Flöhe und Algen weisen den Weg

Bei der Untersuchung der Gewässerqualität benutzt das Amt für Umwelt Bachflohkrebse, Wasserflöhe und Kieselalgen als kostengünstige Hilfsmittel. Trotz der Problemfälle Güttinger Eschelisbach und Salmsacher Aach ist die Situation der Thurgauer Bäche und Flüsse besser geworden.
12. August 2016, 07:03
THOMAS WUNDERLIN

FRAUENFELD. Schon zweimal sind im Herbst die Fische im Münchwiler Weierbach verendet. Bei der Ursachensuche tappt die Gewässerbiologin Margie Koster im dunkeln. Der für die Fische unverträgliche Stoff muss aus einer von zwei unterirdischen Zuleitungen gekommen sein. Beide haben ein relativ grosses Einzugsgebiet. Das eine ist landwirtschaftlich geprägt, das andere ist ein Wohngebiet mit Neubauten. Koster setzt auf ein simples Low-Tech-Hilfsmittel, um beim nächsten Fischsterben die todbringende Zuleitung bestimmen zu können.

Sie hat zwei Behälter mit Bachflohkrebsen angebracht, durch die Wasser aus den beiden Zuläufe strömt. Das Gedeihen der ein bis zwei Zentimeter grossen Tierchen überwacht sie periodisch. Alle sechs Wochen ersetzt sie den Bestand. Sollte es wieder zu einem Fischsterben im Weierbach kommen, so werden es wohl die Krebschen im einen Behälter nicht überleben. Koster weiss dann, welchen Zulauf sie genauer untersuchen muss.

Undokumentierte Drainagen

Solche Fälle sind häufig. Laut Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung im Amt für Umwelt, besteht das Problem unter anderem in verästelten Drainageleitungen, mit denen noch in den 70er-Jahren Sumpfwiesen trockengelegt wurden, ohne den Leitungsverlauf zu dokumentieren. Da ist es schwer zu sagen, wo die Gülle oder das ungeklärte Abwasser hergekommen ist. «Wir gehen oft einen Grossvater fragen: Wissen Sie etwas?»

In den Medien wurden in letzter Zeit einige Fälle von Gewässerverschmutzung aufgegriffen. So wurde 2015 bekannt, dass Pflanzenschutzmittel das Leben im Eschelisbach in Güttingen zum Erliegen brachte. Die Ursache war laut der Gewässerbiologin Koster ein Unfall. In der Salmsacher Aach gab es ein Fischsterben, verursacht vermutlich durch Güllenwasser. Die Experten wiesen darauf hin, dass die Salmsacher Aach auch einen Pestizidcocktail enthält.

An einer Medienorientierung am Ufer der Murg in der Frauenfelder Aumühle wollten die Vertreter des Amts für Umwelt gestern für einmal Einblick in die Detailarbeit geben, die hinter den bekannten Fällen steckt. Im Dreijahresturnus wird jeweils ein Teil der Einzugsgebiete von Bodensee, Thur und Murg geprüft. Die Thurgauer Fliessgewässer sind insgesamt 1950 Kilometer lang.

An rund 120 Messstellen wird während eines Jahrs monatlich nach organischer Belastung, Sauerstoffgehalt, Chlorid, Natrium, Sulfat und Kalium gesucht. Das ergibt eine Messstelle pro 15 Kilometer Flussstrecke. «Nicht allzu viel», sagt Ehmann. Der Chemmenbach, die Lauche, die Murg und die Salmsacher Aach werden zusätzlich im Rahmen eines nationalen Beobachtungsprogramms monatlich untersucht.

Ergeben sich besondere Hinweise, folgt eine Detailuntersuchung, dies auch aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung. «Wir gehen lieber einmal zu viel», sagt Ehmann. So kam es vor, dass die Experten auf Baustellenabwasser tippten. Tatsächlich war der Bach getrübt, weil Kinder darin einen Staudamm gebaut hatten.

Auswahl an Kieselalgen

Die genaue Beobachtung des Bachs und seiner Lebewesen gibt weitere Hinweise. Aufschlussreich ist der jeweilige Kieselalgen-Besatz. Insgesamt gibt es rund 4000 Arten. Pro Standort ist in der Regel eine Auswahl von 30 Arten versammelt. Die teuren chemisch-physikalische Untersuchungen werden so wenig wie nötig eingeleitet.

Chemische Inhaltsstoffe kann die Abteilung Gewässerqualität im eigenen Labor analysieren. Extern vergeben werden aufwendigere Verfahren, etwa zur Bestimmung von Pflanzenschutzmitteln, Lösungsmitteln oder Schwermetallen.

Billiger sind die einfachen Tests mit Bachflohkrebsen. Verwendet werden auch Wasserflöhe. Koster nennt sie «Laborratten».


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