Tiere, Tod, Tränen

Sorgt wieder einmal für Wirbel: das Connyland im thurgauischen Lipperswil. (Archiv/Nana Do Carmo)
LIPPERSWIL. Das Connyland sorgt für Schlagzeilen – und zwar nicht erst seit dem Drama um zwei innert weniger Tage verstorbene Delfine. Ein Streifzug durch die bewegte Geschichte des Thurgauer Freizeitparks.
15. November 2011, 14:34
Daniel Walt
«Prinzessin kommt ins Connyland», «Ja, ich hatte Sex mit der 13-Jährigen» oder «Delfine haben keinen Sonnenbrand»: Das sind nur drei von ungezählten Schlagzeilen, welche der Thurgauer Freizeitpark in den vergangenen 28 Jahren seines Bestehens produziert hat. Viele von ihnen sind positiver Natur und beziehen sich auf Tiervorführungen oder rauschende Feste mit viel Prominenz. Mindestens ebenso viele bringen aber auch persönliche Dramen oder Streitereien rund um den Freizeitpark auf den Punkt.

Das blaue Wunder
«Thurgauer erleben ihr blaues Wunder», titelt der «Blick» im Juni 2002. Anlass der Geschichte: die Einweihung der neuen Delfin-Lagune. Als Gäste sind unter anderem Entertainer Roberto Blanco, der Thurgauer alt Nationalrat Ernst Mühlemann oder Sängerin Monika Kaelin zugegen. Bauchredner Kliby rührt an diesem Anlass kräftig die Werbetrommel fürs Connyland. Er habe bei einer Kreuzfahrt in Südamerika beobachtet, wie Delfine in einem Hafenbecken voller Klärschlamm und Abfällen um Luft gerungen hätten, sagt er - und bedauert, dass er für die Gegner des Delfinariums kein Foto davon gemacht habe. Ein paar Jahre später bietet die Lagune ein weiteres Mal Anlass zum Feiern: Eine unabhängige Organisation namens Freizeitpark-Tester-Team zeichnet das Connyland für die Lagune und die Show aus. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Parks ist der Besuch von Prinzessin Stéphanie von Monaco im Jahr 2004: Sie tauft zwei Jungdelfine – so unter anderem den in der vergangenen Woche verstorbenen Shadow.

Brand und Streit um Adolph
Im Juni 1996 kommt es im Vergnügungspark zu einem Drama: Bei einem Werkstattbrand verliert ein 28-jähriger Angestellter aus Polen sein Leben. Der Connyland-Chef lässt sich in der «SonntagsZeitung» wie folgt zitieren: «Ich habe den Angestellten gut gekannt und bin schockiert. Wir sind eine grosse Familie.» Dass diese Gemeinschaft immer wieder Zerreissproben ausgesetzt ist, liegt unter anderem an den permanenten Vorwürfen wegen Tierquälerei, die gegen das Connyland laut werden. So titelt beispielsweise der «Beobachter» im Jahr 2000: «Delfine und Seelöwen führen ein Hundeleben». Ex-Mitarbeiter berichten, dass ein Trainer Delfine mit den Füssen traktiert habe. Zudem sei Seelöwe Adoph mit einem Besenstiel geschlagen und wochenlang in einen Transportwagen gesperrt worden - «knallharte Isolationshaft», so ein Ex-Connyland-Angestellter. Erwähnt wird auch, dass derselbe Adolph einmal aus einem Transporter auf die A7 bei Frauenfeld stürzte.

Zehn Monate Gefängnis bedingt
Die Attacken aus Tierschutzkreisen bringen es mit sich, dass sich das Connyland immer wieder in juristischen Verfahren wiederfindet. Dabei obsiegt in den allermeisten Fällen der Freizeitpark. Insbesondere was die Delfinhaltung anbelangt, erhält das Connyland von den zuständigen Behörden und Ämtern immer wieder einen Persilschein. Zuletzt erst gerade vor wenigen Tagen, als bekannt wird, dass eine entsprechende Untersuchung eingestellt worden ist. Für den Juniorchef des Connylands geht im Jahr 2003 ein Prozess allerdings negativ aus: Er fasst wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind zehn Monate Gefängnis bedingt.

Wirbel um eine Bahn
Nicht nur Menschen und Tiere, sondern sogar die Bahnen des Connylands sind schlagzeilenträchtig. So beispielsweise Cobra. Jahrelang steht sie halbfertig im Freizeitpark. Dies, weil die zuständige Firma aus Moskau die Teile nicht liefert. Als die Bahn dann endlich in Betrieb genommen werden kann, bleibt sie ein Sorgenkind: Besucher beklagen sich, dass sie zu stark holpere – frisch renoviert nimmt sie beim Start zur Saison 2011 ihren Betrieb wieder auf. Die Saison wird nun allerdings vom Tod der beiden Delphine überschattet - «ich weinte, als er in meinen Armen starb», zitiert der «SonntagsBlick» den Trainer von «Shadow», der am Dienstag vor einer Woche verendete. Affaire à suivre - die letzte Schlagzeile über das Connyland ist noch lange nicht geschrieben.

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