Der Stern von Amlikon

INNOVATION ⋅ Der Bussnanger Benjamin Koffel hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er ist Drohnenpilot. Jede Nacht sorgt er dafür, dass eine Wetterdrohne in den Himmel steigt und Daten sammelt. Das blinkende Licht am Gerät hat auch schon für Verwirrung gesorgt.
Aktualisiert: 
03.09.2017, 18:00
03. September 2017, 05:16
Sabrina Bächi

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

In klaren Nächten ist das helle Licht weit zu sehen. Regelmässig fliegt es hoch und nach kurzer Zeit wieder runter. Immer ab elf Uhr. Die ganze Nacht. Wie einst die drei Könige dem hellen Stern von Bethlehem, folgten dem hellen Stern von Amlikon schon Neugierige. Fasziniert von dem Ungewissen, getrieben von der Neugier. Was hofften sie zu finden? Die Erklärung für das abendliche Licht, das in der Region Mittelthurgau zwischen elf und sechs Uhr morgens zu sehen ist, bleibt nicht lange geheim: Es ist eine Wetterdrohne.

Benjamin Koffel aus Bussnang ist einer von mehreren Drohnenpiloten in der Schweiz. Mit Erlaubnis des Amts für Zivilluftfahrt (Bazl), lässt er die Drohne 1500 Meter in den Himmel steigen. Nur nachts, um den Flugverkehr nicht zu behindern. Beleuchtet ist die Drohne wie ein Flugzeug. Grüne und rote Lichter zu beiden Seiten und ein Blinklicht, das mindestens über drei Kilometer zu sehen sein muss. «Bereits zweimal sind Leute gekommen, weil sie das Licht gesehen und gesucht haben», sagt Koffel.

Daten, die sonst niemand hat

Ausser wenn Neugierige vorbeikommen, fliegt Benjamin Koffel die Drohne allein auf weiter Flur. Auf dem Flugplatz in Amlikon startet er das Gerät jeden Abend. Dort hat er auch eine kleine Werkstatt, in der er allfällige Reparaturen durchführen könnte. Denn die Drohne ist kein Spielzeug, sie fliegt keine Rennen und hat auch sonst wenig Konkurrenz. Es ist eine Wetterdrohne, mit der die Firma Meteomatics aus St. Gallen Daten sammelt, um genaue Wetterprognosen zu erstellen. Es sind Daten, die Wetterstationen am Boden oder ein Radar nicht aufnehmen können. Vo Meteorologie versteht Benjamin Koffel mehr als auch schon, seine Leidenschaft gilt aber dem Fliegen. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», sagt er. Vor eineinhalb Jahren hat er mit dem Fliegen von Drohnen angefangen. Früher bastelte er mit seinem Vater Modellflieger und liess sie dann auch starten. Die dadurch erworbene Fähigkeit, auf Sicht ein Fluggerät zu steuern, kam ihm bei der Bewerbung als Drohnenpilot zugute: «Für die Stelle haben sich viele beworben, nur wenige waren geeignet und jetzt sind wir zu zweit, die je eine Wetterdrohne fliegen.»

Beherrscht das Gerät auch bei dunkler Nacht

Seine Kollegen glauben ihm manchmal gar nicht, dass er Drohnenpilot ist. Natürlich gibt es Fotografen, die mit ihren Drohnenbildern Geld verdienen, erklärt Koffel, er hingegen muss die Drohne ohne Kamera beherrschen, in der Nacht, nur als Punkt auf einem Monitor, bei Wind und Wetter. 16 bis 17 Minuten dauert ein Flug. 24- bis 26-mal lässt er die Drohne in der Nacht hochsteigen. Er überwacht die Drohne auf einem Monitor. Kontrolliert ihre Neigung, den Akku, überwacht ihre Position. Es ist ein sogenannter Instrumentenflug. Start und Flug funktionieren automatisch, die Landung allerdings nur manuell. «Ans System musste ich mich erst gewöhnen», sagt der 30-Jährige. Etwa vier Wochen wurde er geschult und danach geprüft. «Wir sind die einzigen, die ausserhalb von Sichtkontakt mit dem Gerät fliegen dürfen.» Seine Arbeitszeit stört ihn nicht. Mit den Kollegen ins «Fyrobigbier» kann er immer noch. Nur dass er kein Bier trinkt. «Bei der Arbeit gilt die Null-Toleranz», sagt Koffel.

Selbst in der Freizeit lässt ihn das Drohnenfliegen nicht los: Dieses Wochenende nimmt er an den Schweizer Meisterschaften im Drohnenfliegen teil. Sein Hang zu speziellen Hobbies zeichnet ihn aus. Früher waren es Modellflieger, dann Autos und Motorräder. Ein waghalsiges Projekt war die Teilnahme in Freddy Nocks Todeskugel. Danach lernte er Pfeilbogenschiessen. Wenn ihn ein Thema fasziniert, dann will er darüber alles wissen. Diesem Willen, etwas unbedingt beherrschen zu wollen, verdankt er seine Arbeit – seine Arbeit als Hirt der Wetterdrohne, die wie ein heller Stern über Amlikon schwebt.


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