Steve Schild will abheben - Richtung Mars

MARS-MISSION ⋅ 2027 will Steve Schild auf dem Mars landen, weil das sein Kindheitstraum ist. Wie lange und mühsam der Weg zu diesem Ziel sein wird, erzählte er an einer Veranstaltung der Erfa-Gruppe Weinfelden. Schild rechnet mit sieben Monaten Reisezeit zum Mars.
12. Mai 2016, 06:32
KURT PETER

WEINFELDEN. «Wenn Steve Schild tatsächlich zum Mars fliegen kann, ist er nach Claude Nicollier der zweite Schweizer Astronaut», begrüsste Christoph Lanter als Vorstandsmitglied der Erfahrungsaustausch-Gruppe (Erfa) die Gäste im Saal des Gasthauses Trauben. Das Projekt «Mars One» sei 2010 als private Initiative gegründet worden, begann Steve Schild seine Ausführungen. Seit 2012 sei er im Bewerbungsteam. «Von den ursprünglich 202 500 Interessierten sind aktuell noch 100 Bewerber und Bewerberinnen im Rennen, im kommenden Jahr geht es für die letzten 24 möglichen Astronauten an die Grundausbildung.»

Start ist auf 2026 angesetzt

Wer an der Marsmission teilnehmen wolle, brauche viel Geduld, sagte Schild. Allein vier Jahre, von 2013 bis 2016, hätten medizinische Untersuchungen sowie Wissens- und Psychologietests in Anspruch genommen. Die Vollausbildung sei ab kommendem Jahr geplant, der Start der Mission auf 2026 angesetzt und «wenn für mich alles gut geht, bin ich bei der Landung auf dem Mars 2027 dabei und gehöre zu den ersten vier Siedlern auf dem Roten Planeten».

Derzeit stecke er in «persönlichen Vorbereitungen. Ich muss Gesundheit und Fitness halten, Studien über den Mars und die Raumfahrt betreiben und mein Englisch stetig verbessern».

Noch keine Sexpraxis im All

Der Flug zum Mars ist nichts für Menschen mit Platzangst. Die Reise dauert sieben Monate in einer Kapsel von nur 30 Kubikmeter Raum für vier Menschen. Mit an Bord seien 800 Kilo Trockennahrung und 30 000 Liter Wasser, das auch zum Strahlenschutz verwendet werde. Sechs Milliarden Franken soll die Mission kosten, finanziert durch Sponsoren, «die noch nicht genannt werden wollen», wie Steve Schild erläuterte. «Sex im All ist ein häufig diskutiertes, aber noch nicht in der Praxis umgesetztes Thema», meinte der mögliche Astronaut. Offiziell habe das noch niemand ausprobiert. «Das grösste Problem ist wohl das Prinzip des Rückstosses im schwerelosen Raum.» Man habe keine Zugkraft und stosse dauernd gegen die Wände, erklärte Schild und zitierte dabei seine Nachforschungen auf Wikipedia: «Dadurch werden die beiden Partner ständig auseinandergetrieben.»

Reise ohne Rückkehr

Das Ziel der Mission ist die Besiedelung des Mars. Für Schild hätte das gravierende Folgen: «Als Fleischfan müsste ich auf dem Roten Planeten darauf verzichten.» Die Ernährung sei durch Gemüse aus Hydrokulturen gewährleistet, entsprechende Versuche auf der Erde hätten Erfolge gezeigt, auch mit wenig Wasser und wenig Licht. «Die Vision ist klar: Die Marssiedlung wird vom 250 Quadratmeter grossen, ersten Element weiter ausgebaut, dann soll auch der Nachwuchs gezeugt werden und klar ist: Wenn ich auf dem Mars bin, komme ich nicht mehr zurück.»


Leserkommentare

Anzeige: