Tagblatt Online, 16. Juni 2012 01:05:00
SVP liefert Diskussionsstoff
Stephan Pfefferli, CVP Aadorf. (Bild: pd)
AADORF. Die SVP Aadorf fordert in ihrem Strategiepapier bis 2016 die Videoüberwachung des Bahnhofs und die Schliessung der öffentlichen Bäder. Für diese Absichten erhält die Partei überraschend viel Zuspruch der anderen Ortsparteien.
ERIKA PàL
Auf den Vorwurf hin, die SVP Aadorf hätte ihre Absichten nicht transparent genug dargestellt, stellte die schweizerische Volkspartei letzte Woche in ihrer Präsentation die Ziele bis ins Jahr 2016 vor.
Drei ihrer Vorhaben geben Anlass zur Diskussion. Um die Sicherheit der Aadorfer Bevölkerung zu erhöhen, sollen zukünftig Videokameras auf dem Bahnhofsgelände installiert werden. «Ich kenne Frauen, die abends den Bahnhof meiden, da sie sich vor Übergriffen fürchten», sagt Vizepräsident Ueli Graf. Ihnen gäbe eine Videoüberwachung ein Stück Sicherheit. Dazu käme ein weiterer Vorteil: Man käme Abfallsündern auf die Schliche und könnte so dem Littering einen Riegel vorschieben. Der Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten müsse wenn nötig ausgebaut werden. «Hierfür braucht es eine bessere Koordination der privaten Sicherheitsfirmen mit der Polizei», so Ueli Graf.
«Die Bäder arbeiten defizitär»
Ganz grundsätzlich stellt die SVP die öffentlichen Bäder von Aadorf in Frage. «Wir müssen uns bei den Bädern gut überlegen, ob wir uns diesen Luxus künftig noch leisten wollen», sagt Patrick Stacher. «Die Bäder arbeiten defizitär und wir müssen uns die Frage stellen, wie viel Steuergeld weiterhin in die Bäder gesteckt werden soll.»
Auch die Turnhalle war, wie erwartet, erneut ein grosses Thema. Die Ablehnung des Löhracker-Projekts vom letzten Herbst habe nichts mit dem grundsätzlichen Bedürfnis nach einer Dreifachturnhalle zu tun gehabt. «Wir haben nicht die Halle an sich bekämpft, sondern deren Ausmasse. Ein neues Projekt hat unsere Unterstützung, wenn es günstiger ist als das erste», sagt Präsident August Sidler. Des Weiteren fordern sie den Zusammenschluss zwischen der Politischen Gemeinde Aadorf und der Schulgemeinde.
Geteilte Übereinstimmung
Die Meinungen der anderen politischen Parteien von Aadorf sind geteilt. SP-Vorstandsmitglied Karl Hostettler begrüsst es sehr, dass die SVP etwas unternimmt. Die SP sei bislang noch nicht zusammengekommen, und seiner persönlichen Ansicht nach hinterfrage er das Konzept eines Hallen- und Freibads ebenfalls. «Ob wir wirklich beide Bäder benötigen, muss nochmals durchdacht werden.» Auch die Aufbesserung der Sicherheit am Bahnhof findet Hostettler grundsätzlich gut. «Dennoch müssen wir den Jugendlichen, die den Bahnhof als Treffpunkt nützen, eine Alternative bieten.» Die SP diskutiere schon länger über einen Treff für Jugendliche und möchte diese bei der Planung unbedingt mit einbeziehen.
Eine Schliessung der öffentlichen Bäder hält FDP-Präsident Peter Arnold für eine schlechte Idee. «Gerne möchten wir die Bäder aufrechterhalten, obwohl es die Gemeinde was kostet. Aadorf gewinnt dadurch an Attraktivität», so Arnold. Über den Bau einer Dreifachturnhalle ist sich die FDP einig. «Dies wäre sehr sinnvoll, sofern die Kosten niedriger als beim ersten Projekt ausfallen.» Aber im Vorschlag, dass sich die Schulgemeinde mit der Politischen Gemeinde Aadorf zusammenschliesst, sieht Arnold keine Vorteile. «Es ist durchaus möglich, jedoch sind wir der Ansicht, dass die jetzige Situation passt.»
Bäder gehören nach Aadorf
Die Sicherheit am Bahnhof sei ein Muss. «Jugendliche, die am Bahnhof Alkohol konsumieren, machen zwar Lärm und verursachen Unruhe, doch von ihnen geht keine Gefahr aus.»
Dies sieht Stephan Pfefferli, CVP-Präsident, etwas anders. «Wir haben auf dem Bahnhofareal ganz klar ein Problem, doch ob eine elektronische Überwachung die gewünschte Lösung bringt, ist nicht garantiert.» Zuerst müsse man alle Möglichkeiten abwägen und ein Konzept ausarbeiten. Was die Kostenstelle der öffentlichen Bäder betrifft, sieht Pfefferli die Abschaffung als Eigentor an. «Wenn wir unsere Jungen von den Strassen weghaben wollen, dann können wir ihnen nicht auch noch eine öffentliche Institution nehmen», sagt Pfefferli. «Grundsätzlich gehören öffentliche Bäder nach Aadorf.»
Von der EVP gibt es kein Statement, da Präsident Harry Leutert letzte Woche in den Ferien weilte und über die Ziele der SVP noch nicht im Bild sei.
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