Kanton prüft «Power to Gas»

FRAUENFELD ⋅ Der Thurgau gibt eine Machbarkeitsstudie über Speichermöglichkeiten von Elektrizität in Auftrag. Der Grosse Rat hat einen Vorstoss gutgeheissen.
21. April 2016, 06:52

FRAUENFELD. Die Technologien zur Umwandlung von Ökostrom aus Sonne und Wind verdienten es, geprüft zu werden, waren sich sämtliche Fraktionen im Grossen Rat am Mittwoch einig. Das sogenannte Power-to-Gas-Verfahren, bei dem Ökostrom in Wasserstoff oder Methan umgewandelt und ins Erdgasnetz eingespeist wird, sei noch in der Entwicklungsphase, sagte Stefan Leuthold (GLP, Frauenfeld), der den Vorstoss eingereicht hatte. Eine Studie soll aufzeigen, wie das Verfahren im Kanton Thurgau genutzt werden könnte.

Fakten aus Schaffhauser Studie

Auch der Regierungsrat sei mit der Machbarkeitsstudie einverstanden, sagte Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Die Studie kostet rund 60 000 Franken und soll über den Energiefonds finanziert werden. Da im Kanton Schaffhausen, dessen kantonale Energiefachstelle im Auftragsmandat durch die Abteilung Energie des Kantons Thurgau geführt wird, eine ähnliche Studie in Arbeit ist, könnten Synergien genutzt werden.

Nicht zuletzt, weil der Thurgau über ein Erdgasnetz verfügt, an das beinahe alle Gemeinden angeschlossen seien, sei es sinnvoll zu prüfen, ob eine Strom-Überproduktion in Gas umgewandelt werden soll.

Allerdings müsse man – obwohl sich sämtliche Fraktionen für die Machbarkeitsstudie aussprachen – auch die Bedenken gegenüber der Technologie Power to Gas ernst nehmen. Solche äusserte Jost Rüegg (Grüne, Kreuzlingen).

Hohe Verluste in der Kritik

Rüeggs Grüne Partei stimmte dem Antrag unter Vorbehalt zu. Sowohl beim Power-to-Gas-Verfahren als auch beim Power-to-Fuel-Verfahren (Umwandlung von Ökostrom in Benzin- oder Dieselersatz) seien die Energieverluste viel zu gross. Bis es im Thurgau nötig sein werde, Sonnen- oder Windenergie zu speichern, gebe es wahrscheinlich effizientere Speicherverfahren, sagte Rüegg. Er wie auch Josef Gemperle (CVP, Fischingen) kritisierten den grossen Energieverlust, der durch die Umwandlung in Gas entstehe. Die Speicherung in Batterien oder das gezielte Aufladen von Elektrofahrzeugen während Strom-Überschusszeiten seien Alternativen, die in der Studie nicht ausser Acht gelassen werden sollten.

Auftrag an den Regierungsrat

Kolumban Helfenberger (BDP, Tuttwil) sprach von einem Puzzleteil im Ausstieg aus der Kernenergie. Für Hans Trachsel (EDU, Amriswil) ist Power to Gas eine Möglichkeit, die es verdiene, weiter geprüft zu werden. Das sahen alle Fraktionen so. Mit grosser Mehrheit beauftragten sie den Regierungsrat, einen Bericht auszuarbeiten. (sme./sda)


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