesucht werden, liegt stark im Trend. Diese Art von Hobby wird gerne draussen, insbesondere im Wald, ausgeübt. Der Wald ist aber auch natürlicher Lebensraum von Wildtieren und Pflanzen, so dass die Schnitzeljagd in den Augen von vielen Thurgauer Förstern ein Problem darstellt. Die Bürgergemeinde Bischofszell hat Geocaching im Wald inzwischen gar gänzlich verboten.

Geocacher sollen auf den Wegen bleiben

Das Hauptproblem sei eigentlich, dass sich die Schatzsucher oft nicht an die Verhaltensregeln halten würden, sagt Jürg Steffen. Diese ordnen etwa an, dass die Wege nicht verlassen werden dürfen bzw. die zu findenden Geheimverstecke nur am Wegesrand liegen dürfen. Dickichte und Jungwaldflächen sollten vermieden werden. Auch das Verstecken von einem Cache müsste im Vorfeld dem zuständigen Förster gemeldet werden. Und auf sogenannte «Nightcaches» – Schnitzeljagden während der Nachtstunden – sollte verzichtet werden. «Würde Geocaching im normalen Rahmen, also mit Einhalten der Regeln, durchgeführt werden, wäre es eigentlich in Ordnung», sagt Jürg Steffen. Nur sei es für die Förster schwierig, Geocachings zu kontrollieren.

Auch der Leiter des Forstamtes Thurgau, Daniel Böhi, sieht den Hauptkonflikt von Geocaching im Wald im Nichteinhalten der Regeln. «Würden sich alle Geocacher an die Verhaltensregeln halten, bräuchte es keine Verbote», sagt er.

Bevor ein Cache versteckt wird, gibt es sogenannte «Reviewer», die das Versteck überprüfen und dann, wenn es den Richtlinien entspricht, absegnen. Daniel Böhi ist der Meinung, dass es weniger Probleme gäbe, wenn in diesem Bereich bereits etwas sorgfältiger gearbeitet würde.

Verbieten wird wohl keine endgültige Lösung sein

Der Revierförster des Forstreviers Thunbachtal-Sonnenberg, Max Brenner, kennt sich mittlerweile gut mit Geocaching aus. Er ist ebenfalls der Meinung, dass das Hobby zunehmend ein übertriebenes Ausmass annimmt. Trotzdem weiss er, dass ein Verbot keine Lösung ist. «Es sind zwar bereits negative Rückmeldungen über Geocaching eingegangen, trotzdem denke ich, dass sich die meisten Schatzsucher an die Regeln halten», sagt er. Damit künftig gar keine Probleme mehr auftauchen, müsste man lediglich vermehrt auf die Verhaltensregeln aufmerksam machen.

Sirnachs Revierförster Claude Engeler spricht beim Thema Geocaching von einer geordneten und einer ungeordneten Szene. Die einen hielten sich strikt an die Anordnungen und verursachten keine Konflikte. Die anderen täten das nicht, seien aber in seinem Revier auch nur wenig oft unterwegs. «Schliesslich finde ich es gut, dass sich die Leute bewegen wollen. Trotzdem sollten sie sich an die Normen halten», sagt Engeler.

Obschon die einen Förster Geocaching als ein grösseres Problem ansehen als andere, sind sie sich allesamt in einem Punkt einig: Die Verhaltensregeln müssen dem Wald und dessen Bewohnern zuliebe eingehalten werden. «Wir sind da schliesslich alle als Gäste unterwegs, deshalb gibt es gewisse Regeln zu beachten», sagt Böhi. So käme es auch nicht zu Verboten, was vor allem im Interesse der Geocacher liege.

Verhaltensregeln

Die Empfehlungen für naturverträgliches Geocaching sind unter folgendem Link zu finden: tinyurl.com/kybbjcl.


Leserkommentare

Anzeige: