Notstand auf der Aushubdeponie

Die Thurgauer Aushubdeponien sind bald voll. Besonders im Oberthurgau spitzt sich die Situation zu. Beim Projekt Fetzisloh, das Abhilfe gebracht hätte, tut sich nichts. Zur Lösung des Problems setzt das Amt für Umwelt auf den Markt.
10. Dezember 2013, 02:35
THOMAS WUNDERLIN

FRAUENFELD. Der derzeitige Bauboom könnte aus einem unerwarteten Grund zu Ende gehen. Nicht steigende Zinsen, sondern fehlende Deponien für unverschmutzten Aushub könnten dafür sorgen – zumindest im Thurgau. Von «Notstand» spricht ein Branchenkenner. «Irgendwann bleibt die Bauwirtschaft stehen, wenn nicht schnell ein neuer Standort aufgeht.» In den letzten zehn Jahren ist der Platz für unverschmutzten Aushub auf fast einen Fünftel geschmolzen, stellte das Amt für Umwelt im kürzlich erschienenen Abfallbericht fest. Vor allem im Oberthurgau bestehe «weiterhin ein Bedarf nach neuen Ablagerungsmöglichkeiten».

Das knappe Angebot lässt den Preis steigen. Die Ablagerung eines Kubikmeters Aushub kostet rund 12 Franken; vor zehn Jahren waren es 3 Franken. Oberthurgauer Bauunternehmer müssen immer weiter fahren, um Aushub loszuwerden. Beliebt ist die Deponie Tüfentobel der Stadt St. Gallen; auch hier geht allerdings der Platz zur Neige.

Das Problem verschärft sich, weil immer mehr in den Untergrund gebaut wird, zum Beispiel für Tiefgaragen oder für die Tieferlegung von Strassen, erklärt Werner Meier vom Weinfelder Ingenieurbüro Meier und Partner AG. «Ich habe schon von Unternehmungen gehört, die den Abtransport von Aushub nicht mehr offerieren können, weil sie keine Entsorgungsmöglichkeit haben.» Da der Kiesabbau zurückgegangen ist, fehlen Kiesgruben, die aufgefüllt werden können. Gesucht sind Senken oder Flächen, auf denen ein kleiner Hügel errichtet werden darf und wo anliefernde Lastwagen nicht stören.

Nichts Neues aus Fetzisloh

Die Zürcher Kies und Transport AG aus Zuzwil betreibt unter anderem die Deponie Fuchsbüel in Gloten. Hier werden Inertstoffe wie Beton und Asbestzement gelagert, die bei Hausabbrüchen anfallen. Im Januar 2012 kündigte die Zürcher AG an, dass sie beim Autobahn-Anschluss Arbon-West eine gemischte Deponie für unverschmutzten Aushub und für Inertstoffe plant. Die Bewohner des benachbarten Weilers Fetzisloh protestierten vehement. Sie fürchteten eine Verschandelung der Obstplantagen-Landschaft und einen Schattenwurf des Deponiehügels. Auskünfte über das Projekt sind bei der Zürcher AG zurzeit keine erhältlich. Der Projektgegner Pascal Stacher aus Fetzisloh ist zuversichtlicher «als auch schon», dass die Deponie nicht eröffnet wird. Die Hürden sind hoch, da Zonen- und Richtplan geändert werden müssten. Der Regierungsrat wies in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage im April 2012 auf die hohe Bodenqualität hin und erklärte, auch er meine, dass es für eine Inertstoffdeponie «geeignetere Standorte gäbe».

Kanton setzt auf Markt

Das Problem sei kürzlich an einem Workshop mit Branchenvertretern besprochen worden, sagt Jürg Hertz, Chef des Amts für Umwelt. Im Thurgau sehe man es nicht als kantonale Aufgabe, Deponien für unverschmutzten Aushub und für Inertstoffe zu betreiben. Der Kanton helfe bei der Kommunikation. Die Wirtschaft sei fähig, das Problem zu lösen. Es seien Standorte in Planung. «Letztlich wird sich das Problem durch den Preis regeln.» Seine Überlegung: Je höher der Preis steigt, desto eher stellen Grundeigentümer geeignete Plätze zur Verfügung.


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