Luftschiff sucht Landeplatz

UTTWIL. Der Uttwiler Architekt Fredy Iseli plant ein Bauwerk in Leichtbauweise. Es soll wie ein 236 Meter langer Zeppelin aussehen. Das exklusive Hotel-Luftschiff auf riesigen Stützen soll rund 200 Millionen Euro kosten.
31. August 2013, 08:49
MARKUS SCHOCH

Fredy Iseli hat Grosses vor, sehr Grosses sogar. Er will nicht mehr und nicht weniger als zahlungskräftigen Touristen Europas exklusivstes Wohnerlebnis bieten, wie er selber sagt.

Der Architekt hat vor, das legendäre Luftschiff LZ127 nachzubauen, das in Friedrichshafen entwickelt wurde und 1928 in Betrieb ging. Das 236 Meter lange Replikat mit einem Durchmesser von 30 Metern soll aber nicht abheben, sondern fest auf fünf 30 Meter hohen Stützen verankert und wie ein Kreuzfahrtschiff betrieben werden Das Konzept sieht mindestens 500 exklusive Hotelsuiten, Restaurants, Einkaufspassagen, ein Museum, Kongressräume, Wellness-Angebote sowie Freizeitanlagen vor.

Standort an der Autobahn

Iseli sieht den Zeppelin als Luxuskreuzer, auf dem sich die Besucher eine Woche aufhalten und bei Bedarf Landgänge machen: Nach Zürich, Luzern oder München – wo immer es sie hinzieht. Das allerdings nur für den Fall, dass der Hotel-Zeppelin tatsächlich im Bodenseeraum stationiert wird, was sich Iseli wünscht. «Es ist eine wunderschöne Gegend. Nur touristisch passiert leider noch nicht viel.» Gerade im Hinblick auf die Expo 2027 in der Ostschweiz könnte das Luftschiff eine zusätzliche Attraktion sein – und gleichzeitig das Bettenproblem lösen, sagt Iseli.

Zwei ideale Standorte für den Zeppelin wären seiner Meinung nach die Autobahnparkplätze im Raum Rorschach und Goldach. Nicht nur wegen der prächtigen Sicht auf den Bodensee, sondern vor allem auch aus praktischen Gründen: An einer solchen Stelle liesse sich das Projekt am ehesten noch realisieren, da es den Rahmen des Baugesetzes sprengt. «Eine Bewilligung zu erhalten, wird das Schwierigste sein», ist sich Iseli bewusst.

Unmöglich scheint es aber nicht. Erste Kontakte mit Beamten und Regierungsräten haben ihn darin bestärkt, die Idee weiter zu verfolgen. Demnächst wird er alle Gemeinden und Städte am Bodensee anschreiben und sie um Landeerlaubnis für seinen Zeppelin bitten.

«Ich werde jemanden finden»

Um die Finanzierung des 200-Mio.-Euro-Projekts macht sich der Uttwiler Architekt weniger Sorgen. «Ich werde jemanden finden», ist er sich sicher. Ein möglicher Investor könnte seiner Meinung nach ein Reeder oder eine Schiffsbaugesellschaft sein.

Dass er möglicherweise belächelt wird wegen seiner hochfliegenden Pläne, nimmt Iseli in Kauf. «Auch Graf Zeppelin musste sich wegen des LZ127 anfänglich von höchster Stelle vorwerfen lassen, Spinner der Nation zu sein.»

Baustoff selber entwickelt

Die Hülle des Luftschiffes soll aus Glas sein und als Kraftwerk funktionieren: Transparente Solarzellen versorgen gemäss Plänen das Luftschiff mit Strom.

Für die Konstruktion der sechs Geschosse will Iseli einen Verbundwerkstoff verwenden, den er in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich entwickelt hat und patentieren liess: eine vollständig aus Altpapier hergestellte und speziell beschichtete Wellpappen-Wabe, die feuer- und wasserfest ist. Das Material ist gemäss Iseli über zehnmal leichter als Beton und deutlich umweltschonender.

Die Bewährungsprobe steht allerdings noch aus. Im nächsten Frühling will Iseli ein Musterhaus mit der so genannten Betonwabe bauen. Deren Produktion soll im Oktober in der Region Oberthurgau anlaufen.

Die Aussicht lässt seine Augen glänzen. «Die Zeit ist reif für etwas Verrücktes in der Bodensee-Region.»

Das SWR-Fernsehen zeigt morgen Sonntag um 18 Uhr in «Landesschau aktuell» einen Beitrag über das Projekt von Fredy Iseli.

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