Der Thurgau rüstet sich für die Deponiezukunft

DEPONIEPLANUNG ⋅ Der Kanton Thurgau hat erhoben, wie grosse Abfalldeponien er in den nächsten Jahren braucht. Es sind dies in den nächsten 30 Jahren bis zu 1,8 Millionen Kubikmeter. Analysiert wurden auch mögliche Standorte für eine neue Deponie.
07. Juni 2017, 05:17

Obwohl die Abfallwirtschaft immer mehr zur Kreislaufwirtschaft wird, fallen immer noch Abfälle an, die abgelagert werden müssen. Das schreibt der Kanton Thurgau in einer Mitteilung. Je nach Schadstoffgehalt werden sie einem anderen Deponietyp zugeteilt. Abfälle mit einem erhöhten Schadstoffgehalt, bei denen noch einfache chemische Reaktionen möglich sind, gehören auf eine Deponie Typ E. Die Deponie Kehlhof ist aktuell die einzige dieser Art im Kanton. Allerdings wird sie bereits in zirka vier bis sechs Jahren voll sein, wie der Kanton weiter mitteilt. Jährlich werden hier rund 11 000 Tonnen Abfälle abgelagert, in den Jahren 2015 und 2016 waren es über 16000 Tonnen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Kanton bereits seit längerem mit der Suche nach einem Nachfolgestandort, da die Deponieplanung von Gesetzes wegen zu seinen Aufgaben gehört, während die Projektausarbeitung und der Betrieb Privaten überlassen ist.

Grundlage für die aktuelle Planung sind zwei neue Berichte des Amtes für Umwelt ( www.umwelt.tg.ch ). In einem ersten Schritt wurde der Volumenbedarf für die verschiedenen Abfalltypen ermittelt. Die Analyse kommt zum Schluss, dass in den nächsten 30 Jahren ein Deponievolumen zwischen 1,4 und 1,8 Millionen Kubikmetern benötigt wird, wie der Kanton weiter in der Mitteilung schreibt. Dies sei weit mehr, als für eine Nachfolgelösung für die Deponie Kehlhof benötigt wird, weil darin auch Abfälle enthalten sind, die bislang anderswo entsorgt wurden. So wird etwa Kehrichtschlacke, die in der Verbrennungsanlage anfällt, in der Deponie Burgauerfeld im Kanton St. Gallen abgelagert.

Die Suche dauert schon lange an

Nach der Analyse wurde eine Standortbeurteilung für Deponien des Typs E vorgenommen. Bereits in den 1980er-Jahren waren 240 mögliche Standorte für die Ablagerung von Abfällen mit erhöhtem Schadstoffgehalt untersucht und deren Eignung abgeklärt worden. Die sieben geeignetsten Standorte wurden im kantonalen Richt- plan 1985 als Reservestandorte vorgemerkt. Das Amt für Umwelt hat die Reservestandorte sowie zwei neue mögliche Standorte nun zusammen mit weiteren kantonalen Stellen beurteilt. Zwingend gegeben sein müsse gemäss Kanton die vom Bund definierte «technische Standorteignung». So dürfen die potenziellen Deponien beispielsweise nicht in Grundwasserschutzzonen liegen. Zusätzlich hat der Kanton die «erweiterte Standorteignung» anhand eines Kriterienkatalogs – Erschliessung und Abwasserreinigung – überprüft.

Die Abklärungen hätten gezeigt, dass Zelgli-Altishausen in der Gemeinde Kemmental besonders für Abfälle des Typs E geeignet ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit die weiteren Anforderungen erfüllt. Dieser Standort wurde bereits im Rahmen der öffentlichen Bekanntmachung des kantonalen Richtplans vorgeschlagen. Die Gemeindeversammlung wurde am 31. Mai informiert (TZ vom 2. Juni). Sofern der Nachweis der technischen Standorteignung noch erbracht werden kann, erscheinen jedoch auch die weiteren im Richtplanentwurf vorgeschlagenen Standorte Aspi in der Gemeinde Homburg und Oberes Schlatt in der Gemeinde Wigoltingen gut geeignet, wie der Kanton weiter in der Mitteilung schreibt. Hier dauern die Untersuchungen noch an. Die Überarbeitung des Richtplans inklusive der Deponiefestsetzung soll im Sommer abgeschlossen sein. Anschliessend wird der Regierungsrat das Geschäft dem Grossen Rat überweisen. (red)


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