Ein Mann und sechs Riesen

Urs Plüss zügelt mit seinen Pferden nach Opfershofen. Seine Tiere sind Shire-Pferde – und damit die grössten ihrer Gattung. Er kann mit ihnen Bierwagen ziehen oder sechsspännig auch Hochzeitspaare kutschieren.
15. Dezember 2012, 01:34
DANIELA EBINGER

OPFERSHOFEN. Im Schopf stapeln sich schon einige Rundballen Heu. Fleissig wird gehämmert, gespitzt und gebohrt. Sonst sieht noch alles unbewohnt aus auf dem Landwirtschaftsbetrieb an der Kreuzlingerstrasse 8. Das ändert sich aber Ende Dezember. Dann zieht Urs Plüss mit seinem sechsspännigen Camelot-Shire-Fuhrwerk von Dättlikon nach Opfershofen. «Auf dem grosselterlichen Hof mitten im Dorf, auf dem ich aufgewachsen bin, wird es mit sechs Shire zu eng», sagt Plüss.

Der richtige Platz im Thurgau

Shire gehören zu den grössten Pferden der Welt. Sie bringen gut 800 bis 1000 Kilo auf die Waage. Neben dem Futter auf der Weide fressen die Shire-Horses rund 20 Kilogramm Heu und vier bis fünf Kilogramm Mischfutter pro Tag.

Schon lange Zeit schaute sich Urs Plüss in verschiedenen Kantonen nach einem geeigneten Grundstück um. «Es hat einfach nirgends gepasst, und hier im Thurgau haben wir genau das Richtige gefunden», sagt der 38-Jährige. Er schätzt das separate Wohnhaus für ihn und seine Lebenspartnerin. «Es hat genügend Platz für alles und auch noch genug, um meine Träume zu verwirklichen», sagt er und erzählt unter anderem von seinen Visionen mit der weissen Cinderella- sowie einer Cowboy-Kutsche. Damit will er sein Angebot im Thurgau und in der weiteren Umgebung mit verschiedenen Kutschenfahrten erweitern. Urs Plüss braucht seine Pferde nicht nur zum Einspannen. «Das temperamentvolle, grosse Wesen imponiert mir und zum Galoppieren sind sie einfach ein Traum.» Er beschreibt sie als Vollblut im Kaltblut. Obwohl die Tiere die Ruhe selbst seien, würden sie enormes Temperament zeigen.

Langersehnten Traum erfüllt

Plüss bietet nebst dem Angebot, Pferde einzufahren, auch geführte Ausritte an. Grosse schwere Pferde begeisterten Plüss schon als kleiner Junge. Mehr durch Zufall entdeckte er die Rasse Shire-Horses. Seine ersten Erfahrungen machte Urs Plüss mit den Riesen auf dem Eichhof in Luzern. Bei seinem zweimonatigen Aufenthalt in England lernte er bei der Arbeit mit den Shire-Horses die englische Umgangsform kennen.

Alte, aber rüstige Pferde

«Damit war meine volle Leidenschaft entfacht und ich kaufte mir vor 17 Jahren meine ersten beiden Shire-Pferde – natürlich in England», sagt der Mann. Seit diesem Jahr besitzt der Lastwagenchauffeur sechs dieser Riesen und erfüllte sich damit einen langersehnten Traum. «Ich wollte schon immer etwas Einzigartiges», sagt er. Mit seinen Kaltblütern fährt er regelmässig für die Brauerei Haldengut in Winterthur.

In der Schweiz hält Plüss als Privatunternehmer eines der letzten Brauereifuhrwerke. Die beiden 22jährigen Pferde Harry und Flair bezeichnet er als Rarität in der Shire-Szene. «Es gibt kaum Shire-Pferde in der Schweiz, die in so hohem Alter noch einsatzfähig sind.»

Das sagt Urs Plüss nicht ohne Stolz und streichelt dabei der vor den Brauereiwagen eingespannten Flair über die lange, schwarze Mähne.


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