Der alte Glanz kommt zurück

ARENENBERG ⋅ Die Räume des Napoleonmuseums erhalten das Flair zu Zeiten der Kaiserin zurück. Im Lauf der kommenden Jahre werden bauliche wie auch gestalterische Missgeschicke beseitigt.
09. April 2018, 06:43
Kurt Peter

Kurt Peter

thurgau@thurgauerzeitung.ch

«Seit mehr als 20 Jahren werden das Napoleonmuseum sowie umliegende Gebäude in einen ­Zustand restauriert, der dem ­ehemaligen Flair von 1835 ­entspricht», erklärt Philipp Leuzinger, Projektleiter vom kantonalen Hochbauamt. Die nächste und wahrscheinlich letzte Etappe wird nun in Angriff genommen, der Zeitplan für die Massnahmen umfasst rund zehn Jahre. Gesamthaft belaufen sich die Kosten auf etwa zwei Millionen Franken. Im kommenden Sanierungsprogramm ist auch die 1835 erbaute Kapelle enthalten: «Die Fassade soll ihre ursprüngliche Farbgebung zurückerhalten und im Innern gibt es eine Rekonstruktion oder eine zurückhaltende Neugestaltung», meint Restaurator Peter Kubalek.
 

Lebenswelt der Familie am See

Im Sanierungsprogramm ist auch das so genannte ehemalige Schlafzimmer der Kaiserin. Hier konnten die Fachleute drei Schichten von Tapeten feststellen, die «nach Zeitgeschmack und zur Abdeckung von Rissen und Flecken übereinander geklebt oder gespannt wurden», sagt Philipp Leuzinger. «1855 wurden verschiedene Umbauten nach dem Geschmack Napoleons durchgeführt, nach 1906, als der Kanton die Schenkung übernahm, wurden weitere, der damaligen Zeit entsprechende Massnahmen veranlasst», erklärt Museumsdirektor Dominik Gügel.

Ziel sei es nun, in allen Räumlichkeiten des Schlosses den Zustand zu Zeiten von Kaiser Napoleon, also um die Jahre von 1835 wieder herzustellen. Entgegen den ursprünglichen Ansichten, auf dem Arenenberg alles zu präsentieren, was mit der Familie Bonaparte zu tun hat, wolle man das Leben und die Lebenswelt der Familie am See zeigen», erläutert Dominik Gügel weiter. Das Ziel: «Das Haus soll von einem nutzbaren Zustand ins museale Konzept zurückgeführt werden.» So wurde das ehemalige WC im Zuge der Sanierungsarbeiten wiederentdeckt, es hatte in der Zwischenzeit als Technikraum gedient.
 

Sachgerechte Restaurierung

Das Obergeschoss des Schlosses sei lange Zeit als Archiv gebraucht worden. Die rund 30 000 Bücher seien für die Tragfähigkeit aber langsam zum Problem geworden, blickt Philipp Leuzinger zurück. In den fünf Zimmern hätten zu Zeiten der Kaiserin die Dienstboten gewohnt. «Das Obergeschoss ist sehr gut dokumentiert, die Zimmer werden restauriert und mit dem ursprünglichen Mobiliar ausgestattet», erklärt Gügel. Die entsprechenden Möbel seien vorhanden und sicher eingelagert.
 

«Das älteste Museum des Kantons»

Damit könne die Mansarde zu einer Dauerausstellung werden, welche das Leben der Dienstboten zeige. «Auch damit können wir dem Schenkungszweck, die Welt der Napoleons der Öffentlichkeit zu zeigen, nachkommen», sagt Gügel.

Das Napoleonmuseum besteht seit 1906 und «ist damit das älteste Museum des Kantons». Allerdings seien die Räumlichkeiten, zumindest teilweise, für die Bevölkerung bereits vorher zugänglich gewesen. «Gegen Eintritt konnten die sehenswerten Zimmer ab 1843 besichtigt werden, möglich gemacht durch einen damaligen Zwischenbesitzer des Schlosses», blickt Dominik Gügel zurück.


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