Mehr Briten, mehr Ostschweizer

Das St. Galler Military Tattoo wagt dieses Jahr einen Neustart. Musikalisch spielt der Anlass in der höchsten Liga, finanziell hilft die Partnerschaft mit den Olma Messen. Die Zukunft des Tattoos hängt aber von den Besucherzahlen ab.
05. April 2016, 02:40
ADRIAN VÖGELE

ST. GALLEN. Die Dudelsäcke kehren zurück: Nach einem zweijährigen Unterbruch findet dieses Jahr in St. Gallen wieder ein Military Tattoo statt. Der Anlass, der 2014 wegen zu geringer Zuschauerzahlen auf Eis gelegt worden war, findet in neuer Form in der Olma-Halle 9.1 statt. Im September statt im Juli, und während dreier anstatt fünf Tagen. Erstmals organisieren Tattoo-Veranstalter Adrian Osterwalder und die Olma Messen das Festival gemeinsam.

In der Tattoo-Szene hat man die St. Galler trotz der Pause nicht vergessen: Für das diesjährige Programm erhalten sie erneut Unterstützung von höchster Stelle. Jason Griffiths, Major in der britischen Armee und bis vor kurzem einer der «Hofkapellmeister» der Queen, übernimmt die musikalische Leitung – wie bereits 2014. Mittlerweile schwingt er auch beim weltweit grössten Anlass dieser Art, dem Edinburgh Military Tattoo, den Taktstock – als «Senior Director of Music». «Es freut uns darum besonders, dass Jason Griffiths unser Tattoo dieses Jahr wieder leitet», sagt Adrian Osterwalder. Starallüren hat der Major keine: Nächste Woche ist er am Stand des St. Galler Tattoos an der Offa anzutreffen und hilft bei der Werbung für das Festival.

Garderegiment eingeladen

Jason Griffiths war bis vor kurzem Dirigent des Orchesters der Household Cavalry, der berittenen Leibgarde der britischen Königin. Dieses Regiment steht in der Hierarchie der britischen Armee zuoberst – man kennt es von Auftritten in prächtigen Uniformen bei Staatsakten in London oder Windsor. Zu seinen Mitgliedern zählten auch Prinz William und Prinz Harry. Für das Tattoo 2014 brachte Griffiths bereits eine Fanfarenbläser-Gruppe dieses Regiments mit nach St. Gallen. Dieses Jahr nun soll das gesamte Orchester kommen. «Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber wir sind zuversichtlich, dass es klappt», sagt Osterwalder.

Seine Pferde wird das Orchester allerdings zu Hause lassen. «Auf dem Olma-Gelände wäre ein Auftritt mit Pferden zwar möglich», sagt Osterwalder. Doch Transport und Versorgung der Tiere sind aufwendig – für ihr Mitwirken würde eine sechsstelliger Zuschlag fällig. «Das liegt finanziell nicht drin.»

Doch auch ohne die Schlachtrosse ist die britische Beteiligung am diesjährigen Festival gewichtiger als auch schon: Während die Dudelsackpfeifer und Trommler (Pipes and Drums) bei den vergangenen Tattoos mehrheitlich aus Deutschland stammten, kommen sie dieses Jahr hauptsächlich aus Grossbritannien und Irland. Eine Ausnahme sind die United Maniacs aus der Stadt St. Gallen.

Mehr regionale Formationen

Auf Wunsch des Publikums haben die Veranstalter den Anteil regionaler Formationen erhöht. Zu den Mitwirkenden gehören die Otmarmusik St. Gallen, die Stadtmusik Rorschach, der Tambourenverein Fürstenland und Hackbrettspieler Nicolas Senn. Auch die Schweizer Armee ist vertreten – mit den Tambouren der Rekrutenschule 16-2/2016. Zudem kommen die Lucerne Marching Band und die Blaskapelle Bad Bayersoien (D) ans Tattoo.

7000 Besucher als Minimum

Bisher sind 2000 Tickets für das Festival verkauft. «Damit liegen wir mehr oder weniger im Zeitplan», sagt Osterwalder. Um die Kosten decken zu können, hoffen Osterwalder und die Olma Messen allerdings auf mindestens 7000 Besucherinnen und Besucher. Bei den früheren Tattoos war für die «schwarze Null» eine wesentlich höhere Zuschauerzahl nötig. Und obwohl das Budget wie bis anhin rund 850 000 Franken beträgt, bleiben die Ticketpreise etwa gleich – denn gegenüber früher ist die Summe der Sponsorengelder höher. «Hier hat unsere Partnerschaft mit den Olma Messen sehr geholfen», sagt Osterwalder.

Die beiden Co-Veranstalter tragen das finanzielle Risiko je zur Hälfte. Für den Fall eines Gewinns hält Osterwalder an seinem Versprechen fest, mit seinem Teil des Ertrags noch offene Rechnungen des Tattoos 2014 zu begleichen – auch wenn darauf kein rechtlicher Anspruch bestehe, da der damalige Tattoo-Verein aufgelöst sei.

Was passiert, falls das Festival dieses Jahr wiederum ein Defizit schreibt? Für Prognosen zur weiteren Zukunft des Anlasses sei es noch zu früh, sagt Osterwalder. «Zunächst wollen wir das diesjährige Festival über die Bühne bringen.»

Laut Ralph Engel, Abteilungsleiter Congress-Events bei den Olma Messen, muss ein Defizit noch nicht zwingend das Ende des St. Galler Tattoos bedeuten. Schliesslich sei es das erste Festival nach der Neuorganisation. «Wir wollen nicht um jeden Preis Gewinn machen mit dem Tattoo. Für uns ist zentral, dass der Anlass fähig ist, sich auf Dauer selber zu tragen.» Wenn es nach dem diesjährigen Festival genügend Indizien dafür gebe, dass der Anlass seine Kosten künftig selber decken könne, seien weitere Durchführungen möglich – auch wenn die Zahlen für 2016 noch rot seien. Allerdings komme es dabei auf die Grössenordnung an: «Wenn das Tattoo dieses Jahr einen grossen Verlust schreibt, ist es unwahrscheinlich, dass wir damit fortfahren.»

Und auch wenn die Resultate beim Sponsoring vielversprechend sind: Entscheidend sind die Ticketeinnahmen, wie Engel betont.

Weniger Gedränge im Markt

Die Konkurrenz im Schweizer Tattoo-Markt hat in jüngster Zeit eher abgenommen. Sowohl das Zurich Tattoo als auch das Christmas Tattoo (ebenfalls in Zürich) finden dieses Jahr nicht statt. Nebst dem St. Galler Tattoo verbleibt nur noch der «grosse Bruder», das Basel Tattoo, das jedoch im Freien stattfindet. Die St. Galler Organisatoren hoffen zudem, dass sich der neue Termin – ausserhalb der Sommerferien – positiv auf die Besucherzahl auswirkt.


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