Durchhalten wie im Rock 'n' Roll

MÜNCHWILEN. Er war Bassist bei der berühmten Band Krokus. Jetzt dreht Many Maurer zusammen mit Bluessänger und Firmenchef Achim Brugger wieder Musikvideos. Eine harte Arbeit: Von halb sieben Uhr morgens bis spät in die Nacht ist Konzentration gefordert.
10. Oktober 2011, 06:58
ALEXANDRA LOOSER

«Alles nochmals von vorn, wir hatten einen Signalfehler.» Esther Cahn hebt die Kamera von der Schulter, wartet, bis die Wasserdampfmaschine wieder künstlichen Nebel versprüht. Der Zeitplan des ersten Drehtages ist bereits völlig in Verzug – am Morgen fiel die Sicherung aus. Jetzt heisst es ranhalten: Seit halb sieben Uhr morgens ist die Crew aus fünfzehn Leuten bereits auf den Beinen. Die sechs Videos müssen dieses Wochenende abgedreht werden. Zeit ist Geld, vor allem im Musikbusiness.

Halle wird zur Livebühne

«O. k., Kamera läuft.» Ohne Vorankündigung dröhnen aus den Boxen harte Gitarrenriffs, Ventilatoren surren, Nebelschwaden über der Kulisse aus schwarzem Vorhang und rot-blau tanzenden Scheinwerferlichtern. Das aufgebaute Set inmitten von Textilrollen der Swisstulle-Produktionshalle verwandelt sich zur Live-bühne und mit ihr vier Musiker zu Vollblut-Rockern. DJ, Bassist, Drummer und im Zentrum Many Maurer. Zwischen zwei dampfenden Mülltonnen schwingt der ehemalige Krokus-Bassist die schwarzen Haare in die Luft. Hervorgetretene Venen im Gesicht und flinke Finger an den Saiten zeugen von höchster Konzentration. Es werden gerade die Close-ups für Maurers Promo-Video gedreht. Nach rund fünf Takes sind sie im Kasten. «O. k., alles drauf, wir können umbauen.»

Sobald die Kamera aus ist, zupft sich Maurer die langen Haare aus der Halskette, legt die Gitarre hin und schreitet in derben Rockerschuhen über den Salat aus Kabeln. «Ist super gewesen, oder?» Maurer hat jetzt erst mal Pause. Er greift sich am Catering-Tisch etwas zu essen und sucht das Weite in den Hallen der Swiss-tulle. Auch Achim Brugger, der Bluessänger, der rockige Töne anschlägt, überbrückt hier die Wartezeit. Sein Musikvideodreh ist als Nächstes im Zeitplan eingetragen. Kennen gelernt haben sich die beiden vor gut zwanzig Jahren. «Seit damals haben wir uns nie aus den Augen verloren und auch an kleineren Projekten zusammengearbeitet», sagt Maurer. Als Achim Brugger 2008 sein erstes Album «Soulteaser» auf den Markt brachte, kam es zur definitiven Zusammenarbeit.

Frecher Hund

«Ich habe mir das Album angehört und dachte: <Du frecher Hund, was für originelle Riffs, was für eine freche Attitüde, die cool ist>», sagt der 47-Jährige, der sich seit dem Aus der Krokus vor allem mit dem Studiowesen und der Technik befasst hat. So arbeitet Maurer neben musikalischen Einsätzen hauptsächlich als Produzent an Bruggers nächstem Album «The Real Thing» mit. «Es ist mir wichtig, mit Profis zusam-menzuarbeiten», sagt Brugger, «ich will nicht mehr in den Haufen der Hobbybands geworfen werden, vor allem jetzt nicht, da ich endlich die Musik spielen kann, die mich von klein auf begeistert.» Daher sei das Musikvideo sehr wichtig, um sich bei Festivals und Clubs als Band zu bewerben.

Exponiert und inszeniert

Zurück am Set: Die Halle wurde mittlerweile gelüftet, der DJ-Pult wich drei Mikrophonen für die Backgroundsängerinnen und auch die Mülltonnen haben ihren Standort in den Hintergrund gewechselt. Glänzende Gesichtspartien werden noch einmal ab-gepudert, widerspenstiges Haar gebändigt. «Das Gefühl vor der Kamera ist schon sehr ungewöhnlich», sagt der Bluessänger. «Es ist alles künstlich, das Playbacksingen, die Kameras.» Sobald diese laufen, verhält sich der Geschäftsführer der Swisstulle AG aber wie ein Profi. Brugger ist kaum anzumerken, dass es sich um seinen ersten Videodreh handelt. «Sobald ich etwas mache, dann mit Vollgas», sagt der 47jährige Lommiser. Auch wenn er das gleiche Lied zwanzigmal singen müsse: «Bei jedem neuen Take bringe ich den gleichen Einsatz, auch wenn es bis spät in die Nacht dauert.»

Achim Brugger wird am 4. März 2012 sein neues Album «The Real Thing» im Eisenwerk Frauenfeld vorstellen. Die CD-Release-Party beginnt um 19 Uhr.

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