Das letzte Licht brennt noch

SALENSTEIN ⋅ Ende Januar soll Rolf Erb mit seiner Familie Schloss Eugensberg räumen. Zwei Beschwerden gegen den Auszugstermin hat das Obergericht bereits abgewiesen. Nun zieht die Lebenspartnerin des Pleitiers vor Bundesgericht.
06. Januar 2017, 06:48
Ida Sandl

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Sie wollen einfach nicht raus: Daniela Sheridan, Partnerin von Rolf Erb und Mutter seiner Zwillingssöhne, wehrt sich vor Bundesgericht gegen den Auszug aus Schloss Eugensberg. Ende Januar soll die Erb-Familie den feudalen Wohnsitz hoch über Salenstein räumen. So hat es das Thurgauer Konkursamt bereits im Oktober entschieden. Dagegen zogen Erb und Sheridan getrennt vors Thurgauer Obergericht. Beide Beschwerden wurden abgewiesen. Aber damit ist – wie so oft im Fall Erb – noch nicht Schluss. Bisher (Stand gestern) ist aber nur Sheridan ans Bundesgericht gelangt.

Die Lausanner Richter müssen zuerst entscheiden, ob die Beschwerde aufschiebende Wirkung hat. Das sagt der Frauen­felder Rechtsanwalt Matthias Hotz, der die Gläubiger vertritt. Erst dann werde die eigentliche Beschwerde behandelt. Hotz rechnet aber damit, dass die Bundesrichter die Beschwerde ebenfalls abweisen.

Schloss wird international ausgeschrieben

Dann muss Familie Erb ihre 45 Zimmer endgültig verlassen. Zwölf Jahre nachdem der Konkurs über Rolf Erb eröffnet wurde. Es ist das längste Konkursverfahren in der Geschichte des Thurgaus. Das liegt vor allem daran, dass Rolf Erb kurz vor dem Zusammenbruch des Familienimperiums das Schloss und andere Vermögenswerte den Zwillingssöhnen und seiner Partnerin überschrieben hat.

Aus Eugensberg ausziehen muss Erb in jedem Fall, so viel steht fest. Jetzt geht es nur noch um den Termin. «Er schöpft seine Rechtsmittel aus», sagt Martin Wenk, der Chef des Thurgauer Konkursamtes.

Die Vorbereitungen für den Verkauf laufen bereits. Ein international tätiger Makler, der das Schloss veräussern soll, sei bereits gefunden. Man stehe kurz vor dem Abschluss des Vertrages. «Wir wollen das Schloss im Sinne der Gläubiger möglichst gut verkaufen», erklärt Wenk. Interessenten gebe es schon. Etwa ein Dutzend potenzielle Käufer würden sich regelmässig nach dem Stand der Dinge erkundigen, sagt Hotz.

Zu Schloss Eugensberg gehört unter anderem ein Gästehaus, das vermietet ist, und ein Grundstück mit Badehaus am Untersee. Diese Liegenschaften werden vorerst nicht einzeln verkauft. Man wolle abwarten, ob der Käufer des Schlosses sich auch dafür interessiere. Das gilt ebenso für das Inventar , zu dem teure Antiquitäten und Bilder gehören.

Die zwölf Oldtimer-Autos von Rolf Erb sollen dagegen separat veräussert werden. Geplant sei eine Auktion. Wenk geht davon aus, dass sie noch in diesem Jahr stattfinden wird. Das wertvollste Auto in der Sammlung sei ein Mercedes 300 SL, Baujahr 1958. Zu den Summen, die Erbs Konkursmasse einbringen wird, möchten sich weder Wenk noch Hotz äussern. Schloss Eugensberg sei ein Liebhaberobjekt. «Der Markt bestimmt den Preis», sagt Wenk.

Strafantritt bis jetzt hinausgeschoben

«Ich möchte in meinem Schloss sterben», soll Rolf Erb (mittlerweile 65) gesagt haben, als ihn das Bezirksgericht Winterthur 2012 wegen gewerbsmässigen Betrugs zu acht Jahren Gefängnis verurteilte. So zumindest zitiert ihn der «Beobachter». Erb hat das Urteil nicht akzeptiert und sämtliche Rechtsmittel ausgeschöpft. Vor rund einem Jahr wies das Bundesgericht die letzte Beschwerde ab. Aus den acht sind sieben Jahre geworden.

Den Strafantritt hat Erb mit Hilfe seiner Anwälte und mit Arztzeugnissen bisher erfolgreich hinausgezögert. Rechtsanwalt Matthias Hotz geht aber davon aus, dass selbst allfällige Krankheitsbefunde den Verurteilten nicht mehr lange vor dem Gefängnis bewahren können. «Ein Strafvollzug ist immer durchführbar.»


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