Streit um Löwen im Zirkus

LIPPERSWIL. Der Thurgauer Zirkus Royal wird wieder mit einer Löwenshow auf Tournée gehen. Dies ruft Tierschützer auf den Plan. Sie kritisieren, dass ein Zirkus Grosskatzen keine angemessenen Lebensbedingungen bieten könne. Der Zirkus widerspricht. Seine Tierhaltung sei gut.
06. November 2015, 10:08
MARTIN RECHSTEINER

«Das sind alles Pseudo-Tierschützer», sagt Oliver Skreinig, der Direktor des Circus Royal. Der Zirkus hatte angekündigt, ab März 2016 wieder mit einer Löwenshow auf Tournée zu gehen. Sieben Raubkatzen werden in der Manege zu sehen sein. Damit ist der Thurgauer Zirkus ins Visier von Tierschützern geraten.

«Rückschritt für die Zirkuswelt»

«Das ist sehr enttäuschend und definitiv ein Rückschritt für die Schweizer Zirkuswelt», heisst es von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Der Circus Royal sei seit Jahren der erste Schweizer Zirkus, der Raubtiere wieder in sein Programm aufnehme. Die Tierschützer kritisieren dabei vor allem die Haltung der Tiere. «Ein Zirkus kann Grosskatzen nicht annähernd angemessene Lebensbedingungen bieten», schreiben die Tierschützer von Vier Pfoten auf ihrer Webseite.

Zirkus handelt nach Gesetz

Für Zirkusdirektor Skreinig sind die Vorwürfe haltlos: «Das Schweizer Tierschutzgesetz schreibt genau vor, wie solche Tiere zu halten sind. Und wir machen sogar noch mehr», sagt er. So sei seine Anlage für die Löwen rund dreimal grösser als gesetzlich verlangt. Dass Zirkusse immer wieder wegen der Haltung von Tieren in die Kritik geraten, stört Skreinig. «Für mich sind echte Tierschützer Leute, die sich um Tiere in Not kümmern. Davon kann bei unseren Zirkustieren keine Rede sein», sagt er. «Wir Zirkusse werden ja ständig von den Behörden kontrolliert.» Wer Tieren helfen wolle, müsse anderswo ansetzen. Etwa bei privaten Haltern oder bei der Fleischproduktion, denn dort gehe es den Tieren schlecht.

«Zirkusse mit ihren Tieren sind Bestandteil unserer Kultur», sagt Skreinig. «Das Ziel dieser Kritiker ist es einfach, jegliches Zusammenleben von Mensch und Tier zu verhindern.»

Julie Stillhart, Länderchefin von Vier Pfoten Schweiz, sieht das anders. «Raubtiernummern sind unserer Meinung nach ein veraltetes Modell», sagt sie. Tiere wie Hunde oder Katzen schätzen das enge Zusammenleben mit dem Menschen, nicht aber Wildtiere wie zum Beispiel Löwen. «Auch wenn sie in Gefangenschaft geboren werden, haben Wildtiere immer noch dieselben Bedürfnisse wie ihre Artgenossen in der Wildnis», sagt Stillhart. Ein Zirkus könne diesen unmöglich nachkommen. Aus ihrer Sicht nützt dabei auch die Einhaltung der Gesetze zur Wildtierhaltung nichts. «Zirkusse dürfen zum Beispiel Mindestmasse für Gehege von Wildtieren regelmässig unterschreiten», sagt Stillhart. «Sie rechtfertigen dies damit, dass die Tiere auf Tournée regelmässig beschäftigt werden müssen.» Für Julie Stillhart sei der Fall deshalb klar: «Die Schweiz braucht ein generelles Verbot von Wildtieren in Zirkussen, wie es bereits in 17 Ländern in Europa der Fall ist.»

Von einem solchen Verbot hält Zirkusdirektor Oliver Skreinig wenig. Aber auch er betont: «Auch ich bin gegen schlechte Tierhaltung.» Sei die Tierhaltung aber in Ordnung, gäbe es nichts dagegen einzuwenden. «Und dies ist bei uns der Fall. Zu über 100 Prozent – vom Platz über die Pflege bis zur Beschäftigung der Tiere.»


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