Baumeister informieren sich über Deponielandschaft

Anlässlich eines Informationsanlasses erhielten die Mitglieder des Thurgauischen Baumeister-Verbandes zusammen mit Gästen aus Politik und Gewerbe Einblick in die Geschichte der Deponie Berg und die Deponielandschaft Thurgau.
28. Oktober 2016, 02:40
Werner Lenzin

«Als politisch schweizweit unauffälliger und kaum wahrgenommener Kanton arbeiten wir zurzeit mit dem neuen Richtplan an unserer Zukunft», begrüsste Mathias Tschanen, Präsident Baumeister-Verband, Regierungsrätin Carmen Haag, seine Berufskollegen sowie weitere Gäste aus Politik und Gewerbe. Dieter Nägeli, Abteilungsleiter beim Verband KVA Thurgau, blickte zurück auf die 50jährige Geschichte der Deponie Berg. «Ausgangslage war damals ein Bachtobel, das aufgefüllt und letztlich landwirtschaftlich genutzt werden konnte», sagte Nägeli. Er zeigte auf, dass zu Beginn pro Kubikmeter Ablagerungsmaterial 2.50 Franken bezahlt werden musste und jährlich 17 300 Kubikmeter Material anfielen. Wenige Jahre später folgte im Zusammenhang mit der Auffüllung des Mühletobels der Einbau eines Betonrohrs für den Bachdurchfluss und Anfang der Siebzigerjahre erfolgte die Vergrösserung des Einzugsgebiets in Richtung Osten. Die Entsorgungsgebühr betrug bereits 5.70 Franken, dies bei einer jährlichen Entsorgung von 355 500 Kubikmetern. Gemäss Nägeli muss heute mit dem Faktor drei gerechnet werden. Als weitere Schritte nannte er die Sicherstellung eines Kanalisationanschlusses und die Gründung eines Zweckverbandes von sieben beteiligten Gemeinden.

Restvolumen von 50 000 Kubikmetern

Weil die Deponie Kehlhof die rechtlichen Anforderungen nicht mehr erfüllte, erfolgte die vorübergehende Betriebsschliessung zwischen 1989 und 1994 und die sieben Gemeinden erarbeiteten ein Sanierungsprojekt für 17,5 Millionen Franken. «Das grösste Betriebshindernis war damals der Verteilschlüssel für die beteiligten Gemeinden», erinnerte Nägeli. Mit der Wiederaufnahme des Betriebes wurde als Resultat des Projektes auch ein einheitlicher Anlieferpreis von 91 Franken pro Kubikmeter festgelegt. Zwei Jahre später erfolgte die Zusammenführung des regionalen Deponieverbands mit der KVA Thurgau. Nach den Sanierungsarbeiten im Jahr 2004 verlangte das Amt für Umwelt, dass nur noch kantonale Abfälle angenommen werden durften. Heute verfügt die Deponie Kehlhof noch über ein Restvolumen von 50 000 Kubikmetern und die restliche Betriebsdauer beträgt rund sieben Jahre.

Aerobisierung der Deponie

Kulturingenieur Werner Meier zeigte auf, dass nach den Jahren 1970 bis 1973 Hauskehricht, anschliessend während fünfzehn Jahren Industrie- und Gewerbeabfall entsorgt wurden. Seit 1995 handelt es sich um eine Reaktordeponie mit einer Bachverbauung. «In der Deponie ist wenig Sauerstoff vorhanden und die Prozesse laufen langsam ab», sagte Meier. Im Rahmen der vorgenommenen Aerobisierung wurden insgesamt sieben Bohrlöcher für das Einbringen von Vollrohren angebracht, welche das Absaugen gewährleisten. «Diese verkürzen die Nachsorge, tragen zum Klimaschutz bei und verringern das Explosionsrisiko», betonte Meier. Wie es weitergeht mit der Abfallentsorgung im Thurgau, zeigte Martin Eugster vom Amt für Umwelt (Abfall und Boden) auf. «Die Restvolumen beschäftigten uns und ein Ersatzstandort wird in wenigen Jahren notwendig.»


Leserkommentare

Anzeige: