Roberto Blanco: «Die Schweiz ist mein Schlafzimmer»

WELTBÜRGER ⋅ Seit ein paar Monaten lebt der Entertainer Roberto Blanco mit Gattin Luzandra im Thurgau. Der Schlagersänger verrät bei einer Tasse Milchkaffee, was er als Kind im Internat fürs Leben gelernt hat und welchen Traum er hegt.
07. Oktober 2017, 07:46
Peter Exinger, Ermatingen

Peter Exinger, Ermatingen

peter.exinger@thurgauerzeitung.ch

«Achtung!», ruft Roberto Blanco. Hundert Meter weiter weg fährt ein Lastwagen in Richtung Interviewer auf der Ermatinger Hauptstrasse. Der Star ist in Sorge, dass dem Journalisten etwas zustossen könnte. Sehr aufmerksam. Beim Kaffee im Hotel Ermatingerhof sitzen wir wenige Minuten später im Wintergarten. Neben Roberto Blanco seine blonde kubanische Gattin Luzandra Strassburg.

Warum weiss bislang niemand, dass Sie jetzt im Thurgau leben?
Ich stelle mich nicht mitten auf die Strasse mit einer Posaune, blase hinein und rufe: «Ich bin umgezogen!»

Aber Sie leben jetzt offiziell in Ermatingen.
Ja. Seit nicht ganz einem Jahr. Ich bin auch ganz brav auf das Amt gegangen und habe gesagt: «Hallo! Guten Tag! Ich bin hier, um mich in Ihrer wunderbaren Gemeinde anzumelden.» Die Dame am Schalter hat mich angeguckt und dann gefragt: «Sind Sie Roberto Blanco?»

Und dann...
Hat sie den Bürgermeister gerufen und alle anderen. Und es war ein Riesen-Hallo. Ich kann sagen: Ich habe überall meinen Spass.

Also sind Sie jetzt in Ermatingen daheim?
Nein, wir sind auf der ganzen Welt zu Hause. Und ich sage Ihnen eines: Die Welt ist sehr klein, sei immer lieb zu allen, die du triffst. Man begegnet einander immer mindestens zweimal.

Jedenfalls sind Sie trotz Ihrer abendlichen Auftritte...
Ja, gestern waren wir aufs Filmfestival in Zürich eingeladen.

...schon wieder sehr munter.
Aber ich brauche meine acht, neun Stunden Schlaf. Andere ältere Menschen schlafen oft nur noch wenig. Bei mir ist das nicht so. Ich brauche meinen Schlaf. Ich sage immer: Ich bin der Künstler und Luzandra der Motor.

Sie sagten, Sie seien in der Welt zu Hause.
Ja, ich bin tatsächlich schon immer überall zu Hause gewesen. Aber im Wesentlich ist es so: Deutschland ist mein Wohnzimmer, Österreich mein Badezimmer und mein Schlafzimmer ist die Schweiz.

Sie ziehen seit Ihrer Kindheit umher.
Ich hatte immer grosses Glück. Ich kann sieben Sprachen, kann mich überall verständigen. Und ich war, Gott sei Dank, nie ein Flüchtling, der immer weg und weiter muss.

Sie sind verblüffend in Schwung.
Der liebe Gott hat mir halt eben die richtigen Gene mitgegeben.

Gute Laune ist harte Arbeit.
Wenn Sie von innen kommt, ist es keine Arbeit. Man muss positiv sein. Innerlich. Positiv denken. Viele gucken ganz böse in die Welt. Ich nicht. Ich habe meistens gute Laune. Das macht mich froh. Und damit kann ich vielen Menschen Freude bereiten.

Es ist sicher langweilig und anstrengend, nach einem langen Abend mit Auftritten die Nacht alleine im Hotelzimmer zu verbringen.
Es ist immer der Mensch selber, der entscheidet, was er macht und was nicht.

Auch auf Tournee?
Sicher. Der Künstler kann alleine sein, wenn er will. Er kann sich aber auch immer Gesellschaft holen. Denn wenn er will, bleiben alle bei ihm.

Aber Sie sind sehr diszipliniert.
Nein, bin ich gar nicht. Ich bin einfach so, wie ich bin. Ich habe keinen Plan. Ich mache mir keinen Zwang. Ich tu, was der Körper mir signalisiert, und höre immer gerne auf meine innere Stimme.

Wie viel an Ihnen ist Show?
Viele glauben, ich mache den Showstar. Aber ich bin so. Meine Mutter ist ja gestorben, als ich zwei war. Mein Vater war Variété-Künstler, konnte sich natürlich nicht dauernd um mich kümmern. So kam ich in ein katholisches Internat im Libanon, Beirut. Dort habe ich vieles gelernt. Aber vor allem zwei Dinge: Kameradschaft und Ehrlichkeit. Sie können sagen, was Sie wollen. Wenn Sie nicht kameradschaftlich mit den Mitmenschen umgehen und nicht ehrlich sind, nützt alles nichts.

Haben Sie Respekt vor dem Tod?
Ich denke nicht an ihn. Ich bin ja noch da.

Haben Sie irgendetwas in Ihrem Leben versäumt?
In den 70er- und 80er-Jahren hatte ich einen Auftritt nach dem anderen, Fernsehshows und Konzerte. In Paris hatte ich Engagements. Ich kannte sie alle: Josephine Baker und Marlene Dietrich. In Las Vegas war ich nicht nur einmal und habe mir die Auftritte der ganz Grossen angesehen. Elvis, Streisand, Sinatra, Tom Jones. Die waren eine grosse Inspiration für mich. Aber einen unerfüllten Wunsch habe ich tatsächlich noch. Ich möchte gerne auf der Anschlagtafel vom Caesars Palace auf dem Strip in Las Vegas meinen Namen lesen. «The Caesars Palace proudly presents: Roberto Blanco.» Und darunter steht der Hinweis in Grossbuchstaben: «SOLD OUT». Verstehen Sie? Immer gut, wenn man noch einen Traum hat.

Herr Blanco, es war mir ein Vergnügen, Sie kennen gelernt zu haben.
Richten Sie allen Ihren Lesern aus, ich wünsche ihnen alles Gute! Das machen Sie für mich, gell?

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