Bienen schwitzen sich gesund

WEINFELDEN ⋅ Monokulturen und Insektizide machen den Bienen das Leben schwer. Zudem tötet die Varroamilbe viele Völker. Von Ingenieur Richard Rossa erfuhren Imker, wie man das Bienensterben mit Wärme verhindert.
30. Juli 2017, 13:22
Werner Lenzin

Werner Lenzin

weinfelden@thurgauerzeitung.ch

«So riecht die Königin. Ein Geruch, den man sich merken muss», sagt Richard Rossa. «Während der dreistündigen Wärmebehandlung hat sie Hormone ausgeschüttet und riecht noch intensiver», erklärt der Bienensauna-Erfinder und Imker anlässlich einer Infoveranstaltung bei den Bienenstöcken von Christoph Surbeck in Weerswilen. Rossa nimmt eine Handvoll Bienen aus einem Stock heraus und demonstriert, dass sich die Tiere nach der Behandlung friedlich verhalten und sie nur ein Ziel haben: Sie wollen zur Königin. Der Bienenfachmann entfernt die Sauna mit ihren Hitzeplatten und Ventilatoren und zeigt mit dem Finger einige abgestorbene Varroamilben.

Gemäss Rossa sind heute schweizweit rund 40 Bienensaunas im Einsatz, eine einzige davon im Thurgau bei Christoph Surbeck. Die grösste Zahl von Anwendungen verzeichnen Bayern und Österreich, die Schweiz steht momentan an siebter Stelle. «Die Idee ist schon über 30 Jahre alt. Ich habe jedoch ein neueres und einfacheres Verfahren entwickelt, eine Bienensauna, die zum Preis von etwa 2000 Franken angeschafft werden kann», sagt der Entwickler aus Augsburg. Er weiss, dass viele Imker jährlich Bienenvölker wegen der Varroamilbe verlieren und betont: «Mit dem Einsatz der Bienensauna verzichtet ein Imker auf Chemie und erhält dafür vitale Völker.» Viele Pionier-Imker bedienen sich dieses Systems laut Rossa mit gutem Erfolg. Er hat es inzwischen viel kleiner und energieeffizienter gebaut und ist als Erfinder der Bienensauna sowohl Imker als auch Fachmann für Mess- und Regeltechnik.

Bienen halten höhere Temperaturen aus

Die Honigbiene ist als eines der wichtigsten Nutztiere für einen Drittel der Nahrungsmittel der Menschen verantwortlich – und hochgefährdet. Schuld daran ist nebst den Monokulturen in der Landwirtschaft und dem Einsatz besonders gefährlicher Insektizide ihr grösster Feind: die Varroamilbe. Sie gilt gemäss Rossa als Hauptverursacher für das immer wieder auftretende Bienensterben.

Das System der Bienensauna ist einfach. Die Milben reagieren auf die Wärme anders als die Bienen. Ab einer Temperatur von 39 Grad verändern sich die Eiweisse im Körper der Varroamilben, sie erleiden irreversible Schäden und sterben ab. Die Bienen dagegen können Temperaturen bis 45 Grad ertragen. «Die Biene schwitzt sich also gesund, während die wärmeempfindliche Milbe stirbt. Das Ergebnis sind gesunde und vitale Bienenvölker», erklärt Rossa den interessierten Imkern. Und er betont: «Eine Behandlung zweimal jährlich sorgt dafür, dass die Bienen gesund bleiben. Und es kann vollständig auf den Einsatz von Säure oder Gift verzichtet werden.»

«Ich habe die Bienensauna bei einem Kollegen gesehen. Er ist davon begeistert und ich werde sie nun auch einsetzen», sagt Imker Christoph Surbeck aus Weerswilen. Er hat im vergangenen Winter 10 seiner 24 Völker wegen der Varroamilbe verloren und verspricht sich vom System, dass er in Zukunft alle Völker behalten kann: «Mit der Bienensauna hoffe ich, sie gesund durch den Winter zu bringen, ohne Säure einzusetzen.» Begeistert von der Bienensauna ist auch Walter Hörler aus Unteroppikon. Er bezeichnet sich als alter Jungimker und blutiger Anfänger und findet das ganze Bienenwesen total spannend. «Ich bin auch hier, weil ich einfach mehr über das Leben der Bienen erfahren möchte», sagt Hörler.

Drei Fliegen mit einer Klappe

Viele Imker stehen der Bienensauna immer noch kritisch gegenüber und bevorzugen die bisherige Methode. Bienensauna-Erfinder Richard Rossa ist aber überzeugt von den drei wichtigsten Vorteilen seiner Entwicklung: Die Varroamilbe wird vernichtet, die Bienen können sich richtig erholen und der Infektionskreislauf wird unterbrochen.


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