Der Thurgau, sein Apfel und Apple

FRAUENFELD. Apple klagt gegen jeden, der ein Apfelsymbol im Logo benutzt, auch wenn die Ähnlichkeit zum Apple-Signet gering ist. Der amerikanische Konzern ist auch schon auf den Apfel im Logo der Thurgauer Imagekampagne aufmerksam geworden.
17. November 2011, 10:23
MARINA WINDER

Der Rechtsdienst von Apple kommt nicht zur Ruhe. Er führt Prozesse gegen Städte, Unternehmen, aber auch Einzelhändler, die ein Logo benutzen, das seiner Meinung nach dem Apple-Logo gleicht. Was einem Apfel ähnelt, wird rechtlich bekämpft. Apples Rechtsdienst wartet nicht, bis ein Streit ausgefochten ist, er führt mehrere Prozesse gleichzeitig.

Kürzlich listete ein Online-Magazin die Logos all jener auf, die von Apple schon vor Gericht gezerrt wurden. Dabei fällt auf, dass auch das Apfel-Logo der Marke «Thurgau» Gefahr läuft, von Apple verklagt zu werden.

Rot und unversehrt

Zwar unterscheidet sich das Thurgauer Logo wesentlich vom Apple-Logo. Dieses ist silbrig und angebissen. Der Thurgauer Apfel hingegen ist rot und unversehrt. Diese Unterschiede würden Apple wohl aber nicht davon abhalten, gegen das Thurgauer Logo vorzugehen. Denn seine bisherigen «Opfer» nutzen Logos, die dem Apple-Logo weit weniger ähneln als es das Thurgauer Logo tut.

Auch die Tatsache, dass der Kanton Thurgau für Apple keine Konkurrenz darstellt, liesse der Computerhersteller vermutlich nicht gelten. Denn Apple ist nicht wählerisch, wenn es um die Branche geht: Der amerikanische Konzern handelt unberechenbar und greift nicht nur Konkurrenten an, sondern scheinbar alles, was einem Apfel nahe kommt.

So staunte ein chinesischer Lebensmittelhändler nicht schlecht, als er erst kürzlich wegen seines roten, abstrakten Logos, das er in den 80er-Jahren entworfen hatte, vor Gericht erscheinen musste.

Bekannt ist der langjährige Streit zwischen Apple und The Beatles. Dort war es aber der Apple-Konzern, der hauptsächlich zahlen musste. Lange Zeit waren deshalb Beatles-Songs im iTunes Store nicht erhältlich. Und vielleicht rührt daher auch die Angriffslust des amerikanischen Computer-Herstellers gegen alles, was ansatzweise einem Apfel ähnelt. Sogar das Logo der New Yorker Umweltschutz-Kampagne GreeNYC war Apple ein Dorn im Auge, ebenso das grüne «W» von Woolworths.

Mit Apple in Kontakt

Apple ist im Thurgau tatsächlich ein Thema. Edgar Sidamgrotzki, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit und Leiter der Thurgauer Imagekampagne, äussert sich aber zurückhaltend dazu. Apple habe sich gemeldet, als der Kanton Thurgau sein Apfellogo schützen liess. Details dazu will Sidamgrotzki aber nicht preisgeben. Nur so viel: «Ich glaube nicht, dass sie uns etwas anhaben können, da wir ein Kanton sind. Wir vertreiben keine Konsumgüter, sondern machen Standortmarketing.»

«Ich habe keine Angst»

Das dürfte sich New York bei seiner Umweltschutzkampagne auch gedacht haben. Das Vorgehen des Apple-Rechtsdienst zeigt, dass dieser keinen Unterschied danach macht, wer oder was sich hinter dem Apfellogo verbirgt. Sidamgrotzki lässt sich nicht beirren: «Unser seit langem geschütztes Logo hat nichts mit Apple zu tun. Der Apfel gehört zum Thurgau», sagt Sidamgrotzki. «Ich habe keine Angst vor Apple.»

Apple war zu keiner Stellungnahme bereit.


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