Bergung der «Jura» in weiter Ferne

Die ehrgeizigen Pläne der Stiftung historische Schifffahrt Bodensee zur Hebung des Raddampfers Jura sind vorerst zum Stillstand gekommen. Ein Modell des eleganten Schiffes hat Frank Rheiner fertig gebaut. Es soll zunächst ins Seemuseum, nach Kreuzlingen.

29. April 2009, 01:01
Stefan Borkert

Kreuzlingen. Für Taucher ist es ein magischer Anziehungspunkt: Das Dampfschiff Jura, das zwischen Bottighofen und Münsterlingen seit 145 Jahren auf Grund liegt. Der Untergang damals dauerte nur wenige Minuten. So waren es denn auch Taucher, die vor vier Jahren unter anderem in Internet-Chats protestierten, als Pläne laut wurden, dass die Jura geborgen werden und wieder den Bodensee befahren sollte.

Die Stiftung historische Schifffahrt Bodensee hat mit Elan die Geldbeschaffung für ein solches Projekt gestartet. Neben vielen Aktivitäten wurde der Friedrichshafener Modellbauer Frank Rheiner beauftragt zwei Modelle der Jura zu fertigen. Diese Modelle wollte man präsentieren und damit für das Projekt werben. Ein Modell sollte gar schwimmfähig sein.

Stiftung in schwerer See

Doch dann geriet die Stiftung in schwere See. Die frische Startbrise geriet zum Unwetter, als die öffentliche Hand, der Kanton und die Stadt Kreuzlingen die finanzielle Unterstützung verweigerten. Die Stadtwerke Konstanz sind zwar nach wie vor interessiert, aber bis dort das Portemonnaie geöffnet wird, dauert es eben auch. Zweimal wechselte der Geschäftsführer der Stiftung. Von einer Mitarbeiterin, die Archivmaterial auswerten sollte, trennte man sich. Jetzt haben der Präsident, Otto Egloff, und seine Frau auch die Geschäftsführung übernommen.

Von Flaute will Otto Egloff aber nicht sprechen. Im Gegenteil. Eine Bergung im eigentlichen Sinn, an deren Ende die Reparatur und Wiederinbetriebnahme des Schiffes stehe, sei sowieso unmöglich. Dem stimmt auch Frank Rheiner zu. Der Spezialist für alle Maschinen, die mit Dampf betrieben werden, sagt aber, dass die Maschine der «Jura» vermutlich durchaus funktionstüchtig restauriert werden könnte.

Er ist besorgt, dass Taucher zu viele Souvenirs davon mit nehmen könnten. Dem ist ein Ende gesetzt worden. Otto Egloff betont, es sei ein Erfolg, dass Taucher von der «Jura» nichts mehr mitnehmen dürfen. Derzeit werde die Geschichte der «Jura» aufgearbeitet.

Absicht oder Unfall ?

Dabei seien schon interessante Ergebnisse auch über den Zusammenstoss ans Tageslicht gekommen. So würden sich die Aussagen von Passagieren und den Kapitänen teils widersprechen. War der Zusammenstoss vielleicht gewollt? Man werde der Sache nachgehen.

Hilfestellung leistet der Chef der Konstanzer Museen, Tobias Engelsing, ein ausgewiesener Spezialist für Bodenseegeschichte. Von solchen Spekulationen unbeschadet baut Frank Rheiner an seinen «Jura»-Modellen weiter. Eines davon werde er wohl noch im Mai ins Seemuseum nach Kreuzlingen bringen, sagt er. Für das schwimmfähige Modell brauche er noch etwas Zeit. Mehr als 2000 Stunden hat er bereits in die «Jura»-Modelle investiert.


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