SP Thurgau staunt über Mutterpartei

Zwei deutsche Tierschutzorganisationen fordern die Schliessung des Delphinariums vom Connyland. Kürzlich holten sie sich Unterstützung aus der Politik: Die SP Schweiz liess sich sofort einspannen. Das erstaunt die Thurgauer Fraktion.
09. September 2011, 07:46
Sereina capatt/ cathrin michael

Lipperswil. «Ich finde es eigenartig, dass sich die SP Schweiz nicht bei mir gemeldet hat, bevor sie Stellung zum Connyland bezogen hat», sagt Barbara Kern, Präsidentin der SP Thurgau. Mit Erstaunen hätte sie gestern in der TZ gelesen, was Chantal Gahlinger, politische Fachsekretärin der SP gesagt hatte. Diese unterstützt in einem Schreiben die Forderungen der deutschen Tierschutzorganisationen ProWal und vom Wal- und Delphinschutzforum (WDSF). Das Delphinarium des Connylands soll geschlossen werden, weil die Tiere nicht artgerecht gehalten würden. Gahlinger schrieb: «Sollte es den Betreibern des Connylands nicht gelingen, die erhobenen Vorwürfe rasch zu beseitigen beziehungsweise die Missstände gemäss Tierschutzverordnung rasch und umfassend zu beheben, unterstützen wir die mittelfristige Schliessung von Connyland.»

Kern vertraut dem Tierschutz

«Ich bin der Überzeugung, dass es den Tieren gut geht», sagt Barbara Kern. «Im Thurgau haben wir einen sehr strengen Tierschutzverein, dem wir vertrauen können. Nur schon wenn ein Schaf ein dreckiges Hinterteil hat, wird genau hingeschaut.» Die Thurgauer Parteipräsidentin erachtet es als befremdend, dass zwei deutsche Tierschutzorganisationen den thurgauischen Tierschutz unterwanderten. «Das Connyland ist schon lange unter Beschuss, die Kritik ist bis jetzt aber immer im Sand verlaufen.»

Laut Kantonstierarzt Paul Witzig gibt es keine neuen Vorwürfe von ProWal und dem Wal- und Delphinschutzforum bezüglich der Delphinhaltung im Connyland. «Wir haben die Vorwürfe der Tierschützer abgeklärt. Falls es neue Anschuldigungen geben sollte, werden wir diesen nachgehen und kontrollieren.»

Auf Boulevardblatt gestützt

«Wir können uns nicht vorstellen, dass Schweizer Parteien es in ihre Traktandenliste aufnehmen, für das Anliegen von deutschen Aktivisten einzustehen», sagt Erich Brandenberger, Geschäftsführer des Connylands. Zudem seien die Parteien wohl kaum glücklich, wenn einzelne Vertreter persönliche Äusserungen preisgeben. «Vor allem dann nicht, wenn Aussagen wie jene von Chantal Gahlinger von der SP von derart schlechter Recherche zeugen.» Sie sagte zur TZ, ihr sei ein Artikel aus dem «Blick» bekannt. «Dass sich ein politisch aktives Parteimitglied zu solchen Aussagen verführen lässt und sich dabei auf einen Artikel, der in einem Boulevardblatt erschienen ist, stützt, ist doch sehr bedenklich», entgegnet Brandenberger.

Strafanzeige bald eingestellt?

Er bleibt dabei: «Wir halten uns an das Schweizerische Tierschutzgesetz.» Die gegen das Delphinarium erhobenen Vorwürfe will er bald öffentlich widerlegen: «Wir erwarten täglich die Einstellungsverfügung von der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen gegen die Strafanzeige, die letztes Jahr von der Tierschutzorganisation Ocean Care eingereicht wurde», sagt Brandenberger. Diese Verfügung werde von offizieller Seite belegen, dass sämtliche Vorwürfen haltlos seien. «Die aggressive Kritik der ausländischen Aktivisten hat null Fleisch am Knochen und ist völlig verfehlt.»

Ausserdem würden sie weiterfahren mit ihrer Arbeit. «Wir sind immer offen für Kritik, solange sie fachlich fundiert und konstruktiv ist, und sind sicher, dass die Stimmen der Aktivisten, die mit attraktiv klingenden Unwahrheiten um Spendengelder buhlen, bald verstummt sein werden.»


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