Thurgau schafft Frühfranzösisch ab

Frühfranzösisch wird im Thurgau bald der Vergangenheit angehören. Zoom

Frühfranzösisch wird im Thurgau bald der Vergangenheit angehören. (Reto Martin )

FRAUENFELD. Im Kanton Thurgau soll Französisch nicht mehr in der Primarschule, sondern erst auf der Sekundarstufe unterrichtet werden. Dafür sprach sich am Mittwoch der Grosse Rat aus, indem er eine Motion mit 71 zu 49 Stimmen erheblich erklärte - gegen den Willen der Regierung.

13. August 2014, 13:26
Der Rat führte während zwei Stunden eine kontroverse Debatte. Die Regierung hat jetzt den Auftrag, den obligatorischen Französischunterricht aus dem Lehrplan der Primarschule zu streichen. Bisher werden die Thurgauer Kinder nach dem Modell 3/5 unterrichtet, mit Englisch ab der dritten und Französisch ab der fünften Klasse.

Für die Motion sprachen sich SVP, EDU und EVP, aber auch Teile der anderen Fraktionen aus. Klar gegen die Streichung von "Frühfranzösisch" war die SP. Sie widersprach den Argumenten der Motionäre und sprach von einem Affront gegen die Romandie.

Überforderte Schulkinder
Die Befürworter argumentierten, ein grosser Teil der Kinder sei mit zwei Fremdsprachen in der Primarschule überfordert. Dieser Standpunkt erhielt auch aus Lehrerkreisen Unterstützung. Juristen bemängelten allerdings, die Motion greife in Kompetenzen der Regierung ein und verstosse gegen die Geschäftsordnung des Rats.

Erziehungsdirektorin Monika Knill (SVP) rief erfolglos zur Ablehnung der Motion auf. Das von der Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) eingeführte Sprachenmodell 3/5 sei staatspolitisch wichtig. Durch ein Ausscheren isoliere sich der Thurgau. Zudem drohe eine Kontroverse wegen formeller Mängel der Motion.

Als Alternative zur Streichung von Frühfranzösisch schlug die Thurgauer Regierung eine Dispensationsregelung für überforderte Primarschüler vor. Damit hätten die leistungsstarken Primarschüler weiterhin vom Französischunterricht profitiert.

SP Schweiz will Sprachenfrage neu regeln
Die SP Schweiz reagierte in einem Communiqué empört auf den Entscheid des Thurgauer Grossen Rats. Dieser Dammbruch sei nicht akzeptabel. "Jetzt müssen wir die Sprachenfrage auf Bundesebene lösen", wird SP-Nationalrat Matthias Aebischer zitiert.

Die SP will spätestens in der Herbstsession in Bern Vorstösse einreichen, um das Sprachengesetz zu ändern. Das Erlernen einer zweiten Landessprache müsse vorgeschrieben sein, schreibt die Partei. Dies bedinge, dass die Kantone die Lehrkräfte unterstützten und ihnen die notwendigen Mittel zur Verfügung stellten.

Vorstösse in mehreren Kantonen
Der Trend in der Deutschschweiz geht in die Gegenrichtung: In Schaffhausen hiess der Kantonsrat ein Postulat gut, das nur noch eine Fremdsprache in der Primarschule will.

Mit dem gleichen Ziel reichte die SVP in Nidwalden eine Initiative ein. Und im St.Galler Kantonsrat regte die SVP mit einer Interpellation die Streichung des Frühfranzösisch an. Allenfalls sei eine Anpassung des Harmos-Konkordats zu prüfen.

Die Thurgauer Stimmberechtigten hatten 2006 eine SVP-Initiative "Nur eine Fremdsprache in der Primarschule" noch abgelehnt. Die SP Thurgau warf dem Grossen Rat und der SVP deshalb jetzt in einer Stellungnahme vor, den Volkswillen zu missachten. (sda)

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