Bahnhof Weinfelden - herausgeputzter Mittelpunkt des Kantons Thurgau

BAHNHOF IM WANDEL ⋅ Weinfelden ist der zentrale Knotenpunkt im öffentlichen Verkehr des Kantons Thurgau. Der Bahnhof setzte schon in der Vergangenheit Massstäbe, heute ist er nebst Verkehr- auch Food-Hotspot.
31. Dezember 2017, 08:36
Sabrina Bächi
Weinfelden liegt mitten im Zentrum des Kantons. Und mitten im Zentrum von Weinfelden liegt der Bahnhof. Aus vier Himmelsrichtungen strömen Besucher, Pendler und Schüler täglich nach Weinfelden. Der Bahnhof ist Hotspot des schnellen Lebens im Dorf. Das zeigt sich auch an der zunehmenden Anzahl Schnellimbisse, die sich in den letzten Jahren rund um den Bahnhof angesammelt haben.
  • Bahnhof Weinfelden um 1915, fünf Gleise, ein Mittelperron aber noch keine Elektrifizierung der Bahn.
  • Der Bahnhof von der Südseite. Gut sichtbar: Das Dach für das Mittelperron. Die südlichen Gleise benutzte die Mittelthurgaubahn.
  • Das Restaurant Thurgauerhof direkt am Bahnhof auf der Nordseite. Um 1915.

Seit 1855 gibt es in Weinfelden einen Bahnhof. Vieles hat sich verändert, einzig das Bahnhofsgebäude sieht von aussen noch gleich aus wie damals. Ein Blick aus der Vergangenheit in die Gegenwart.

Die «Fressmeile» Weinfel­dens liegt am Bahnhof. Döner, Sandwich und Co. in mehr als fünf Läden sind in einer Gehminute vom Bahnhof aus zu erreichen. Trotz der sowieso schon hohen Konzentration an Imbissläden hat nun auch die Weinfelder Bäckerei Strassmann ein Lokal direkt im Bahnhof gemietet. Vis-à-vis vom Avec und nur ein paar Schritte von der Bäckerei Mohn entfernt. «Das Angebot einer Filiale an diesem Standort konnten wir uns nicht entgehen lassen. Für uns lohnt sich die Filiale beim Bahnhof», sagt Stefan Bachmann, Geschäftsinhaber der Bäckerei Strassmann. Schüler des BBZ, Postautochauffeure und Pendler machen den grössten Teil seiner Kundschaft aus. «Wir haben unser Angebot speziell an das Bedürfnis nach Sofortkonsum dieser Kunden angepasst», sagt er. Das heisst, sie verkaufen erst abends frisches Brot. Tagsüber gibt es Sandwiches oder Salate. Tische hat es keine, die Einrichtung ist spartanisch. «Das haben wir bewusst so gewählt», sagt Bachmann, «es ist ja kein Kaffee, sondern ein Schnellimbiss.» Der Trend zu Cafeteria und zu der schnellen Verpflegung wurde wahrscheinlich von den SBB selbst geschaffen.

Billettschalter und Kiosk in einem Raum

Am 17. Januar 2002 wurde der schweizweit erste Combishop im Bahnhof Weinfelden eröffnet. Die Billettschalter wurden mit dem Kiosk in einem Raum verbunden. Ein Konzept, das nun in der ganzen Schweiz anzutreffen ist und in Weinfelden immer noch Bestand hat. Für David Keller, Leiter der Nutzungsstrategie Dorfkern Weinfelden, ist das lukrative Geschäft mit schneller Verpflegung nicht optimal – vor allem wenn es grosse Ketten sind, die ein Geschäft übernehmen. Dass die heimische Bäckerei Strassmann nun im Zentrum einen Standort übernommen hat, freut ihn deshalb. Wenn schon Schnellimbiss, dann wenigstens aus Weinfelden. «Steuern können wir die Entwicklung nicht, aber die Gemeinde hätte beim Bahnhof lieber ein Café mit entsprechenden Öffnungszeiten», sagt er. Für Keller ist klar: Der Bahnhof gehört zum Zentrum und hat noch Entwicklungspotenzial – auch was die «Fressmeile» betrifft.

Martin Sax, Dorfhistoriker und ehemaliger Gemeindeschreiber, weiss, dass der Bahnhof und seine Umgebung seit Anbeginn immer wieder grossen Veränderungen ausgesetzt waren. Selbst die Idee der «Fressmeile» ist nicht neu. «Rund um den Bahnhof hat es schon immer viele Restaurants gegeben», sagt Sax. An einer Hand abzählen kann er die Gasthäuser nicht: «Der Zentralhof, Der Sternen, das Landhaus, der Freihof oder auch der Merkur. Das sind Restaurants, die in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof waren.» Die steigende Mobilität habe einen grossen Einfluss auf das Essensangebot rund um den Bahnhof. «Der Trend geht jedoch vom Restaurant hin zum Schnellimbiss.»


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