Das Wasser ist verschwunden

BODENSEE ⋅ Manch ein Spaziergänger mag sich über den tiefen Wasserpegel wundern. Spätestens im März und April sollte sich der See wieder füllen – sonst machen sich Fischer und Kapitäne Sorgen.

31. Dezember 2016, 16:42
Viola Stäheli

Viola Stäheli

viola.staeheli

@thurgauerzeitung.ch

«Laut den Prognosen wird der Pegel des Bodensees in den nächsten Tagen weitere zehn Zentimeter sinken», sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie des Thurgauer Departements für Bau und Umwelt. Trotzdem ist der aktuelle Wasserstand nicht bedenklich. Er befindet sich auf einem durchschnittlichen Mass. Die aktuellen Schwankungen sind laut Baumann erwartungsgemäss. Der Grund für das wenige Wasser ist vor allem eines: Der ausbleibende Niederschlag. Spätestens im Zeitraum von März bis April sollte sich der See aber wieder mit Wasser füllen. «Im Winter ist ein tiefer Wasserpegel ein geringeres Problem, da das gesamte Leben im See runterfährt», erklärt Baumann. So betont er vor allem eine gute Seite des aktuellen Wasserstandes: Der Bodensee ist derzeit ein richtiges Paradies für Spaziergänger. Auch wenn es vorkommt, dass der eine oder andere Schuh mit Schlick gefüllt wird.

Auch der Berufsfischer Reto Leuch hatte bisher keine Probleme mit dem niedrigen Wasserpegel des Bodensees. «Die aktuelle Schwankung ist ganz normal», sagt er. Das saisonale Steigen und Sinken des Wasserpegels ist für den See von grosser Wichtigkeit. Die Flora leidet, wenn der See konstant hoch bleibt. Ein Beispiel dafür ist das Schilf – dieses braucht zeitweise einen trockenen Untergrund. Problematisch könnte ein tiefer Wasserpegel erst im Frühling werden. «Dann kann es vorkommen, dass die Hechte nicht zum Schilf gelangen und deshalb nicht laichen», erklärt Leuch.

Eine ähnliche Ansicht vertritt Christoph Maurer, Präsident des Fischereiverbands des Kantons Thurgau. «Als Hobbyfischer spüren wir gar nichts von dem tiefen Wasserstand des Bodensees», sagt er. Seit Ende November gilt die Schonfrist, erst Anfang Januar dürfen wieder Fische gefangen werden. Aber auch Maurer behält den Wasserpegel im Auge: Im Frühling steigen die Seeforellen zu Fliessgewässern auf. Falls der Pegel zu tief ist, wäre das nicht möglich. Vorerst macht sich der Fischer aber keine Sorgen.

Dem Silvester-Schiff steht nichts im Weg

Erich Hefti ist seit 35 Jahren Kapitän bei der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS). Auch für ihn ist der aktuelle Pegelstand des Bodensees unbedenklich. «Im Moment geht der Pegel ein bis zwei Zentimeter pro Tag runter, es ist aber alles im grünen Bereich», sagt Hefti. Für den ohnehin eingeschränkten Schiffsverkehr stellt der tiefe Wasserstand keine Hürde dar. «Keine Sorge, auch dem Silvester-Schiff steht nichts im Weg», sagt der Kapitän lachend.

Sollte aber bis im Frühling kaum Niederschlag fallen, könnte der tiefe Pegel zum Problem werden. Falls dies eintrifft, wären nicht mehr alle Landestellen erreichbar. Hefti macht sich darüber aber keine Sorgen. «Vor etwa 12 Jahren traf ein solcher Fall allerdings ein», erzählt er. Die Schiffe mussten weiter in den See hinausgebracht werden, da das Wasser im Hafen zu niedrig war. Damals war der Pegel aber schon zur jetzigen Zeit tiefer.


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