Apfel bringt Farbe auf den Tisch

BISCHOFSZELL. Die Apfelsorte Redlove kommt in die Läden. Mit seinem speziellen Aroma und dem roten Fruchtfleisch setzt er neue Impulse in der Küche. Im Thurgau wächst er auf 24 000 Bäumen. Den Vertrieb besorgt die Tobi Seeobst.
03. November 2015, 07:39
HANA MAUDER

Der Redlove ist ein Apfel wie aus dem Bilderbuch: rote Backen, gefällige Form. Als Clou gilt sein rotes Fruchtfleisch. Schneidet man den Apfel in der Hälfte auf, bildet das Kerngehäuse ein Herz. Bei der Suche nach der Trendsorte stand man beim Grossverteiler allerdings bisher vor leeren Regalen. Mit gutem Grund. «Der Redlove verfügt über eine gewisse Säure. Er braucht eine Lagerzeit von mehreren Wochen bei vier Grad, um sein richtiges Aroma zu entfalten», erklärt Benno Neff. Als Geschäftsführer der Tobi Seeobst in Bischofszell wacht er über den Apfel-Neuling. Die Vorbereitungen für den Vertriebsstart laufen auf Hochtouren.

Auf Transportbändern ruckelt er im Wasserbad zur optischen Sortiermaschine. Jeder einzelne Apfel wird 144mal fotografiert, gewogen, auf seine inneren Werte geprüft und verpackt. Erst dann erfolgt die Auslieferung an die Grossverteiler wie Coop, Migros oder Gastronomie-Abholmärkte. «Die Einführung einer neuen Obstsorte birgt immer ein gewisses Risiko. Für uns und für die Obstbauern», sagt der Tobi-Seeobst-Geschäftsführer. «Aber Innovation ist für jedes Unternehmen unerlässlich. Wir haben in den letzten zehn Jahren mehrere neue Sorten lanciert. Nur einzelne positionieren sich dauerhaft am Markt.» Alles eine Frage der Geduld: 20 Jahre brauchte der Züchter Markus Kobelt aus Buchs im St. Galler Rheintal, um den Redlove zu entwickeln. Er vertritt die Ansicht: «Obstbauern und -Züchter haben eines gemeinsam: einen langen Atem, der in Jahrzehnten statt in Wochen und Monaten rechnet.»

Rot blühende Bäume

Als erste Erfolge sich abzeichneten, holte er die Tobi Seeobst AG als Lizenznehmerin ins Boot. Seither gedeihen die rot blühenden Redlove-Bäume vermehrt auf Thurgauer Obstflächen. Das neue Tafelobst gilt als Nischenprodukt. Nur acht der insgesamt 1759 Hektaren Obstbaufläche des Kantons sind für den Redlove-Anbau reserviert. Die rund 24 000 Bäume sind jetzt zwischen drei und vier Jahre alt und bringen einen Ertrag von 100 000 Tonnen.

Weltweit existieren mehr als 30 000 Apfelsorten. Nach wie vor gilt der Schweizer als Traditionalist: Der Gala rangiert auf der Beliebtheitsskala auf Rang eins, gefolgt vom Golden Delicious und dem Breaburn. Unbestritten ist der Apfel des Schweizers Frucht-Favorit: 16,5 Kilo verzehren Herr und Frau Schweizer pro Kopf und Jahr. Damit sind wir die Weltmeister des Apfelkonsums. Ein Neuling hat da keinen leichten Stand. Aber: «Die Chancen stehen gut», ist Benno Neff überzeugt. «Der Redlove bringt Farbe auf den Tisch.»

Impuls für die Küche

Im Ausland gilt die rote Schönheit bereits als Renner. Die Chinesen bauen ihn sogar illegal an. Ob der rote Apfel mit Herz auch den Schweizer Markt erobern kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Interessant sei er insbesondere in der Küche: Ob als Apfelmus, Wähe oder Apfeljalousie: Die rote Farbe bleibt erhalten. Über seinen Geschmack als Rohkost scheiden sich die Geister. «Es gibt nur zwei Lager», sagt Benno Neff. Entweder man liebt seine säuerliche Note oder kann rein gar nichts mit ihr anfangen. Bis Ende Dezember kann der Konsument sich selbst ein Bild machen. Danach ist für dieses Jahr Schluss. Der Redlove eignet sich nicht für eine längere Lagerung.


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