Zu viel Salz in der Sauce

AADORF ⋅ Die Neueröffnung des Restaurants Glenseven by Bettina ging gründlich daneben. Erst beschwerten sich die Gäste über das Essen, dann lief auch noch der Koch davon. Die Geschäftsführerin gibt aber nicht auf.
07. Oktober 2017, 09:24
Kurt Lichtensteiger

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Am Tag danach steht Bettina Arpagaus aufgelöst und fassungslos im einladenden Restaurant an der Aadorfer Wittenwilerstrasse. Der am Vortag erlebte Frust scheint ihr immer noch ins Gesicht geschrieben. Dabei hatte sich die Bündnerin auf den Eröffnungstag mächtig gefreut. Dies nach zwei Monaten harter Arbeit und Vorbereitungszeit, musste sie doch im Vorfeld mit der lamentablen Hinterlassenschaft ihres Vorgängers fertig werden.

Eigentlich auf den Ansturm vorbereitet

Auf den 1. Oktober schien indessen für einen Neustart alles bereit zu sein: Die Räumlichkeiten präsentierten sich in neuem Glanz, die Tische waren einladend gedeckt, das «Mise en place» beispielhaft und das Personal schien für einen Ansturm gerüstet.

Am Sonntag gegen die Mittagszeit dann waren die Sitzplätze an der Bar und im Restaurant rund zur Hälfte besetzt. Die Gäste bedienten sich an den köstlichen Tapas und genehmigten sich einen Prosecco als Welcome-Drink. Die meisten entschieden sich für eine Weissweinmousse-Suppe oder Capuns als Vorspeise, Fleischkäse oder Rehragout mit einem Kartoffelgratin zum Hauptgang und einem Dessert. Beide Menus zu je 24.50 Franken. Nach einer zu langen Wartezeit wurde aufgetischt. Schon beim ersten Bissen machte sich Entsetzen breit. Fleisch und Sauce waren komplett versalzen und der Gratin auch nicht nach dem Gusto eines Feinschmeckers. Dar­über konnte selbst der Galgenhumor, nämlich etwaige Verliebtheit des Kochs, nicht hinwegtrösten. Weitere Beschwerden der Gäste folgten. Dass sie nicht bezahlen mussten, war für die Besucher nur ein schwacher Trost. Vor einem Scherbenhaufen stand die Gastgeberin, die den dramatischen Ausgang nicht verstehen konnte.

Immenser Schaden

Am Montagmorgen spricht die Pächterin von einem riesigen Schaden, materiell und imagemässig. Nicht nur habe sie danach den ganzen Tag alles gratis abgegeben, sondern auch die Gäste nicht mehr verpflegen können. Der Koch, immerhin mit achtjähriger Erfahrung, verschwand im Laufe des Sonntagnachmittags wortlos, ein Chaos in Küche und Vorratsraum hinterlassend. Mit ihm sei auch die Servicefachangestellte gegangen, die in den wenigen Stunden ihrer Tätigkeit überfordert schien. Nur dank einer Aushilfe habe das Nötigste noch erledigt werden können.

In der Gastronomie gross geworden

Bettina Arpagaus kann sich keinen Reim auf das Ganze machen. «Vermutungen und Spekulationen drehen sich in meinem Kopf. War es böswillige Absicht, mir oder dem Verwalter Schaden zuzufügen? Ist Neid eine Erklärung? Ich bin vollständig ratlos», klagt sie, die in der Gastronomie gross geworden ist. «Für alles, was vorgefallen ist, möchte ich mich bei den Gästen entschuldigen. Ich habe schliesslich die Verantwortung.»

Die verunglückte Hauptprobe solle aber nicht dazu führen, dass die Gäste voreilig den Stab über das «Glenseven» brechen. so hofft sie. Entscheidend sei die nächste Zeit. Die Bündnerin gibt sich kämpferisch und versichert: «Ich werde nicht aufgeben und den Betrieb des Restaurants weiterführen, allenfalls mit einer späteren Umbenennung des Namens.»


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