Anschuldigungen an der Schule Erlen: Es war der Abwart

Die Schule Erlen: Der Beschuldigte war hier als Abwart tätig. (Donato Caspari)
ERLEN. Die anonymen Anschuldigungen der Pädophilie an der Schule Erlen sind von einem eigenen Hausabwart gekommen. Dem Täter droht nun eine Geldstrafe.
21. Januar 2016, 09:49
Inge Staub
«Wir sind erleichtert», sagt Schulpräsident Heinz Leuenberger. Die Ungewissheit, die Schulbehörde und Schulleitung seit fünf Monaten belastete, ist vorbei. Polizei und Staatsanwaltschaft ist es gelungen, die Person zu ermitteln, welche seit Mitte August anonyme E-Mails mit Anschuldigungen gegen einen der Schulhausabwarte sowie gegen den Schulpräsidenten versandt hatte. Die Staatsanwaltschaft teilte gestern mit: «Es handelt sich um eine Person aus dem engen Umfeld der Schule.»

Kein Lehrer, kein Schüler: Der Täter ist einer der beiden Schulhausabwarte, gegen die bereits im Herbst ermittelt worden ist. Das heisst: Ein Abwart hat anonym einen Kollegen beschuldigt, pädophil zu sein.

Das Motiv ist noch unklar
Der Täter gibt zu, die E-Mails verschickt zu haben und auch diverse Personen mit anonymen Anrufen belästigt zu haben. Nachdem die Ermittlungen intensiviert und der Druck erhöht worden war, hatte sich der Abwart bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Der Mann wurde nicht verhaftet. Da er geständig ist, wird er ohne Zwang weiter befragt.

Was bewegte den Abwart dazu, haltlose Anschuldigungen zu verbreiten? Fühlte er sich von der Schulbehörde und seinen Kollegen ungerecht behandelt? War er neidisch? Oder wollte er sich rächen? «Das Motiv ist noch unklar. Die Gründe konnten noch nicht abschliessend beurteilt werden», sagt Stefan Haffter, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau. «Das Motiv ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.»

Während der Sommerferien hatte die Schule anonyme E-Mails erhalten, in denen schwere Vorwürfe erhoben wurden. Daraufhin stellte die Schulbehörde zwei der vier Schulhausabwarte frei. Einer der Abwarte stand aufgrund der Anschuldigungen der E-Mails im Verdacht, sexuelle Handlungen mit Kindern getätigt, der andere soll einen Film mit pornographischem Inhalt versandt haben. Die Schulbehörde reichte Strafanzeige gegen die beiden Angestellten ein.

Die Ermittler fanden keine Beweise, die die Vorwürfe belegt hätten. Im November erliess die Staatsanwaltschaft eine Nichtanhandnahmeverfügung. Es wurde keine Strafuntersuchung eingeleitet. «Die Anschuldigungen haben sich nicht bewahrheitet», sagte Mediensprecher Stefan Haffter damals. Die Hausabwarte nahmen Mitte November ihre Arbeit wieder auf. Allerdings ist einer der beiden nicht mehr in der Abwartsliste der Schule aufgeführt.

Schulbehörde ist betroffen
Da in den E-Mails einer der beiden Abwarte beschuldigt wurde, sich kriminell zu verhalten, liegt der Schluss nahe, dass derjenige, der diese Botschaften verschickt hat, der andere Abwart sein muss, jener, der mit einem Pornofilm in Verbindung gebracht worden war. Die Schule gibt aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Auskunft zum Täter. Sie teilt auch nicht mit, ob dieser freigestellt oder entlassen worden ist. Schulpräsident Heinz Leuenberger sagt: «Wir sind sehr betroffen, dass es eine Person aus dem Umfeld der Schule war.»

Täter droht sicher Geldstrafe
Im Laufe des Verfahrens wird der Staatsanwalt entscheiden, ob der Mann einen Strafbefehl erhält oder vor Gericht angeklagt wird. Dem Täter könnten verschiedene Handlungen zur Last gelegt werden: Beschimpfung, falsche Anschuldigungen oder Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Der Abwart muss damit rechnen, zu einer Geldstrafe verurteilt zu werden. Falsche Anschuldigung kann auch mit einer Freiheitsstrafe bestraft werden.

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