Der Thurgauer Grosse Rat ist ergraut

PARLAMENT ⋅ In diesem Jahr ist jeder achte Thurgauer Kantonsparlamentarier im Pensionsalter. Das Alter sei nur eine Zahl. Es kommt auf die geistige und körperliche Fitness an, sagt der älteste Kantonsrat.
13. Februar 2018, 07:32
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Die Parteifarben haben einen immer stärkeren Grauton. Die Senioren sind auf dem Vormarsch. Im Thurgauer Grossen Rat hat die Zahl an politisierenden Rentner in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. 2012 waren vier Kantonsräte älter als 65 Jahre. Derzeit sind es bereits zwölf, wie eine Auswertung der aktuellen Zusammensetzung des Rats zeigt. Zudem erreichen vier Kantonsräte, zwei Frauen und zwei Männer, im laufenden Jahr ihr ordentliches Pensionsalter. Dann ist jeder achte Thurgauer Kantonspolitiker im Rentenalter.
 

"Das darf kein bezahltes Hobby für Pensionäre sein"

Armin Eugster ist aktuell der älteste Thurgauer Kantonsrat. Und er ist noch voll im Saft: "Um Papst zu werden, bin ich immer noch zu jung", scherzt der CVP-Politiker. Mit seinen 73 Jahren ist der ehemalige Gemeindepräsident von Bürglen ausserdem noch weit von Marlies Näf-Hofmanns Rekord entfernt. Die Arbonerin galt schweizweit als älteste Kantonsrätin, bis sie 2012 im Alter von 85 Jahren aus dem Thurgauer Grossen Rat abgewählt wurde. Es sei nicht seine Absicht, diesen Rekord zu knacken, sagt Eugster. "Aber das Alter ist nur eine Zahl." Was in der Politik wirklich zähle, sei Engagement und Motivation. Das gilt sowohl für jung als auch für alt.

Eugster gehört aktuell dem Büro des Grossen Rates an und hat als Präsident der Raumplanungskommission eine intensive Zeit hinter sich. "Ich engagiere mich, weil ich Freude an der Politik habe." Natürlich habe man in der Pension mehr Zeit, könne sich ausgiebiger auf die Sitzungen vorbereiten. "Wer aber dieses Amt als Zeitvertreib oder bezahltes Hobby in der Pension betrachtet – bei dem man erst noch regelmässig ein paar Kollegen trifft – ist am falschen Platz."
 

Die Jüngste appelliert an die Eigenverantwortung

Aline Indergand ist mit 24 Jahren die derzeit jüngste Kantonsrätin im Thurgau. "Jeder Parlamentarier muss selber entscheiden, wann er zu alt für die Politik ist", sagt sie. Die berufsbegleitende Studentin und Gemeinderätin aus Altnau ist nicht der Meinung, dass es eine Altersbeschränkung braucht. "Das könnte man sich allenfalls überlegen, wenn Nachwuchspolitiker für einen Sitz im Kantonsrat Schlange stehen würden." Doch das sei nicht der Fall. Denn Junge würden vergleichsweise oft umziehen. Dabei wechseln sie den Bezirk oder sogar den Kanton, was einer politischen Karriere in die Quere kommt. Ausserdem wird das Interesse, sich in die Politik einzubringen, häufig erst nach den Jugendjahren geweckt. Indergand bestätigt aber die Ausnahme: Es gibt sie, die aufstrebenden Thurgauer Jungpolitiker. Deshalb findet die SVP-Kantonsrätin, dass sich jeder in der Politik selber an der Nase nehmen müsse: "Ab 65 sollte man sich fragen, ob man mit einem Rücktritt einer jungen Kraft eine Chance geben kann."
 

Im Alter die Signale deuten können

"Es kommt auf die geistige und körperliche Fitness an", sagt Armin Eugster. Es brauche eine Mischung aus Jungen und Alten. "Neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Ecken." Ab einem gewissen Alter müsse man jedoch schon kritisch zu sich selber sein und auch die Signale deuten können. Eugster illustriert dies anhand des Autofahrens: "Wenn jemand freundlich sagt: ‹Ich fahre lieber selber›, dann kann das auch heissen: ‹Gib mal endlich dein Billett ab.›"


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