NACHGEFRAGT

Unser Thema erhält endlich Gehör

10. September 2013, 02:34

Der Prix Courage der Zeitschrift «Beobachter» geht an die Gruppe der Opfer behördlicher Willkür. Dieser Gruppe gehört Walter Emmisberger an. Münsterlinger Psychiater verabreichten ihm 1967 ein nicht zugelassenes Arzneimittel.

Was bedeutet dieser Preis für Sie?

Das ist eine riesen Sensation. Unser Thema, dass wir als Kinder fremdplaziert und misshandelt wurden, erhält so endlich Gehör. Der Preis geht nicht ausschliesslich an uns vier Preisträger, sondern auch an viele Tausende weitere ehemalige Verdingkinder und Opfer behördlicher Gewalt. Für mich selbst ist dieser Preis auch eine besondere Ehre, weil ich nie ein Diplom erhalten habe.

Was hat der Preis ausgelöst?

Ich bin mir bewusst geworden, was ich in den letzten Jahren alles für mich und andere Opfer behördlicher Willkür getan habe. So habe ich meine Geschichte, das Leid, das mir in einer Thurgauer Pflegefamilie widerfahren ist, aufgearbeitet.

Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt geht der politische Prozess in die entscheidende Phase. Am runden Tisch in Bern wird im Oktober über unsere Forderung nach einer finanziellen Entschädigung verhandelt. Der Prix Courage trägt sicher dazu bei, dass die Politiker handeln.


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