Herzog twittert, Böhni fragt an

Unter den sechs Thurgauer Nationalräten sind die drei SVP-Vertreter häufiger in Bern anwesend als die andern drei. Verena Herzog ist bei den sozialen Medien am aktivsten, Thomas Böhni reicht am meisten Anfragen ein.
27. Oktober 2014, 02:37
SINA BÜHLER

FRAUENFELD. Die Thurgauer Nationalräte sind die fleissigsten der Ostschweiz: Sie sind an durchschnittlich 94,8 Prozent der Abstimmungen anwesend. (SG: 94,6 Prozent, AR: 91,9 Prozent, AI: 91,2 Prozent). Abgedeckt wurde der Zeitraum zwischen Dezember 2011 und April 2014. Die Angaben stammen von der Plattform Smartmonitor des Vereins Politools, der auch die politische Einstellung der Politiker mit Smartspider-Netzen darstellt.

Von den Thurgauern war Markus Hausammann (SVP/Langrickenbach) mit 97,5 Prozent am häufigsten in Bern, dicht gefolgt von Verena Herzog (SVP/Frauenfeld) mit 97,2 Prozent. Hansjörg Walter (SVP/Wängi) kommt mit 95 Prozent auf den dritten Rang, Edith Graf-Litscher (SP/Frauenfeld) mit 94,5 Prozent auf den vierten. Thomas Böhni (GLP/Frauenfeld) war zu 93 Prozent in Bern, Christian Lohr (CVP/Kreuzlingen) zu 91,6 Prozent.

Wie fleissig die aktuellen Nationalräte sind, wird im Vergleich zum früheren Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler klar. Im Herbst 2012 wurde eine einzelne Session ausgewertet, und Spuhler landete auf dem zweitletzten Platz. Er hatte an gerade mal 44 Prozent der Abstimmungen teilgenommen. Drei Monate später trat er zurück.

Walter scheiterte zweimal

Die statistisch erfolgreichste Thurgauer Parlamentarierin ist Edith Graf-Litscher. Drei ihrer vier Vorstösse, die in der laufenden Legislatur behandelt wurden, brachte sie durch.

Die SP-Nationalrätin ist seit über neun Jahren im Amt und damit nach Hansjörg Walter das erfahrenste Thurgauer Ratsmitglied. Von Walter wurden zwei Vorstösse behandelt, er scheiterte aber mit beiden. Einen Vorstoss erfolgreich durchgebracht hat Christian Lohr. Weil es aber auch der einzige behandelte war, hat Lohr eine hundertprozentige Erfolgsquote. Die übrigen Thurgauer Vertreter tauchen in dieser Statistik nicht auf. Das heisst aber nicht, dass sie untätig gewesen wären: Smartmonitor zählt nur vom Parlament bereits behandelte Motionen, Postulate und Initiativen.

Tatsächlich tun Parlamentarier viel mehr als das, wie das Beispiel Verena Herzog zeigt. Sie reichte in ihrem einzigen Amtsjahr (sie rückte 2013 für Peter Spuhler nach) drei Motionen und eine parlamentarische Initiative ein, die aber alle noch nicht behandelt wurden. Dazu reichte sie auch noch vier Interpellationen und sechs Anfragen ein, die vom System nicht gezählt werden.

Thomas Böhni reichte ein Postulat und vier Motionen ein, die noch nicht behandelt wurden, dazu sechs Interpellationen sowie zwanzig Anfragen. Wenig getan hat dafür Markus Hausammann von der SVP, der die Anwesenheitsstatistik anführt: In den zwölf analysierten Sessionen der Legislatur reichte er gerade mal vier Motionen ein. Eine zog er wieder zurück, drei sind noch nicht behandelt worden.

Lohr mit CVP am erfolgreichsten

Welche Thurgauer Partei hat bei Parlamentsabstimmungen am häufigsten den Sieg davongetragen? Die CVP gewann mit Nationalrat Lohr 84,5 Prozent der Abstimmungen, die GLP mit Böhni 77 Prozent. Die drei Vertreter der SVP kommen zusammen auf eine Erfolgsquote von 63,7 Prozent, die SP mit Graf-Litscher auf 60,2 Prozent.

Graf-Litscher stimmte auch sehr parteitreu: In 98 Prozent der Abstimmungen war sie auf der Seite der Parteimehrheit. Treuer ist nur Böhni, der zu 99,2 Prozent mit der Mehrheit der GLP stimmte. Am eigenständigsten ist Markus Hausammann: Er vertrat in 6,3 Prozent der Fälle eine andere Meinung als die SVP-Mehrheit.

Verena Herzog medial aktiv

Zuletzt noch ein Blick auf die Online-Präsenz der Thurgauer Nationalrätinnen und Nationalräte. Wer verkauft sich dort am besten?

Es ist die amtsjüngste, Verena Herzog: Sie führt eine aktuelle Homepage und schreibt regelmässig auf Facebook sowie Twitter. Auch Edith Graf-Litscher ist neben ihrer eigenen Webseite auch auf Twitter, ihr letzter Beitrag ist aber von Mitte Mai. Graf-Litschers Beiträge auf Facebook kann nur lesen, wer mit ihr befreundet ist. Markus Hausammann und Christian Lohr aktualisieren sowohl ihre Webseite wie auch Facebook regelmässig.

Hansjörg Walter ruht sich seit seiner letzten Wahl online aus: Seine Homepage ist seit Ende 2012 nicht mehr erneuert worden, und auf Facebook publiziert er alle drei Monate einige Bilder. Nur Thomas Böhni ist online nicht präsent. Er verzichtet als einziger auf einen Webauftritt.


Leserkommentare

Anzeige: