Ausgabe 2017: Eigenwillig wie die Thurgauer

LEITARTIKEL ZUM «WHO IS WHO IM THURGAU» ⋅ Am Donnerstagabend waren im Weinfelder «Trauben»-Saal rund 160 Gäste dabei, als das «Who is who im Thurgau», Ausgabe 2017, präsentiert wurde. Und heute erhalten die Leserinnen und Leser der «Thurgauer Zeitung» das Magazin. Es ist bereits die sechste Auflage.
02. Dezember 2017, 09:15

Was wurde vor fünf Jahren diskutiert und debattiert, als die «Thurgauer Zeitung» das erste «Who is who im Thurgau» herausgab. «So etwas brauchen wir im Thurgau nicht», hiess es. «Oder wenn schon, dann sicher nicht so.» «Die Auswahl ist zu wenig relevant.» Es gab gar Personen, die den Wunsch anbrachten, darin nicht porträtiert zu werden.

Am Ursprung der ersten Ausgabe stand folgende Idee: Der Blattmacher der «Thurgauer Zeitung», Peter Exinger, ist in Wien aufgewachsen. Via Zürich hat es ihn vor sieben Jahren schliesslich nach Frauenfeld verschlagen. Was ihm gleich auffiel war die Art, wie die Thurgauer über sich und ihren Kanton redeten. Er empfand uns als – freundlich gesagt – sehr bescheiden in unserer Eigenwahrnehmung. Das «Who is who» war anfangs als Therapie gedacht, um das Thurgauer Selbstwertgefühl zu steigern. Ob das wirklich nötig war, bleibe dahingestellt.

  • Dani und Daniela Kern mit Margrith und Werner Dickenmann.
  • David Angst gratuliert Monik Knill und überreicht ihr die Auszeichnung.
  • Thomas Götz alias Sabine Schnyder unterhielt die Anwesenden bestens.

100 Thurgauer Persönlichkeiten in den Kategorien Genuss, Kultur, Medien, Newcomer, Originale, People, Politik, Sport, Wirtschaft und Wissen wurden von einer Jury ausgewählt und in Weinfelden geehrt. (Bilder: Reto Martin)

Mittlerweile ist das «Who is who im Thurgau» sechs Mal erschienen, und die Debatte über seine Notwendigkeit hat nachgelassen. Eine Umfrage über seine Akzeptanz und Beliebtheit ist nie gemacht worden. Aber aufgrund der Rückmeldungen nimmt die Redaktion an, das Magazin habe sich etabliert. Das zeigt auch die Präsenz am Anlass «Who is who im Thurgau», der nun ebenfalls zum sechsten Mal durchgeführt worden ist. Regelmässig nehmen zwei Drittel der Gewählten daran teil. Und was aus Sicht der Redaktion erfreulich ist: Die Thurgauer Promis sind zuverlässige Gäste.

Hausi Leutenegger, Nicolas Senn, Reto Scherrer, Sämi Giger und wie sie alle heissen. Sie treffen an diesem Anlass mit Personen zusammen, die in ihrem Gebiet etwas geleistet haben, die aber ausserhalb des Thurgaus kaum jemand kennt.

Das «Who is who im Thurgau» ist weder Glanz und Gloria noch eine Liste der wichtigsten und einflussreichsten Personen. Es ist eine Mischung aus verschiedenen Aspekten. Es geht nicht um Promikult, oder nicht nur. Natürlich ist es wichtig, dass Hausi Leutenegger fast jedes Jahr vom Genfersee in den Thurgau kommt, um an diesem Anlass teilzunehmen. Personen wie Pepe Lienhard und Mona Vetsch geben ihm das gewisse Etwas.

Aber ebenso wichtig ist, dass zum Beispiel Christina Aus der Au porträtiert wird, die Frauenfelder Theologin, welche den diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentag präsidierte.

Im «Who is who» der «Thurgauer Zeitung» findet man Originale wie «Dä Brüeder vom Heinz» oder Felix Brenner, den Künstler aus Altnau. Überhaupt scheint die Jury eine Vorliebe für Typen zu haben, die ihren eigenen Weg gehen, für Typen, die ihr Ding durchziehen, egal was die Leute über sie reden. Es sind Menschen mit Zivilcou­rage, wie sie das mutige Thurgauer Meitli im Schwabenkrieg einst vorlebte.

Dafür braucht es natürlich auch eine eigenwillige Jury. Sie hat es dieses Jahr geschafft, in der Kategorie Politik keinen einzigen National- oder Ständerat zu wählen. Stattdessen hat sie relativ unbekannte Politiker wie Lukas Auer, Arbon, oder Martin Brenner, Weinfelden, gewählt, Josef Imhof vom Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau. Oder den unberechenbaren SP-Kantonsrat Peter Dransfeld.

Mit solchen Entscheiden überrascht die Jury bisweilen selbst ihren Vorsitzenden. Aber vielleicht ist diese Jury eben typisch Thurgau: Etwas eigenwillig, trötzelig und unberechenbar. So wie die Thurgauer halt auch manchmal sind. Und deshalb hat das Thurgauer Volk heute wahrscheinlich das «Who is who» im Briefkasten, das es verdient.

David Angst
david.angst@thurgauerzeitung.ch


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